Es war einmal …

17. Dezember 2021
von S. von Knorre

Um vielen Menschen eine Freude zu machen wurde ein Weihnachtsbuch geschrieben und verdeckt in Deutschland publiziert. Zu zwei Exemplaren gehörten die Weihnachtswichtel Lilly und Oscar – sie waren ganz gespannt, als sie merkten, dass die Reise im Lieferwagen zu Ende ging und das Paket mit ihnen übergeben wurde. Zuerst ging es mit dem Fahrstuhl und vielen anderen Paketen nach oben. Aufgeregt machten sich Lilly und Oscar gerade noch rechtzeig unsichtbar, um nicht von den Menschen entdeckt zu werden, als das Paket ausgepackt wurde.

Zwei gezeichnete Wichtel sitzen auf einem Wagen voller Bücher und staunen.
Foto: Stephan Jockel, Zeichnung: Jo-Aenna Tran

Staunend sahen sich die beiden um. Sie befanden sich in einem großen Raum, in dem an mehreren Tischen Bücher und andere Medien ausgepackt und auf Bücherwagen gelegt wurden. Um nicht von ihren Büchern getrennt zu werden hüpften sie schnell auf den Wagen und ließen sich kurze Zeit später gemütlich in ein Büro kutschieren. Eine Mitarbeiterin nahm ihre Bücher und rief am PC den Datensatz auf. Dann klebte sie Barcodes unten rechts auf die Vorderseite der Bücher, erfasste diese im Datensatz und ergänzte noch einige Angaben. Als das erledigt war, legte sie die Bücher auf zwei verschiedene Stapel.

„Guck mal mein Barcode hat einen blauen Schriftzug: Frankfurt am Main“, sagte Lilly. „Meiner ist grün“, sagte Oscar, „Leipzig“ und überlegte angestrengt, was das bedeuten könnte.

Kurze Zeit später fuhren sie wieder neben den Büchern auf dem Wagen mit. Neben einigen großen Bücherwagen machten sie Halt. Der Stapel mit Lillys Buch wurde auf einen der Wagen gestellt. Mutig sprang sie hinterher. Oscar ließ sich gemütlich mit seinem Buch auf einen anderen Wagen tragen. Die Mitarbeiterin, die die Bücher bearbeitet hatte unterhielt sich noch kurz mit einer Kollegin und Lilly schnappte einige Gesprächsfetzen auf. „Transportboxen“, „heute noch wegschicken“ und „Leipzig“ waren dabei. Lilly grübelte. Leipzig hatte sie doch heute schon mal gehört. Sie schaute zu Oscar und sah, wie der Bücherwagen auf dem er saß, weggeschoben wurde. „Oscar!“, rief Lilly, aber er schien sie nicht zu hören. Aufgeregt hüpfte Lilly dem Bücherwagen hinterher, um ihn zu erreichen. „Oscar, komm da raus. Sie wollen die Bücher wegschicken!“, rief Lilly, als der Wagen in den Aufzug geschoben wurde. Diesmal hörte Oscar sie und setzte sich in Bewegung. Doch die Türen begannen bereits zu zugehen. Kurz bevor sich die Tür schloss, schaffte es Oscar durch den Spalt zu springen und purzelte in Lillys Arme. „Puh, das war knapp“, sagte er ganz außer Atem und die beiden machten sich auf den Weg zu Lillys Wagen.

Die Reise der Wichtel ging weiter in ein Büro mit riesigen Scannern, wo die Inhaltsverzeichnisse der Bücher eingescannt wurden.

Danach wurde der Wagen in ein Büro gefahren, wo sich verschiedene Mitarbeitende Bücher davon nahmen. Oscar und Lilly folgten Lillys Buch in ein Büro und sahen dabei zu, wie in den Datensätzen der verschiedenen Bücher die formalen Angaben wie Titel, Seitenzahl und Autor, korrigiert und ergänzt wurden. „Erstaunlich wie unterschiedlich die Bücher hier alle sind“, sagte Oscar staunend. Lilly nickte. Als sie sich zwischendurch vorsichtig auf dem Flur umguckten, sahen sie in anderen Büros außer Büchern auch Karten und CDs.

Der Weg des Weihnachtsbuches führte sie weiter in einen Raum, der ungefähr so groß sein musste wie der Auspackraum, aber fast voll mit Regalen stand. Nach einer Weile kamen zwei Mitarbeiterinnen, nahmen die Bücher und sortierten sie nach Sachgruppen. Jedes Buch bekam einen Zettel mit seiner Sachgruppe. Später wurden die Bücher von einem anderen Mitarbeiter in die Regale zur jeweiligen Sachgruppe gelegt. Das Weihnachtsbuch wurde in die Belletristik eingeteilt und bekam deshalb, wie einige andere Bücher auch, noch einen Ausdruck.

Durch die Gespräche einiger Mitarbeitenden erfuhren sie, dass für einige Bücher sehr genaue Notationen und Schlagwörter vergeben werden, während andere nur eine Sachgruppe und Formangabe bekommen.

Von der inhaltlichen Erschließung aus ging die Reise weiter in einen Bereich mit einem guten Ausblick auf die Stadt und mehreren Tischen, an denen die Bücher nach Formaten sortiert wurden. Lillys Buch gehörte, wie viele Bücher vom Wagen, zu den kleineren Büchern, die die Mitarbeitenden als „A-Format“ bezeichneten.

Der Bücherwagen mit den kleineren Büchern wurde nun in einen Bereich gefahren, wo die Bücher nach Höhe der Buchrücken in ein Regal sortiert wurden. Wenn ein Regalboden voll war, bekam jedes der Bücher ein Klebeetikett, auf dem das aktuelle Jahr, das Format und eine laufende Nummer standen. Lilly hörte wie die Mitarbeiter das Ganze als Signatur bezeichneten. Als ein Regalmeter Bücher fertig bearbeitet war, ging es mit dem Fahrstuhl nach unten.

Zwei Wichtel klettern in einem Regal des Magazins in Frankfurt am Main umher.
Foto: Stephan Jockel, Zeichnung: Jo-Aenna Tran

In den großen leeren Gängen mit glatten Böden durch die sie nun fuhren, war es kühl und die beiden waren sehr froh über ihre warmen Wollpullover. „Ein bisschen wie zuhause“, flüsterte Oscar. Lilly nickte und rückte etwas näher. Nach kurzer Zeit fuhren sie in einen riesigen Raum, in dem an den Seiten der Gänge Regalblöcke standen. Die Regale standen auf Schienen, konnten durch Kurbeln bewegt werden und waren fast alle mit Büchern gefüllt. Beeindruckt schauten sie sich um, während eine Mitarbeiterin die Bücher einräumte. „Komm, lass uns das hier erkunden“, forderte Lilly Oscar auf, als die Mitarbeiterin sich auf den Rückweg machte, und sprang vom Wagen. Oscar folgte ihr und sie erkundeten die Magazinräume.

Am nächsten Morgen sahen sie einen Mitarbeiter, der Bücher aus den Regalen zog, Bestellzettel hineinlegte und stattdessen Stellvertreter in die Lücken stellte. Neugierig schlüpften Lilly und Oscar auf seinen Bücherwagen und fuhren mit nach oben. Sie kamen in einen Raum, der wieder Teppichboden hatte und in dem viele kleinere Regale in Reihen standen. Mehrere Mitarbeiterinnen nahmen den Wagen in Empfang und begann die Bücher zu sortieren. Die beiden schauten sich um, schlüpften unter einigen Metallstäben an einer langen Theke vorbei und schauten nun in einen großen offenen Saal, der in mehrere Ebenen aufgeteilt war. Tische, Stühle, Treppen und Geländer waren relativ schlicht gehalten, aber die Regale waren wieder voller Bücher und auf der linken Seite hatte man durch eine Glasfront einen wunderbaren Ausblick auf einen Garten.

Für einige Momente standen Lilly und Oscar staunend da, aber dann siegte die Neugier und sie machten sich auf den Weg, um den Saal zu erkunden. Erst leise und vorsichtig, als noch viele Menschen in ihre Bücher versunken an den Tischen saßen, später dann vergnügt und ausgelassener, als sie allein waren.

Und wenn sie nicht in eine Transportkiste nach Leipzig geschlüpft sind, erkunden sie das Haus in Frankfurt noch heute.

Zwei Wichtel rutschen das Geländer einer Wendeltreppe im Lesesaal hinunter.
Foto: Stephan Jockel, Zeichnung: Jo-Aenna Tran
*Nachweis Beitragsbild auf der Startseite:Zeichnung: Jo-Aenna Tran

12 Kommentare zu „Es war einmal …“

  1. Franziska Stein-Reitz sagt:

    Wundervoll, besonders die Zeichnungen! Macht Spaß das zu lesen, obwohl die Weihnachtswichtel wahrscheinlic bis nächstes Jahr verschwunden sind.

    1. FaMi sagt:

      Dankeschön! Es freut uns, dass Sie Freude beim Lesen hatten. Vielleicht kehren die Wichtel ja dieses Jahr wieder 🙂

  2. Susanne Newquist sagt:

    Wow! „Der Gang des Buches“ in einer kleinen Weihnachtsgeschichte, und mit so witziger Illustration. 🙂 Großes Lob an unsere Auszubildenden!

    1. FaMi sagt:

      Vielen lieben Dank Frau Newquist 🙂 Das freut uns sehr.

  3. Anja sagt:

    Sehr schöne Geschichte!

    1. FaMi sagt:

      Danke sehr! 🙂

  4. Elke Jost-Zell sagt:

    Entzückende Geschichte und niedliche Zeichnungen – Danke für das Herzerwärmen!

    1. FaMi sagt:

      Vielen Dank für die lieben Worte 🙂 Das freut uns sehr!

  5. Nena Njegric sagt:

    Super….
    Sehr schön.
    Bin stolz auf euch…!!!
    L.G.Nena

    1. FaMi sagt:

      Dankeschön, Nena! 🙂

  6. Amir sagt:

    Schöne Geschichte!

    1. FaMi sagt:

      Vielen Dank 🙂

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  • ISSN 2751-3238