Abschied von Ute Schwens: Eine Ära geht zu Ende

5. Dezember 2025
von Frank Scholze

Im November 2025 hat die Deutsche Nationalbibliothek Ute Schwens verabschiedet. Es war ein bewegender Moment – nicht zuletzt deshalb, weil mit ihr ein Stück Geschichte der DNB geht. Mit Leidenschaft und Überzeugung hat sie die DNB über Jahrzehnte hinweg geprägt, gestaltet und getragen.

Ute Schwens und Renate Gömpel beim gemeinsamen Abschied aus der DNB, Foto: DNB, Thomas Domin

Ute Schwens hat die DNB 48 Jahre lang mitgestaltet, durch Veränderungen geführt und ihr immer wieder neue Impulse gegeben. Nach verschiedenen Stationen in mehreren Bereichen war sie seit 1999 Direktorin am Standort Frankfurt am Main und ständige Vertreterin der Generaldirektorin bzw. des Generaldirektors – und damit eine der tragenden Säulen der DNB. Sie trug Verantwortung für rund 350 Kolleginnen und Kollegen und für ein Gebäude mit 47.000 Quadratmetern Fläche – für Lesesäle, Magazine, Ausstellungsräume, Rechenzentrum und Verwaltung. Das alles hat sie mit ruhiger Hand, klarer Haltung und großem Überblick gemeistert.

Früh erkannte Ute Schwens, dass die DNB den digitalen Wandel nicht nur begleiten, sondern aktiv gestalten muss. Um ihren gesetzlichen Auftrag auch in Zukunft zu erfüllen, müsse die Bibliothek das kulturelle Gedächtnis auch im digitalen Raum sichern – damit kein „schwarzes Loch“ des 20. und 21. Jahrhunderts entsteht. Sie wusste, dass Publikationen in öffentlichen Netzen – oder etwas formaler: die „unkörperlichen Medienwerke“ – ebenso Teil des kollektiven Wissens sind wie gedruckte Werke. Mit fachlicher Kompetenz und langem Atem trug sie entscheidend dazu bei, dass der gesetzliche Sammelauftrag der DNB 2006 auf Netzpublikationen ausgeweitet wurde. Das Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek (DNBG) von 2006 ist daher ein Meilenstein, der auch ihre Handschrift trägt.

Auch die organisatorische Weiterentwicklung der DNB hat sie maßgeblich vorangetrieben: die Zusammenführung von Erwerbung und Formalerschließung, die Gründung der Abteilung Digitale Dienste oder der Aufbau eines internen Controllingsystems – Projekte, die Weitsicht, Geduld und Beharrlichkeit erforderten. Eigenschaften, die Ute Schwens auszeichnen.

Dabei hat sie nicht nur Strukturen geschaffen, sondern vor allem Kultur geprägt: eine Kultur der Offenheit, des Dialogs und der Verantwortung. Besonders wichtig war ihr, dass die Menschen der DNB im Mittelpunkt stehen. Bei einem Beschäftigtentreffen sagte sie einmal: „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind der größte Schatz der Deutschen Nationalbibliothek.“

Ihr Engagement reichte weit über die DNB hinaus. Sie war national und international vernetzt und aktiv – in der Deutschen UNESCO-Kommission, in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, im IFLA-Nationalkomitee, in der Conference of European National Librarians (CENL) und in vielen weiteren Gremien. Auch dort war sie eine kluge, diplomatische und überzeugende Stimme – lösungsorientiert und stets mit dem Blick auf das Ganze.

Ute Schwens hat die Deutsche Nationalbibliothek durch viele Phasen des Wandels geführt – mit Klarheit, Gelassenheit und Mut. Dafür danken wir ihr von ganzem Herzen. Sie hinterlässt Spuren, die bleiben werden: in Strukturen, in Projekten, aber vor allem in der Art, wie sie Führung verstanden und gelebt hat.

Nach fast einem halben Jahrhundert engagierter Arbeit wünschen ihr die Kolleginnen und Kollegen der Deutschen Nationalbibliothek alles Gute – und viele inspirierende Momente im neuen Lebensabschnitt!

*Nachweis Beitragsbild auf der Startseite:DNB, Thomas Domin

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