2 von 600: Bundesfreiwilligendienst

12. Januar 2026
von Charlotte Horstmann, Jana Weinlich

Was ist der Bundesfreiwilligendienst Kultur?

Portrait einer Person
Charlotte Horstmann, Foto: DNB, Armin Bernuth

Charlotte Horstmann: Der Bundesfreiwilligendienst Kultur bietet Menschen zwischen 16 und 27 die Möglichkeit, sich aktiv für das kulturelle Leben und das Allgemeinwohl einzusetzen. Er eröffnet Einblicke in den Arbeitsalltag kultureller Einrichtungen, vermittelt praktische Fähigkeiten und unterstützt die persönliche und berufliche Weiterentwicklung. Zudem kommt man durch die Trägerorganisation, bei mir das LKJ Sachsen, mit verschiedenen Bundesfreiwilligen zusammen.
In verschiedenen Seminarwochen und Workshops kann ich so andere Freiwillige aus Sachsen in Kultureinrichtungen kennenlernen.

Portrait einer Person
Jana Weinlich, Foto: DNB, Stephan Jockel

Jana Weinlich: Im Prinzip ist das so ähnlich wie ein FSJ nur eben im kulturellen und nicht im sozialen Bereich. Die Besonderheit beim BFD im Vergleich zum FSJ Kultur ist, der Träger. Im BFD ist das die Bundesrepublik Deutschland. In der Realität hat das für mich aber nur den Unterschied gemacht, dass mein Beschäftigungsvertrag auch von jemandem dort unterschrieben werden musste.

Ansonsten ist der BFD ein Jahr, in dem man sich freiwillig in einer kulturellen Einrichtung engagieren kann. Am Ende bekommt man ein Zertifikat darüber ausgestellt, dass man ggf. auch auf den praktischen Teil des Fachabi‘s anrechnen kann. Während der Beschäftigungszeit haben wir 30 Tage Jahresurlaub und müssen auch an 25 Bildungstagen teilnehmen, die von unserer Trägervereinigung organisiert werden. Für mich in Frankfurt ist das die LKB Hessen. Außerdem bekommen wir ein monatliches Taschengeld und auch Sozial-und Rentenversicherung gezahlt.

Wie sieht der Tag als Bundesfreiwillige in der Deutschen Nationalbibliothek aus?

Jana Weinlich: Tatsächlich sehr unterschiedlich. Das hängt schon alleine davon ab, ob ich in meinem Büro in der Öffentlichkeitsarbeit, im Exilarchiv oder im Homeoffice bin. Wenn ich vor Ort in Frankfurt bin, schließe ich meistens als erstes alle Büros auf. Da ich einen relativ weiten Anfahrtsweg habe, bin ich normal die Erste, die da ist. Dann hole ich meinen Laptop raus, schalte ihn an und schaue in meine Mails und meine Aufgabenliste in Outlook, was ich an dem Tag alles für To-Dos und Termine habe. Während mein Tee zieht, fange ich dann meistens schon mal an, die Mails vom Vortag zu bearbeiten und erste Aufgaben zu erledigen. Wenn dann meine Kolleg*innen so gegen neun kommen, sprechen wir darüber, wo ich heute unterstützen kann, bzw. was ich mir vorstellen kann, an Aufgaben zu übernehmen.

Eine Person mit farbigem Tuch um den Hals hält ein Mikro, links und rechts von ihr stehen ein Bildschirm mit einem unscharfen Logo und ein Roll-Up mit dem Logo der "Deutschen Nationalbibliothek"
Bringt das Mikro zu den Wortmeldungen: Jana Weinlich bei der Konferenz „Zugang gestalten!“

Mittagspause ist meistens so zwischen 12 Uhr und 13 Uhr, dann geht es weiter mit verschiedenen Aufgaben. Momentan sind das vor allem das Entwerfen einer Reihe für die sozialen Medien und das Schreiben von Blogbeiträgen oder die Bearbeitung der dazugehörigen Bilder.

Zweimal die Woche bin ich im Deutschen Exilarchiv eingesetzt. Da beginnt mein Tag auch mit einem Blick in die Mails und auf den Terminkalender. Kurz nach neun schalte ich die Interviews in der interaktiven Ausstellung „Frag nach!“ an und mache einen Rundgang durch die Ausstellung. Danach gibt es immer verschiedene Kleinigkeiten zu tun und es wird garantiert nicht langweilig.

Da ich als BFDlerin nur 7 Stunden am Tag arbeiten muss, mache ich in der Regel schon um kurz vor vier Feierabend und fahre mit der U-Bahn zum Hauptbahnhof zurück.

Eine Person zeigt einem Publikum das Cover eines Buches, neben ihr sitzt eine Person, die ein Mikro in ihre Richtung hält
Charlotte Horstmann liest beim Vorlesetag 2025 und wird dabei von einem Sender aufgenommen. Foto: DNB, Fanni Fröhlich

Charlotte Horstmann: Mein Arbeitsalltag in der Deutschen Nationalbibliothek ist sehr vielfältig, weil ich sowohl in der Öffentlichkeitsarbeit als auch im Deutschen Buch- und Schriftmuseum tätig bin. Meist komme ich zwischen acht und neun Uhr mit der Bahn an und beginne den Tag damit, meine E-Mails zu lesen und einen Überblick über meine Aufgaben zu gewinnen. Danach gestaltet sich jeder Tag anders. In den vergangenen Wochen hatte ich beispielsweise viele spannende Einführungen in verschiedene Bereiche des Hauses und konnte dadurch einen Einblick in die Arbeit der DNB gewinnen.

Zudem unterstütze ich Veranstaltungen und museumspädagogische Angebote und helfe sowohl bei der Vorbereitung als auch bei der Nachbereitung. Ein weiterer Teil meiner Tätigkeit ist außerdem die Betreuung des Instagram-Accounts des Museums, wofür ich regelmäßig Fotos mache, Beiträge zusammenstelle und kurze Bildbeschreibungen verfasse. Diese Mischung aus Planung, Kreativität und direktem Kontakt mit Menschen macht meinen BFD sehr abwechslungsreich.

Was hat euch nach eurem Start am meisten überrascht?

Charlotte Horstmann: Besonders überrascht hat mich, wie viele Menschen an der DNB arbeiten und wie vielfältig die Berufe und Tätigkeitsfelder sind, die hier zusammenkommen. Obwohl ich nun schon seit September hier arbeite, begegne ich fast täglich neuen Menschen und lerne immer wieder neue Arbeitsbereiche kennen.
Auch die Größe des Hauses hat mich beeindruckt – sowohl räumlich als auch hinsichtlich der enormen Vielfalt der Sammlungen. Erst mit der Zeit ist mir bewusst geworden, wie umfangreich und vielschichtig die Aufgaben der DNB wirklich sind.

Charlotte Horstmann pflegt den Instagram-Account @buchundschriftmuseum, zum Beispiel mit Beiträgen zur Ausstellung „Forget it?! Geschichten der Wissensspeicherung“

Jana Weinlich: Wie lieb und freundlich alle Kolleg*innen hier sind. Mir wurde alles genau erklärt und auch immer wieder gefragt, ob noch irgendwas unklar ist oder ich was brauche. Generell fühle ich mich hier in dem Team super wohl und komme, trotz des weiten Weges, gerne ins Büro.

Außerdem hätte ich nicht damit gerechnet, dass ich einen eigenen Schreibtisch und sogar einen Dienst-Laptop bekomme, den ich für das Home Office auch mit nach Hause nehmen darf. Überhaupt die Möglichkeit angeboten zu bekommen, auch remote zu arbeiten, finde ich wirklich super, denn das erleichtert mir doch vieles.

Generell hat es mich auch überrascht, wie groß und vielfältig die DNB auch als Arbeitgeberin ist und wie viele verschiedene Abteilungen es gibt. Bei meinem Vorstellungsgespräch habe ich zwar auch eine kurze Führung bekommen, aber so direkt mitten drin zu sein, ist doch nochmal etwas anderes.

Warum habt ihr euch für die DNB entschieden?

Jana Weinlich: Dass war bei mir tatsächlich eher eine spontane Entscheidung. Ich wusste vorher gar nicht, dass es die DNB oder den Standort in Frankfurt gibt. Ich habe dann im Internet nach Optionen für nach dem Abi gesucht und bin auf den BFD Kultur gestoßen. Von den Einsatzstellen, die es gab, hat mich die DNB wahrscheinlich wegen dem Aspekt Bibliothek angesprochen. Ich lese gerne und hab auch schon mal ein Schulpraktikum in einer kleineren Bücherei gemacht. Und mit dem Standort in Frankfurt war es das einzige, dass ich von den Stellen in einer realistischen Zeit mit dem Zug erreichen kann. Von dem BFD-Taschengeld eine eigene Wohnung etc. zu finanzieren ist praktisch unmöglich. Also hab ich mich auf gut Glück beworben und wurde genommen.

Charlotte Horstmann: Ich habe mich für die Deutsche Nationalbibliothek entschieden, weil ich Leipzig als Stadt sehr schätze. Die lebendige Atmosphäre, die vielen jungen Menschen und das große kulturelle Angebot haben mich sofort begeistert. Die DNB selbst hat mich angezogen, weil ich Bibliotheken seit meiner Kindheit als besondere Orte empfinde.

Besonders angesprochen haben mich die Bereiche Öffentlichkeitsarbeit und Museum. In der Öffentlichkeitsarbeit reizt mich, die DNB nach außen sichtbar zu machen und kreativ zu kommunizieren. Die Museumsarbeit hingegen fasziniert mich, weil dort Wissen anschaulich und oft auch kreativ vermittelt wird und man an der Gestaltung von Ausstellungen mitwirken kann.

Worauf freut ihr euch auch in der Bundesfreiwilligen-Zeit?

Charlotte Horstmann: Ich freue mich darauf, meinen Horizont zu erweitern und viele neue Fähigkeiten zu erlernen. Besonders im Umgang mit verschiedenen Programmen und digitalen Werkzeugen habe ich bereits einiges dazugelernt, und ich möchte diese Kenntnisse während meiner Zeit an der DNB weiter vertiefen. Gleichzeitig möchte ich selbstständiger arbeiten und mehr Verantwortung für eigene Aufgaben übernehmen. Außerdem freue ich mich sehr auf weitere Einführungen im Haus sowie auf die Seminarwochen, um mich mit anderen Bundesfreiwilligen austauschen zu können.

Eine Person interviewt eine andere Person
Jana Weinlich beim Führen eines Interviews für den DNB Blog. Foto: DNB, Stephan Jockel.

Jana Weinlich: Ich freue mich generell darüber, nach dem Abi etwas Praktisches zu machen, etwas von dem ich das Gefühl habe, dass es mir und der Gesellschaft einen Mehrwert bringt. Außerdem hoffe ich, dass mir dieses Jahr dabei helfen kann, mich beruflich zu orientieren und auch wertvolle Fähigkeiten für das spätere Arbeitsleben zu erwerben.

Einen DNB-Tipp, den ihr Lesenden geben würdet:

Jana Weinlich: Es lohnt sich, in den Lesesaal zu kommen. Auch wenn man wirklich einfach nur lesen und nicht arbeiten möchte.
Wenn man ein bisschen mehr Zeit übrig hat, lohnt sich auch unbedingt der Besuch im Exilarchiv. Ich selbst war in der Schule auch nie der größte Geschichts-Fan und in meinem Kopf war alles, was auch nur im Entferntesten mit Museum zu tun hatte, per se langweilig. Aber die Ausstellung im Exilarchiv hat mir gezeigt, dass es auch anders geht. Hier habe ich gemerkt, dass ich bei meinen Kontrollgängen wie automatisch immer wieder stehen geblieben bin, um etwas doch ganz zu lesen oder ein Video zu Ende zu schauen.
Sie dürfen uns gerne in den sozialen Netzwerken folgen, denn es gibt eine Menge Leute, die sich immer ganz viel Mühe damit geben, dass es da regelmäßig neuen Content gibt und auch alle Veranstaltungen veröffentlicht werden.

Charlotte Horstmann: Ich empfehle allen, einmal an einem kreativen Angebot des Museums am Standort Leipzig teilzunehmen. Die Workshops bieten eine wunderbare Gelegenheit, sich aktiv mit der Dauerausstellung auseinanderzusetzen und das Museum auf eine kreative Weise zu erleben.

*Nachweis Beitragsbild auf der Startseite:Armin Bernuth, Stephan Jockel

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