Gegen KI-generierte Holocaust-Verfälschungen

19. Januar 2026
von Dr. Sylvia Asmus

Das Deutsche Exilarchiv beteiligt sich an einem Offenen Brief, der in der vergangenen Woche veröffentlicht wurde. In diesem Brief fordern zahlreiche Gedenkstätten und Einrichtungen historisch-politischer Bildung, konsequent gegen KI-generierte Bilder im Zusammenhang mit der Shoah vorzugehen und gleichzeitig die Medien- und KI-Kompetenz in der historisch-politischen Bildung zu stärken. Wir schließen uns dieser Forderung an und zitieren im folgenden Ausschnitte aus dem offenen Brief. Den vollständigen Brief haben wir unten verlinkt.

„In den Sozialen Netzwerken tauchen in den letzten Monaten immer mehr massenhaft mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellte Inhalte mit Bezug zum Nationalsozialismus auf, die keine historischen Ereignisse abbilden, sondern frei erfunden sind. Diese umgangssprachlich als AI-Slop bezeichneten Inhalte zeigen beispielsweise vermeintliche Situationen in nationalsozialistischen Lagern oder bei deren Befreiung. Diese zeichnen ein extrem verzerrtes und falsches Bild. (…)

Diese Entwicklung beobachten wir als Einrichtungen historisch-politischer Bildung mit großer Sorge. KI-generierte Inhalte verfälschen die Geschichte durch Verharmlosung und Verkitschung. Sie verändern die Sehgewohnheiten der Nutzer*innen, die zunehmend auch authentische historische Dokumente anzweifeln. Mit jedem dieser Postings wird die Arbeit von Gedenkstätten, Archiven, Museen und Forschungseinrichtungen entwertet und ihre Glaubwürdigkeit untergraben. (…)

Wir setzen uns für eine digitale Öffentlichkeit ein, in der Überlebende der nationalsozialistischen Verfolgung und ihre Nachkommen davor geschützt sind, dass ihre Lebensgeschichten von Unbekannten für Profit instrumentalisiert werden. Historische Quellen und wissenschaftliche Forschung dürfen nicht von massenhaft KI-generierten Inhalten verdrängt werden. Wir wollen, dass echte Stimmen und vielfältige Perspektiven gehört werden. 

Wir sind nicht gegen digitale Formen des Gedenkens und der Vermittlung. Auch künstliche Intelligenz kann in der historisch-politischen Bildungsarbeit durchaus sinnvoll eingesetzt werden. Die gesamtgesellschaftliche Herausforderung besteht jedoch darin, ethische und historisch verantwortungsvolle Standards für diese Technologie zu entwickeln. Plattformbetreiber tragen dabei eine besondere Verantwortung: Sie müssen sicherstellen, dass das Leid der Opfer nicht durch emotionalisierte Fiktionen trivialisiert wird.“

Der offene Brief ist hier abrufbar: Offener Brief: Konsequentes Vorgehen gegen KI-generierte Holocaust-Verfälschungen auf Social-Media-Plattformen (gedenkstaettenforum.de)

Die Bilder in diesem Beitrag zeigen unseren Instagram-Post zu dem Thema.

*Nachweis Beitragsbild auf der Startseite:Die Bilder in diesem Beitrag zeigen unseren Instagram-Post zu dem Thema.

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  • ISSN 2751-3238