Der Vorlass des Harald Fischer Verlags
Die Übernahme größerer geschlossener Bestände (Verlagsarchive bzw. bei Künstlern als Nachlässe oder – bei Übernahme vor ihrem Tod – „Vorlässe“ bekannt) bringt Herausforderungen mit sich. Häufig müssen mit einem Mal große Mengen an Material bewältigt, d.h. verpackt, erschlossen und aufgestellt werden. Oft stehen damit Medienarten nebeneinander, die sonst üblicherweise getrennt gesammelt werden, z.B. Grafiken und Bücher. Auch können solche Sammlungen Objekte von sehr verschiedener Relevanz enthalten. Der große Vorteil ergibt sich jedoch aus dem Gesamtbild, aus der Zusammenschau vieler einzelner Objekte, die sich oft vielfältig aufeinander beziehen (Vorarbeiten, Rechnungen, Kommentare in Korrespondenz usw.). Daher haben derlei Sammlungen an Gewicht für die Forschung und somit auch für die DNB als damit vernetzte Institution gewonnen.
In diesem Kontext hat der Harald Fischer Verlag, Erlangen, nun die Masterfiches (Silberfiches) sowie die digitalen Editionen aus seiner Produktion an die Deutsche Nationalbibliothek übergeben, da der Verlag in den nächsten Jahren aufgegeben wird, die Grundlagen der Verlagserzeugnisse jedoch erhalten werden sollen. Der Verlag ist auf die Digitalisierung und Edition historischer Quellen, insbesondere alter Bücher, Zeitschriften, Archivalien und illustrierter Handschriften, spezialisiert. Die Deutsche Nationalbibliothek erhält durch die Übernahme der physischen Medien eine optimale Ausgangssituation zur Erhaltung dieses Medientyps in der Sammlung.
Silberfiches als langlebige Mastermedien für Nutzung, Reproduktion und Digitalisierung
Silberfiches sind die Master, die Grundlage für die Erstellung der Diazokopien, die für die Nutzung bereitgestellt werden. Zum anderen sind die Masterfiches bei Digitalisierungswünschen nach einzelnen Editionen die ideale Digitalisierungsvorlage. Diese Mikroformen bestehen aus Polyesterfolie in Form von Rollfilm oder als Mikrofiche im Postkartenformat. Mit bestimmten Verkleinerungsfaktoren z. B. 1:20 wird ein Monochromfilm des Originals per lichtempfindlicher Silberhalogenid-Emulsion auf der Folie aufgebracht. Es entsteht ein hochwertiger Silberfilm (Masterfilm), von dem weitere Kopien (Diazofilm) angefertigt werden können. Per Lupe können diese gelesen, per Lesegerät vergrößert, gescannt und digitalisiert werden. Die lange Haltbarkeit des Materials wird für die Archivierung in Behörden, Firmen, Archiven, zum Beispiel auch im Barbarastollen genutzt. Mit Reader-Printern können die Mikroformen jederzeit neu ausgedruckt werden.
Die Sammlung besteht vor allem aus digitalisierten historischen Beständen aus Bibliotheken und Archiven, insbesondere alte Bücher, Zeitschriften, Handschriften und sonstige Quellen aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich.



Die bereits digitalisierten Editionen sind durch die vorhandene Datenbank bedeutend besser recherchierbar als diejenigen auf den Fiches. Für die DNB stellen sie darüber hinaus interessante Volltexte für die Nutzung in den digitalen Geisteswissenschaften dar.
Die DNB bedankt sich daher ganz herzlich beim Harald Fischer Verlag für die Übergabe dieses Medienarchivs und sichert zu, dass die Werke damit weiterhin für die Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.







