Mein Praktikum im Exilarchiv

17. März 2026
von Malina Straßer

Wer schon einmal die Gelegenheit hatte, mit dem Deutschen Exilarchiv 1933-1945 der Deutschen Nationalbibliothek in Kontakt gekommen zu sein, der weiß um die wichtige Aufgabe, der sich diese Institution seit ihrer Gründung 1949 verschrieben hat: Die Erfassung und Bereitstellung persönlicher Bestände von Personen, die vor dem Nationalsozialismus fliehen und ins Exil gehen mussten, sowie die Aufrechterhaltung von kollektiver Erinnerungskultur und demokratischen Werten.

Ich hatte die Möglichkeit, im Rahmen meines Masterstudiums „Literaturvermittlung in den Medien“ das Deutsche Exilarchiv in einem achtwöchigen Praktikum genauer kennen zu lernen. In diesen acht Wochen durfte ich in allen Tätigkeitsfeldern mitwirken, die zum Alltag des Exilarchivs gehören. Der Eindruck, den ich dadurch bekommen habe, war ein vielfältiger, spannender und sehr beeindruckender. Auf der einen Seite habe ich an den sorgfältigen Prozessen mitarbeiten dürfen, die die Erschließung der Bestände und Nachlässe betreffen. Dazu gehören die Sichtung der zugesandten oder erworbenen Materialien genauso wie ihre Sortierung und ihre Überführung in die Katalogisierungssoftware WinIBW, wodurch sie Nutzenden über Online-Kataloge zugänglich gemacht werden können. Auf der anderen Seite war ich Teil von Führungen und Workshops, die auf Grundlage der Ausstellungen des Exilarchivs angeboten werden und die unmittelbar zeigen, welche Früchte die vorangehenden Erschließungsarbeiten für die Vermittlung der kostbaren Bestände tragen. Außerdem durfte ich bei der Vorbereitung und Durchführung einiger Veranstaltungen helfen, die im Hause der Deutschen Nationalbibliothek stattgefunden haben. So habe ich ebenfalls mitbekommen, wie sich das Deutsche Exilarchiv in Kooperation mit anderen Institutionen erfolgreich um die Sichtbarkeit und Verbreitung der Themen bemüht, die, wie ich jeden Tag gespürt habe, allen Mitarbeitenden eine Herzensangelegenheit ist.

Während meines Praktikums durfte ich auch die Zeitzeugin Inge Auerbacher kennenlernen. Foto: DNB/Theresia Biehl

Wie es der Zufall wollte, bot sich mir am letzten Tag meines Praktikums spontan die Gelegenheit, die an der aktuellen Wechselausstellung „Frag nach!“ maßgeblich beteiligte Zeitzeugin und Shoah-Überlebende, Inge Auerbacher, persönlich kennen zu lernen und einige Stunden mit ihr verbringen zu dürfen. Dies hat zu den vielschichtigen Eindrücken, die ich während meiner Zeit im Deutschen Exilarchiv sammeln konnte, eine ganz besondere Erinnerung hinzugefügt, für die ich immer dankbar sein werde. Ich kann jeder und jedem nur empfehlen: Lernt das Deutsche Exilarchiv 1933-1945 kennen, besucht die Ausstellungen, die Workshops, die Veranstaltungen. Tretet mit den Menschen in Kontakt und seid offen für die wichtigen Aufgaben, denen sich die Mitarbeitenden dort widmen. Sei es im beruflichen oder privaten Rahmen, im Zuge der Schulzeit, Ausbildung oder des Studiums: Die Auseinandersetzung mit Exil, Flucht, Verfolgung und unserer gesellschaftlichen Vergangenheit ist wichtig, heute wieder mehr denn je.

*Nachweis Beitragsbild auf der Startseite:Alexander Paul Englert

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