Eine Maschine mit Köpfchen
Eine der schönsten Schreibmaschinen im Bestand der Kulturhistorischen Sammlung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums ist eine Text und Noten schreibende Maschine.

Neben den üblichen Belegungen der Tasten mit Buchstaben besitzt sie weitere Funktionen/Belegungen der gleichen Typenhebel mit Notenzeichen. Dazu zählen neben Notenschlüssel, Notenhals, Notenfähnchen auch der Notenkopf. Also eine Maschine mit Köpfchen…

Hersteller dieser Maschine waren die Wanderer-Werke vormals Winklhofer & Jaenicke aus Siegmar-Schönau bei Chemnitz. Den meisten Kennern ist diese Firma als Hersteller von Fahrrädern und Automobilen aus den Zeiten ab 1885 bekannt. Später wurde die Automobilsparte der Firma Wanderer neben August Horch, DKW und Audi auf Betreiben der sächsischen Staatsbank zur Auto-Union später Audi zusammengeschlossen.
Sehr erfolgreich war die Firma Wanderer aber auch mit der Herstellung von Schreibmaschinen. Diese Produktion wurde nach 1900 aufgenommen überwiegend unter dem Namen Continental sind diese Maschinen auf den Markt gekommen. Bis Anfang der 1950er Jahre wurden bei den Wanderer-Werken Schreibmaschinen gebaut.
Was sind nun die Besonderheiten und Vorteile dieser Notenschreibmaschine? Sie kann die Notenlinien, verschiedene Notenzeichen, die Sonderzeichen für die Notenmanuskripte und auch Texte auf Papier bringen. Besonders ist bei der Maschine ein Höhensteller. Das ist eine Mechanik die die genaue Platzierung der Noten auf dem Papier ermöglicht.

Mit dieser Notenschreibmaschine können Musiker und Chöre selbstständig verschiedenen Werke der Komponisten anfertigen und vervielfältigen. Das erspart hohe Kosten und Zeit, die bei der Herstellung oder bei dem Bezug über einen Verlag und Druckereien entstehen würden.
Einziger Nachteil den diese Noten und Text schreibende Maschine im Vergleich zu den „normalen“ Schreibmaschinen hat: Sie kann nicht zwischen Groß- und Kleinbuchstaben eingestellt werden. Sie besitzt nur die Möglichkeit mit Kleinbuchstaben zu schreiben. Das ist aber nicht verwunderlich, da die einzelnen Typenhebel bei dieser Maschine auch so schon mit jeweils 3 Zeichen belegt sind. Bei den meisten anderen Typenhebel-Schreibmaschinen sind pro Typenhebel 2 Zeichen angebracht. Und zwar der jeweilige Groß- und Kleinbuchstabe.
In den 1930er Jahren hat Wanderer diese Art Maschine entwickelt, ab 1937 ist sie auf den Markt gekommen.

Unser Museum hat diese Maschine schon in den 1970er Jahren direkt aus der Herstellerstadt, dem damaligen Karl-Marx-Stadt von einer Privatadresse erworben.
Seitdem zeigt dieses Beispiel sächsischer Ingenieurskunst immer wieder bei Ausstellungen oder Führungen, was für schöne Schreibmaschinen bei der Firma Wanderer-Werke entstanden sind.






