Der lebendige Planet und die Stimme der Natur

29. Mai 2026
von Elke Jost-Zell & Petra Kuhlemann für die AG Nachhaltigkeit der DNB

David Attenborough zum 100. Geburtstag

„Es scheint mir, dass die natürliche Welt die größte Quelle der Aufregung ist; die größte Quelle visueller Schönheit, die größte Quelle des geistigen Interesses. Es ist die größte Quelle, die das Leben lebenswert macht.“

Titelcover des Buches Der lebendige Planet vonDavid Attenborough
It’s alive! Das große Netzwerk der Natur in „Der lebendige Planet“
Foto: Mit freundlicher Genemigung des Kosmos-Verlags, Stuttgart

A very special delivery

„Dear David“, so beginnt ein Brief des britischen Königs Charles III., in dem er seine 60 Jahre bestehende Freundschaft mit Sir David Attenborough reflektiert. Der König übergibt den Brief seinem Butler, der ihn per Land Rover zur Royal Mail bringen will. Doch ein Baumstamm liegt im Weg und schneidet dem Auto den Weg ab. Nun beginnt ein sehr ungewöhnlicher und amüsanter Postweg – der Border Collie des Fahrers transportiert den Brief weiter, bis er an eine Felsklippe stößt. Ein Bussard übernimmt, verliert den Brief aber. Dieser segelt durch die Luft und bleibt zwischen den Stacheln eines Igels stecken. Von dort schnappt sich ein Eichhörnchen den Brief, übergibt ihn an eine Wildgans, die ihn einem Otter reicht, der wiederum einem weißen Schwan und dieser einer Ente. Nun sind wir in London angekommen, ein Stadtfuchs trägt den Brief durch die Straßen, ein Hirsch windet sich damit durch den dichten Stadtverkehr und schließlich wirft eine Schleiereule – seit Harry Potters Zauberwelt als Postbotin oft im Einsatz – den inzwischen arg ramponierten Brief in den Briefschlitz einer Haustür.

Die Kamera schwenkt in die Royal Albert Hall, in der David Attenborough anlässlich der Feier zu seinem 100. Geburtstag neben Prinz William sitzt und sichtlich bewegt unter tosendem Applaus den royalen Brief in der Hand hält.

So feiert man in merry olde England seine „National Treasures“.

About David

Sir David Frederick Attenborough, einer der prägendsten und berühmtesten Tierfilmer, Naturforscher und Moderatoren, feiert in diesem Jahr seinen hundertsten Geburtstag. Geboren wurde er am 08. Mai 1926 in London. Sein langes Leben widmet er bis heute der Erforschung der Tiere und der uns umgebenden Natur. Vielen Naturfreund*innen weltweit ist er seit ihrer Kindheit ein wunderbarer Begleiter in Sachen Tiere, Umweltschutz und „die Stimme der Natur“. Die Schönheit, aber auch die Gefahr, in der das Leben auf unserem Heimatplaneten schwebt, führt er in seinen Filmen und Büchern eindrücklich vor. Er dokumentiert den Zustand der Erde nicht nur im Kontext seiner Arbeit. Schon früh warnte er vor dem Klimawandel und seinen Auswirkungen und mahnt uns, ins Handeln zu kommen. In seinem 2025 erschienenen Buch Ozeane schreibt er:

„Ich habe das Glück, seit fast 100 Jahren zu leben. Während dieser Zeit haben wir mehr über die Weltmeere erfahren als in jedem anderen Zeitraum der Menschheitsgeschichte. Die Meeresforschung hat Wunder der Natur offenbart, die sich ein Junge in den 1930ern nie hätte vorstellen können. Moderne Technologien haben es uns ermöglicht, das Verhalten von Lebewesen zu filmen, wie ich es mir zu Beginn meiner Karriere nie hätte erträumen können, und die Menschheit hat die Ozeane so grundlegend verändert, dass die kommenden 100 Jahre entweder ein Massenaussterben des maritimen Lebens oder eine spektakuläre Erholung dieses Naturraums mit sich bringen könnten.“

David Attenborough gewann nach seinem Schulbesuch ein Stipendium für das Clare College in Cambridge, wo er einen Abschluss in Naturwissenschaften erwarb. 1947 trat er in die Royal Navy ein, im Anschluss daran war er für einen Verlag tätig. Seit 1952 arbeitet er für die BBC. Zunächst war er unter anderem als Controller und Programmdirektor tätig. Nachdem er das Angebot Generaldirektor der BBC zu werden ausgeschlagen hatte, konzentrierte er sich ganz auf die Produktion von Filmen. Er arbeitet, dreht und schreibt bis heute – seit fast 80 Jahren. Als Tierfilmer und Naturforscher wurde er mit seinen Naturdokumentationen wie Planet Earth, Blue Planet oder Our Planet, in denen er auch immer wieder neue technische Maßstäbe setzte, weltweit bekannt und hat Generationen von Tier- und Naturfreund*innen durch seine Arbeit geprägt. Als die Stimme für Biodiversität, Arten- und Klimaschutz erhielt er zahlreiche internationale Preise, darunter mehrere BAFTA- und Emmy-Auszeichnungen. Ihm wurden 30 Ehrendoktorhüte verliehen und seinen Namen tragen 50 verschiedene Spezies, eine Meerenge in der Antarktis und das Polarforschungsschiff Sir David Attenborough.

Seine Botschaft ist sehr deutlich: „Der Mensch ist untrennbar mit der Natur verbunden und deren Zukunft hängt von unserm heutigen Handeln ab“. 

The Amber time machine

David Attenborough ist der älteste von drei Brüdern. Während David ein bekannter Tierfilmer und Naturforscher wurde, zog es seinen Bruder Richard zum Film. Er war ein berühmter Schauspieler und preisgekrönter Filmregisseur und Produzent. Den dritten Bruder, John, verschlug es in die Welt schneller Autos. Eine besondere Rolle spielt der Bernstein im Leben der beiden ältesten Brüder. David bekam als jugendlicher Fossiliensammler ein Stück Bernstein mit darin eingeschlossenen prähistorischen Lebewesen geschenkt, die Jahre später zum Herzstück der Episode The Amber Time Machine in seiner BBC-Serie Natural World wurden. Richard Attenboroughs Filmcharakter John Hammond hingegen führt ein Bernstein, ebenfalls mit prähistorischen Lebewesen, genauer gesagt, solcher mit Dinosaurier-DNA, zurück in die Vergangenheit, um eine neue Zukunft zu erschaffen – dies ist zu sehen in Steven Spielbergs Kinofilmserie Jurassic Park.

Titelbild des Buches Ein Leben auf unserem Planeten
David Attenboroughs Vision über das Leben auf der Erde
Foto: Mit freundlicher Genehmigung des Blessing-Verlags, München

Iconic

Der Begriff „ikonisch“ wird ebenso häufig benutzt, wie echte Ikonen selten sind. David Attenborough ist sicherlich eine Ikone des Tierfilms, des Naturschutzes und der Liebe zur Natur. Diese teilte er mit einer weiteren Person der Zeitgeschichte, die wir ebenfalls getrost als Ikone bezeichnen können: Königin Elizabeth II. liebte nicht nur Pferde und Corgies, sondern war eine allgemein naturverbundene Monarchin. Die beiden Persönlichkeiten trafen nicht nur 1985 bei der Zeremonie des Ritterschlags für Sir David Attenborough aufeinander; es verband sie auch eine jahrzehntelange Freundschaft, in deren Verlauf Attenborough einige Fernsehansprachen der Queen produzierte und anlässlich ihres 70. Thronjubiläums eine Ansprache hielt.

Diese beiden Kinder des Jahrgangs 1926 wurden immer wieder in „spirited conversation“ gesehen, ob bei einem offiziellen Anlass oder privat im Garten des Buckingham Palace. Charles, der „grüne“ Prince of Wales und heutige König Großbritanniens, kennt David Attenborough seit seiner Kindheit, was den eingangs erwähnten Brief erklärt, aus dem herzliche Hochachtung spricht. Diese führte 2022 zu einem zweiten Ritterschlag, diesmal durch Charles‘ Hand.

Nature Writing

Die Themen Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Respekt vor der Natur, aber auch das Wissen um unsere Abhängigkeit von ihr prägen David Attenboroughs Engagement. So sagte er:

Die Wahrheit ist: Die natürliche Welt verändert sich. Und wir sind völlig von dieser Welt abhängig. Sie versorgt uns mit Nahrung, Wasser und Luft. Sie ist das wertvollste, was wir haben, und wir müssen sie verteidigen.“

Nachlesen, reflektieren und anschauen können wir seine Erlebnisse, Erfahrungen und Erkenntnisse in zahlreichen Publikationen und Filmwerken. Wir finden sie unter anderem in Institutionen wie Nationalbibliotheken, die als Gedächtnisinstitutionen ebenfalls dem Gedanken der Nachhaltigkeit verbunden sind.

So finden wir bei einer Suche nach David Attenborough im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek mehr als 120 Titel: Bücher, E-Books, Musikaufnahmen, Filme. Der Katalog der British Library in London verzeichnet sogar über 1200 Medienwerke in ihrer Sammlung.

Personendatensatz von David Attenborough im GND-Explorer
Die Welt um David Attenborough
Bild: GND-Explorer

Auch die Werke anderer Natur- und Tierschützer, Wissenschaftler und Tierfilmer, die aus unterschiedlichen Disziplinen kommend die reiche Fauna und Flora unseres Planeten erforschen und beschreiben, finden wir in den ebenso reichen Katalogen der Nationalbibliotheken. Als Quellen für literarische Entdeckungen der vergangenen Jahrzehnte wären in einer winzigen Auswahl die Bücher der Verhaltensforscherin Jane Goodall, die das Verhalten von Schimpansen in Gombe untersuchte und der Zoologin Dian Fossey zu nennen, die sich für das Überleben der Berggorillas im Kongo einsetzte. In Deutschland haben sich unter anderem Bernhard Grzimek, Heinz Sielmann und Andreas Kieling mit ihren Büchern und Tierfilmen verdient gemacht.

Für weitere Recherchen im Katalog der DNB empfehlen wir eine sachliche Suche mit Schlagwörtern wie Tier & Verhaltensbiologie, Artenschutz, Naturschutz, Biodiversität und Nachhaltigkeit in den DDC-Sachgruppen 570 (Biologie) oder 333.7 (Natürliche Ressourcen und Energie), ggf. mit Einschränkungen auf das Erscheinungsjahr oder die Materialart (Buch, Film etc.).

Doch nicht nur berühmte und geschätzte Persönlichkeiten wie David Attenborough setzen sich für den Schutz und Erhalt der Tierwelt, der Natur und des Klimas ein, damit alle Wesen auf unserem Planeten (über)leben können – jeder und jede kann dies täglich auf vielfältige Weise tun. Denn, wie der frischgebackene Hundertjährige in seinem jüngsten Buch Ozeane schreibt:

„Ich werde nicht mehr miterleben, wie diese Geschichte ausgeht, aber nach einem langen der Erforschung unseres Planeten gewidmeten Leben bin und bleibe ich überzeugt: Je mehr Menschen die Natur genießen und verstehen, umso größer ist die Hoffnung, dass wir sie und uns retten können. Als Colin und ich beschlossen, dieses Buch zu schreiben, nahmen wir uns vor, den Nervenkitzel der Entdeckungen zu vermitteln, die Gefahren, denen unsere Weltmeere ausgesetzt sind, deutlich zu machen und vor allem die Geschichten zu erzählen, von denen wir glauben, dass sie eine neue Generation dazu inspirieren können, über die Küste hinaus und unter die Wellen zu schauen.“

Dem ist nichts hinzuzufügen, und so bleibt uns nur zu sagen: „Happy Birthday, Sir David, and many happy returns!“

Das Titelcover des Buches Ozeane von David Attenborough
The deep blue – rätselhaft und wild
Foto: dtv-Verlag, München

Petra Kuhlemann & Elke Jost-Zell

Petra Kuhlemann und Elke Jost-Zell sind als Bibliothekarinnen und Autorinnenteam für die Deutsche Nationalbibliothek tätig

*Nachweis Beitragsbild auf der Startseite:Kosmos-Verlag, Stuttgart

Ein Kommentar zu „Der lebendige Planet und die Stimme der Natur“

  1. C.F. sagt:

    Danke für den schönen Beitrag zu Sir David Attenborough. Wer auf Social Media unterwegs ist, der kam an dem charmanten Beitrag zur Briefzustellung für das Geburtstagskind nicht vorbei. Es ist schön zu sehen, dass der Bestand der DNB die Welt und ihre Natur erlebbar macht. Umgekehrt ermöglicht die DNB allen Besucher*innen wieder hinaus in Welt und Natur mit offenen Augen zu gehen. Dies gelingt auch Dank Sir Richard Attenborough. Ich schließe mich den guten Wünschen mit dreimaligem „hip, hip, hooray“ an.

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  • ISSN 2751-3238