Die Arbeit mit Normdaten zahlt sich aus

6. Juli 2026
von Barbara Fischer, Jessica Hubrich, Stephanie Glagla-Dietz

Motivation die GND zu nutzen

Nadel mit grünem kugelförmigem Griff zwischen einzelnen Strohhalmen
Bildnachweis: Die Nadel im Heuhaufen, CC0 via rawpixel

Wenn es zu den Arbeitsaufgaben gehört, für die Nutzung der Gemeinsamen Normdatei (GND) zu werben, dann sollte man schon ein paar gute Argumente im Portfolio haben. Denn Normdaten zu nutzen, macht Arbeit. Das ist nicht nur der Einwand von Frau Dr. Anna Mayer in unserer fiktiven Geschichte zur Nutzung der GND im E-Learning, sondern auch von ganz realen Personen, die sich mit dem Thema beschäftigen. Die eigenen Sammlungen und Sammlungssobjekte mit Metadaten und – wo immer es möglich ist – auf Normdaten rekurrierend zu beschreiben, ist aufwändig. Im Forschungsprojekt den Text, die Bilder und andere Ausdrucksformen mit Normdaten zu annotieren, braucht Zeit. Normdaten in Verwaltungsprozessen einzusetzen, um Eindeutigkeit für die bezeichneten Entitäten zu gewährleisten, das ist mit Aufwand verbunden. Dieser Aufwand lässt sich nur sehr begrenzt automatisieren. Das Recherchieren des passenden GND-Datensatzes macht Arbeit. Die Verknüpfung mit der korrekten GND-Nummer oder dem Identifikator macht Arbeit, und das Klären von Zweifeln, ob der gefundene GND-Datensatz tatsächlich zu der Aussage passt, für den man ihn verwenden will, ist aufgrund der eigenen Datenlage oft mehr als mühsam. Es ist bislang auch keine Tätigkeit, die man an einen KI-Assistenten delegieren könnte. Denn um sicher den richtigen GND-Datensatz aus über zehn Millionen Datensätzen herauspicken zu können, braucht man Expertise, Kontextwissen und last but not least auch ein wenig Glück. Schließlich besteht immer das Risiko, dass die GND die gewünschte Entität noch nicht enthält. Wie man sich dann behelfen kann, soll heute nicht unser Thema sein, Hinweise hält aber unser E-Learning mit Frau Batic bereit.

Sichtbarkeit

Eines der Argumente sich die Arbeit dennoch zu machen, neben der erzielten Eindeutigkeit in der Verwendung von Normdaten, der Arbeitseffizienz und der Kontextualisierung der getroffenen Aussage durch die Wahl der GND-Entität, ist die verbesserte Sichtbarkeit der eigenen Daten. Auf unserer Website schreiben wir zur Sichtbarkeit:

“Denn mit Normdaten steigt die Sichtbarkeit der eigenen Daten im Netz. Ein wachsendes Angebot an Plattformen wie z. B. Wikipedia, die Deutsche Digitale Bibliothek, das Archivportal D, die Nationalbibliografie, die Verbundkataloge und viele weitere nutzen die GND, um ihre Daten durch Verlinkungen sichtbarer zu machen. (…) Alle Daten, die an den Normdatensatz zu Clara Schumann geknüpft sind, vom Wikipedia-Eintrag, ihren Werken und deren Interpretationen, über Bilder und Artikel zu Clara Schumann bis hin zu den von ihr bevorzugten Instrumenten, bilden einen Einstieg, über den man zu weiteren Datensätzen kommen kann. Derart vernetzt schaffen Normdaten deutlich mehr Einstiege als etwa die museumseigene Webseite allein.”

In den hier verlinkten Folien haben wir die zentralen Vorteile der Nutzung der GND kurz zusammengefasst.

GND Explorer 2.2 – neue Funktionen

Aber was tun wir an der Deutschen Nationalbibliothek, um dieses Versprechen nach mehr Sichtbarkeit für die Sammlungs- und Forschungsdaten durch die Nutzung der GND-IDs einzulösen? Denn der Aufwand, die harte und mühevolle Arbeit, soll sich ja lohnen. Am besten messbar, damit man sie leichter gegenüber Vorgesetzten und Fördermittelgebern rechtfertigen kann. Schon in unserem letzten Blogpost zu den neuen Entwicklungen des GND Explorers haben wir in der Faktenblattansicht zu jeder Entität die Listung nicht nur weiterer Identifikatoren, wie Wikidata oder VIAF, sondern auch zu jedem Datensatz den sogenannten BEACON-Aggregator der Ludwig-Maximilian-Universität aufgeführt. Im letzten Herbst stellten wir in Aussicht, die Darstellung der externen GND-Nutzung schon bald zu verbessern. Genau da können wir nun Vollzug melden:
Wer den GND Explorer noch nicht kennt und als Recherchetool für GND-IDs ausprobiert hat, hier eine ultrakurze Einführung: Der GND Explorer verzeichnet tagesaktuell alle GND-Entitäten, die es gibt. Täglich kommen 600 bis 700 neue Entitäten von über tausend neuen Einrichtungen hinzu, viele tausend werden um Informationen erweitert. Damit man die gewünschte Entität schnell findet oder vielleicht auch ein ganzes Set von Entitäten nach bestimmten Kriterien zusammenstellt, kann man zwischen unterschiedlichen Ansichten wechseln, man kann die Trefferliste durch Facetten verfeinern und sich den Kontext einer Entität, ob im Wissensgraph, der Relationenvisualisierung, in der Karte oder in der Hierarchieansicht, visualisieren lassen. Alles mit nur ein paar Klicks. Mit dem SPARQL-Endpunkt zur GND geht das natürlich auch maschinell. Dort kann man die Ergebnisse zudem leichter exportieren. Die Integration des SPARQL-Dienstes in den GND Explorer ist übrigens schon als Wunsch an uns herangetragen worden. Aber für Menschen dürfte der GND Explorer attraktiver sein. Schließlich wird jeder einzelne GND-Datensatz umfassend im Faktenblatt des Explorers dargestellt. 

Nutzung der GND durch Partner

Die jetzt produktiv genommenen Neuerungen betreffen jede GND-Entität und sind über die rechte Navigationsleiste aus jeder anderen Sicht erreichbar. In der Navigationsleiste gibt es jetzt ein neues Icon “Partnernetzwerk”, das alle uns bekannten Aggregationen von externen GND-Nutzungen anzeigt. Voraussetzung für die Anzeige im Explorer ist jedoch, dass es zu jedem GND-Datensatz einen Eintrag gibt, selbst wenn dieser einstweilen noch keine Verknüpfung aufweist. Daher können wir zum Beispiel nicht einen Dienst wie HAGRID der Heidelberger Akademie der Wissenschaften automatisch auswerten. Hier wird nur ein Bruchteil der GND-IDs nachgenutzt. Wir können eine entsprechende Auswertung händisch nicht leisten und wollen aber aus Gründen der Verlässlichkeit “tote” Links vermeiden. Der BEACON-Aggregator der LMU hält jedoch genau dieses Kriterium ein. Selbst in dem Fall, dass zu einer GND-Entität kein Eintrag in einer BEACON-Datei existiert, wird eine Verbindung hergestellt, nur dass dort dann kein Eintrag vorliegt (Beispiel). Durch die über die Verknüpfung einfache Weiterverfolgung der Nutzung eines GND-Datensatzes in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen und Sammlungen kann der Nutzende des GND Explorers relativ bequem durch Verlinkung all die Ressourcen und Kontexte aufspüren, die mit einer bestimmten GND-Entität verknüpft sind. Der Identifikator zu Friedrich Schiller beispielsweise wird in fast 150 BEACON-Dateien geführt. Diese Art von multipler und dichter Vernetzung findet dann auch ihren Niederschlag in den Ergebnissen der konventionellen Suchmaschinen des Internets und erhöht damit die Sichtbarkeit der eigenen Daten. Weitere Nutzungen werden ebenfalls angezeigt. Gehen Sie auf Entdeckungsreise! (s. Abbildung 1)

Screenshot eines Computerbildschirms, der das Faktenblatt zu Berlin anzeigt. Der Cursor ist auf dem blaumarkierten Partnernetzwerk-Feature
Abbildung 1 GND Faktenblatt Berlin (screenshot) Das Feature Partnernetzwerk ist rechts in der Navigationsleiste markiert.

GNDplus-Datensätze im GND Explorer

Manch einer hat es schon vernommen, derzeit entwickeln wir im Ausbau der integrativen Infrastruktur der GND einen partizipativen Datenraum: GNDplus. Künftig soll es möglich sein, hier kollaborativ an neuen GND-Datensätzen zu arbeiten, Korrekturen und Anreicherungen zu bestehenden Datensätzen vorzunehmen, die dann nach Übernahme der langfristigen Verantwortung durch eine GND-Agentur für die dauerhafte Pflege dieser Datensätze in das Produktivsystem der GND transferiert werden. Doch schon vorher bekommt jeder GNDplus-Datensatz einen Identifikator, eine PID, die dauerhaft auf diesen Datensatz verweist. Diese GNDplus-ID wird auch im GND Explorer angezeigt (s Abbildung 2). Wir haben jetzt zunächst Testdaten für den partizipativen Datenraum GNDplus generiert. Damit wollen wir zeigen, wie die GNDplus Entitäten im GND Explorer dargestellt werden. Der Gedanke dahinter ist natürlich, offene Fragen zu beantworten. Uns ist es wichtig, Bedenken zu zerstreuen, die GND würde nun mit unvollständigen Datensätzen geflutet. Zugleich möchten wir Initiativen, Forschungsprojekte und andere Communities ermutigen, die für sich prüfen, ob sich der Aufwand, den partizipativen Datenraum GNDplus zu nutzen, lohnt. Gerade im Sinne der Sichtbarkeit und der Verfügbarkeit der persistenten IDs.

Abbildung 2 Das Faktenblatt für eine GNDplus Entität im Explorer (Screenshot)

Die Anzeige der GNDplus-Datensätze im GND-Explorer kann im Filter der Trefferliste ausgewählt werden. Ist die Anzeige ausgewählt, findet man die Datensätze als Entitätentyp “GNDplus” in der facettierten Suche und erhält eine Liste der Einträge. Diese Liste ist momentan noch überschaubar, nur einige wenige hundert Einträge, aber sie veranschaulichen das Grundsätzliche. Ein GNDplus-Datensatz wird durch ein invertiertes Icon kategorisiert (Abbildung 3). Während eine Sammlung im Produktivsystem der GND ein weißes Symbol für ein Textblatt in einem vollen violetten Punkt kennzeichnet, wird die GNDplus-Entität einer Sammlung mit einem weißen Punkt mit einem violetten Symbol markiert. 

Screenshot eines Computerbildschirms, der die GND-Netzwerkansicht zum "Archiv der Familien Mac Goldsmith und Fred Baum" anzeigt. Die Ansicht zeigt verschiedene Verknüpfungen in einem Beziehungsbaum.
Abbildung 3 Netzwerkansicht eines GNDplus Eintrages mit dem invertierten Icon für Sammlungen. (screenshot)

Wissen kompakt

Zum Schluss möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf ein kleines Symbol in der rechten Navigationsleiste des GND Explorers lenken. Vielleicht haben Sie es auch schon gesehen: </>. Wenn Sie diesen Menüpunkt auswählen, erhalten Sie eine Kompaktansicht des Faktenblattes nach dem Bedarf Nutzender der Pica-Formate in Bibliotheken. Die vorliegenden Daten zu einer Entität erscheinen auf die wesentlichen Merkmale reduziert: rank und schlank. So wie es manche, nicht nur in Bibliotheken bevorzugen.

Persönlich freue ich mich, dass wir mit dem GND Explorer 2.2 nicht nur ein Angebot machen, das mit seinen Visualisierungen viele Nutzende anspricht und sie motiviert, nach GND-Entitäten zu recherchieren, um sie für die eigene Arbeit nachzunutzen. Arbeit soll ja auch Freude bereiten. Sondern vor allem freue ich mich, dass das Entwicklerteam rund um meine Kolleginnen Jessica Hubrich und Stephanie Glagla-Dietz nicht müde wird, mit den oft geringen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, aktuelle Bedarfe aus dem Kreis der Nutzenden aufzugreifen und in neuen Versionen der Anwendung umzusetzen. Freuen Sie sich mit mir über die Version 2.2 des GND Explorers.

Kleiner Nachsatz:
Es ist eine ironische Wendung, dass gerade die Qualität und Zuverlässigkeit der GND-Normdaten sowie ihre Machinenlesbarkeit diese besonders attraktiv für Netz-Crawler, Bots und KI-Dienste macht. Deren Anfragen bringen derzeit unsere Server an ihre Kapazitätsgrenzen. Wir arbeiten an einer Lösung und bitten derweil um Nachsicht, wenn der Service nicht in jedem Moment ungehindert zur Verfügung steht.


Dieser Beitrag wurde zuerst im GND-Blog veröffentlicht.

*Nachweis Beitragsbild auf der Startseite:Die Nadel im Heuhaufen, CC0 via rawpixel

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