Die Deutsche Nationalbibliografie feiert 75-jähriges Jubiläum

1. März 2022
von Kurt Schneider

Jubiläen geben immer wieder Anlass zum Feiern. Das gilt auch für Jubiläen der Deutschen Nationalbibliografie. Ungeachtet ihrer politisch nicht ungebrochenen Geschichte, entwickelte sie sich bis heute besonders vielgestaltig und erfolgreich.

Vor genau 75 Jahren, am 1. März 1947, erschien zum ersten Mal die „Bibliographie der Deutschen Bibliothek, Frankfurt am Main“. Sie war nach dem 2. Weltkrieg und der politischen Teilung Deutschlands das Pendant zur Leipziger Ausgabe, die als „Deutsche Nationalbibliographie“ bereits seit dem 3. Januar 1931 erschien und von der Deutschen Bücherei in Leipzig herausgegeben wurde.

Die beiden Nationalbibliografien waren sich nicht nur optisch sehr ähnlich. Auch inhaltlich bestand kaum ein Unterschied, schließlich verfolgten die beiden Bibliotheken in Ost- und Westdeutschland dasselbe Ziel, alle neu erscheinenden Publikationen Deutschlands vollständig und möglichst schnell nach deren Erscheinen zu verzeichnen.

Deutsche Nationalbibliografie: verschiedene Hefte 1913 bis 2009
Foto: DNB, Stephan Jockel, CC-BY-SA 3.0 DE

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands und der Fusionierung der Leipziger und Frankfurter Bibliothek einschließlich des Deutschen Musikarchivs im Jahr 1990 wurden auch die beiden Bibliografien zusammengeführt und ab 1991 unter dem Titel „Deutsche Nationalbibliographie und Bibliographie der im Ausland erschienenen deutschsprachigen Veröffentlichungen“ fortgesetzt.

 

 

Deutsche Nationalbibliografie: Titelkarten in Schuber und Plan liegend
Foto: DNB, Stephan Jockel, CC-BY-SA 3.0 DE

Die Deutsche Nationalbibliografie erschien allerdings nicht nur, wie weithin vermutet, in Form doppelseitig bedruckter Hefte und kumulierter Verzeichnisse mit übergreifendem Register. Sie wurde von Beginn an zusätzlich auf einseitig bedrucktem Papier und ab 1936 auch auf Karton herausgegeben. Aus der sogenannten „Bibliotheksausgabe“ konnten so die Titelinformationen ohne Informationsverlust ausgeschnitten und z.B. auf Katalogkarten aufgeklebt werden. Als „Titelkartendienst“ wurde sie auf hochwertigem Karton im internationalen Katalogkartenformat herausgegeben, so dass die Karten unmittelbar in die Zettelkataloge von Bibliotheken weltweit eingelegt werden konnten. Auch erschien die Bibliografie auf Mikrofiche, dies allerdings nur einmal. Wegen der zunehmenden Digitalisierung im Bibliothekswesen seit Mitte der 1960er Jahre war dieses Format schon beim Erscheinen des Fünfjahresverzeichnisses 1971-1975 nahezu überholt.

Deutsche Nationalbibliografie auf Datenträgern: Magnetband, Mikrofiche, Diskette, CD-ROM und DVD
Foto: DNB, Stephan Jockel, CC-BY-SA 3.0 DE

Ab Ende der 1970er Jahre wechselte die Deutsche Nationalbibliografie ihr Format dann mehrfach und erschien in rascher Folge zusätzlich auf elektronischen Datenträgern. Dazu gehörten Magnetband, CD-ROM und Diskette. Im Jahr 2002 erschien noch eine Ausgabe auf DVD mit der damals unerhört großen Zahl von 4,8 Millionen Datensätzen auf einer Scheibe. Ebenso wie die gedruckten und die Mikrofiche-Ausgaben waren die elektronischen Datenträger aus heutiger Sicht aber auch nur Übergangstechnologien auf dem Weg zur Online-Bibliografie.

Deren Ära begann Anfang der 1980er Jahre mit BIBLIO-DATA, der ersten Online-Version der Deutschen Nationalbibliografie. Ihr folgten zahlreiche andere Ausgaben vom OPAC über die Datenshops bis hin zum Gesamt- und später Portal-Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. Auch sie wurden wie schon die elektronischen Datenträger über die Jahre zunehmend farbiger.

 

 

Heute steht die Nationalbibliografie darüber hinaus auch über Maschinen-Schnittstellen wie SRU und OAI sowie die Website der Deutschen Nationalbibliothek in Form laufender und retrospektiver Datendumps zur Verfügung. Ästhetisch betrachtet mag das ein Verlust sein. Funktional ist die Deutsche Nationalbibliografie damit heute jedoch so weltoffen und divers wie noch nie zuvor. Das soll heute gefeiert werden – mit diesem Blogbeitrag und einer Online-Publikation zur wechselvollen Geschichte. Happy Birthday, Deutsche Nationalbibliografie!

Haben Sie eine eigene Geschichte mit der Deutschen Nationalbibliografie? Lassen Sie es uns gerne wissen, wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

*Nachweis Beitragsbild auf der Startseite:Foto: DNB, Stephan Jockel, CC BY SA 3.0 DE

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