Drachensuchen leichtgemacht

3. März 2026
von Elke Jost-Zell & Valina Schauberger

Aus der Reihe: Spot on! Die Magazine der Deutschen Nationalbibliothek

„Menschen, die die Existenz von Drachen leugnen, werden oft von Drachen gefressen.“ (Ursula Le Guin)

Feuerspeiende Drachen in einer Bibliothek? Flammen und Papier? Denken Sie – durchaus nachvollziehbar – dass dies eine ungünstige, um nicht zu sagen brandgefährliche Verbindung ist? Nun, wir hoffen, Sie davon überzeugen zu können, dass bei uns in der Deutschen Nationalbibliothek diese scheinbar unvereinbaren Welten in friedlicher Co-Existenz leben.

Doch bevor wir uns den hauseigenen Drachen (und damit sind nicht etwa Beschäftigte gemeint!) widmen, werfen wir einen kurzen Blick in die Literatur rund um die Lindwürmer – in der DNB sind wir hierfür am richtigen Ort!

Mit einer einfachen Suche finden wir im Katalog der Nationalbibliothek über 7300 Titel in einer kunterbunten Mischung: Auffällig ist, dass vor allem Kinder, Jugendliche, junge Menschen und Junggebliebene Drachen zu lieben scheinen. Durch die Kinderliteratur fliegen Der kleine Drache, Grisu, Das Drachenmädchen Jade, Dragon Ninjas, ein Manga-Drache und sogar Drachen, die Zimtschnecken backen.

Klassiker der Jugendbuchliteratur sind natürlich Urmel aus dem Eis, das der Augsburger Puppenkiste entschlüpft ist, die furchterregende Frau Mahlzahn aus Jim Knopf und die Wilde 13, die sich in den sanftmütigen Goldenen Drachen der Weisheit verwandelt, der wiederum vom Gold geblendete Smaug aus Der kleine Hobbit und die gewaltigen Drachen aus Game of Thrones (sie singen den Song of Ice and Fire).

Ein sehr bekannter Drache namens Hildegunst von Mythenmetz entsprang nicht nur der Feder seines Schriftstellers Walter Moers, sondern ist selbst ein bibliophiler Dichter, der sich aus seiner Lindwurmfeste nach Buchhaim, Die Stadt der träumenden Bücher aufmacht, wo in einem weitverzweigten Netz aus unterirdischen Bibliotheken Buchlinge und ein Schattenkönig auf ihn warten.

Soweit der Spaß und die reine Lesefreude – doch auch die Wissenschaft nimmt sich der Drachen in Kunst, Kultur und Literatur an.

Good Dragons are rare, bescheinigt uns eine Aufsatzsammlung mit dem Untertitel An Inquiry into Literary Dragons East and West, während ein anderes Sammelwerk ganz anders an das Thema herangeht: Den Drachen denken : liminale Geschöpfe als das Andere der Kultur. Die Festschrift Drachenkuss – im Glanz des Goldes beleuchtet Streiflichter auf Kult- und Machtsymbole in Literatur und Kunst des Orients und Okzidents, während sich eine Dissertation dem Drachen in der mittelalterlichen Literatur Europas widmet. Sogar ein Wörterbuch über Drachen gibt es: Drachen : das Schmökerlexikon.

Kehren wir zurück aus dem Katalog ins Büchermagazin: In der DNB werden Drachen nicht etwa als Schutz- und Wachpersonal in unterirdischen Verliesen eingesetzt und mit Zauberkraft gedrugged wie der arme alte Drache in der Gringotts-Bank in Harry Potters Diagon Alley, heftig bejagt wie in den Kinofilmen Drachenzähmen leichtgemacht oder gehen anstrengende symbiotische Beziehungen mit ihren Reiter*innen ein wie in der Romantrilogie Fourth Wing. Nein. Wir hegen und schützen unsere Bibliotheksdrachen.

Aber natürlich müssen wir sie ständig ermahnen, ihre pyrotechnischen Freuden ausschließlich in geschützter Umgebung auszuleben, um keine Schäden an Lebewesen, Medienwerken und Gebäuden anzurichten. So dürfen sie sich nachts im Bibliotheksgarten aufhalten und ein bisschen Feuer spucken, aber auch da nur fern jeder Möglichkeit des Funkenschlags und ohne die Vegetation oder gar die Lesesäle abzufackeln. Ist das Wetter schlecht, müssen sie sich auf imaginäre Flammen im eigenen Kopf beschränken, sonst entweicht ihren Kehlen nur ein erstickter Huster und sie brauchen warme Halswickel und Honig im Tee.

Nun fragen Sie sich wahrscheinlich, wie so ein nationalbibliothekarischer Drache aussieht und ob er unsere Medienwerke vor schlimmen Dingen wie Wasserrohrbrüchen oder Book Banning beschützt … schauen Sie selbst, wir haben einige für Sie fotografiert:

Orange-lila Plüschdrache mit Buch und einer Tasche in einem Bücherregal
Gestatten – der kleine Drache Kokosnuss in seiner Wohntasche mit Bettlektüre in seinem heimatlichen DNB-Büchermagazin
Bild: Valina Schauberger & Elke Jost-Zell
Schwarze Drachenfigur, eingeschweisst in der Verpackung
Klein, aber oho: ein gefährlich schwarzer Drache – in seiner Original-Verpackung ist er nicht nur harmlos, sondern gehorcht auch der Vorgabe der Bibliothek, ihre Medienwerke originalgetreu zu archivieren
Bild: Valina Schauberger & Elke Jost-Zell
Grüne Drachen-Handpuppe mit einem Mathamatikbuch vor einem Bücherregal
Handpuppen-Drachen helfen Kindern auch bei schweren Themen … wie Mathe!
Bild: Valina Schauberger & Elke Jost-Zell
Pop-up-Buch mit Drachen in einem Bücherregal
Kinder lieben es: spannende Lektüre mit einem Pop-up-Drachen
Bild: Valina Schauberger und Elke Jost-Zell

Haben wir Sie neugierig gemacht? Dann besuchen Sie unsere Bibliotheksdrachen gerne live am 15. März 2026 in dem kleinen Kuriositätenkabinett im Lesesaal der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main!

*Nachweis Beitragsbild auf der Startseite:Valina Schauberger & Elke Jost-Zell

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  • ISSN 2751-3238