Geocaching mit dem Deutschen Buch- und Schriftmuseum

31. März 2022
von Linda Wößner

Auf Typensuche im Leipziger Stadtgebiet

Das Jahr 2021 hat uns alle weiterhin vor Herausforderungen gestellt: Der lange Lockdown bis Mitte Mai verbannte alle wieder in die eignen vier Wände. Das noch zu Beginn der Pandemie zum Trend erhobene Spazierengehen wurde spätestens im zweiten Jahr zum lustlosen Trott – man traf sich und stiefelte die altbekannten Runden. Um die Eintönigkeit des Spazierens zu durchbrechen, ist in diesen Zeiten ein Hobby wieder hoch im Kurs: Geocaching!

Geocaching ist eine Art moderne Schnitzeljagd. Kleine Schätze – die sogenannten Caches – werden im öffentlichen Raum versteckt und lassen sich mithilfe von GPS-Koordinaten oder kleinen Hinweisrätseln finden. In den Caches befindet sich immer ein Logbuch, in das sich die glücklichen Finder*innen eintragen dürfen. Die Jagd auf die Schätze führt die Suchenden an bekannte und unbekannte, unwegsame oder kuriose Orte. Über die Website der Community können dazu Rätsel, Fotos und Hinweistexte hinterlegt werden, die informierend oder unterhaltend sind. Die Pandemie beschert dem Hobby – das es seit circa 20 Jahren gibt – neuen Aufwind. Auch im Team des Buch- und Schriftmuseums (DBSM) gibt es Fans der Jagd nach den Caches. Aus diesem privaten Interesse heraus reifte im Frühjahr 2021 der Plan, auch als Museum Caches in Leipzig zu verstecken.

Outreach – Neues und Altbekanntes entdecken

Geschlossene Museumstüren eröffnen den Stadtraum Leipzigs als Ort der erlebbaren Buch- und Schriftgeschichte. Geocaching bietet für uns einerseits die Möglichkeit, Vermittlung in der Pandemie trotzdem stattfinden zu lassen. Gleichzeitig tut sich mit der Geocaching-Community auch ein neues Publikum für unsere Inhalte auf – eines, das von sich aus vielleicht gar kein Interesse am Museumsbesuch hat. Diese Museumsaktivitäten, die für eine museumsferne Öffentlichkeit außerhalb des traditionellen Programms entwickelt werden, lassen sich unter dem Stichwort Outreach zusammenfassen. Als strategisches Instrument in der Programmarbeit bietet Outreach die Möglichkeit, das Publikum einer Institution zu diversifizieren und als Museum auch außerhalb des eigenen Standorts präsent zu sein. Warum Geocaching so beliebt ist, zeigt auch folgender Logeintrag in unserem Geocache-Logbuch:

„Vielen Dank fürs Herführen, fürs Legen und die Pflege des Caches. Geocaching ist mein Hobby, weil es mir interessante Orte und Objekte zeigt, Spaß macht und uns mit anderen verbindet. Auf den Touren entdecken wir/ich neues aber auch alt Bekanntes. Von schönen Verstecken über traumhafte Landschaften und bekannte Sehenswürdigkeiten war schon alles mit dabei. Wichtig ist ja immer, dass der Spaß und die Freude dabei nicht zu kurz kommt. Geocaching bringt uns raus und verbindet uns mit der Natur und der Umgebung. Insofern Grüße ich alle, die dies genauso sehen und dieses Hobby teilen.“ (Logeintrag vom 19.12.2021)

Storyline Jan Tschichold

Eine Storyline für unsere Museums-Caches war schnell gefunden: Jan Tschichold, der in Leipzig geborene Buchgestalter und Typograf wird zum inhaltlichen Motiv. Für die Entwicklung der einzelnen Verstecke können wir so Synergieeffekte aus dem 2021 abgeschlossenen Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zur Digitalisierung des Nachlasses Tschichold nutzen. Die Rechercheergebnisse und die Anreicherung der Datensätze der Gemeinsamen Normdatei (GND) aus dem Nachlass ermöglichen die Bestimmung ganz konkreter Orte im Stadtgebiet Leipzigs: Vom Elternhaus, über die erste Wohnung des Künstlers bis zu Standorten von Druckereien und Verlagen, die Tschichold beauftragen. Die an diesen Orten versteckten Caches machen so Wirkungsorte von Jan Tschichold im Stadtgebiet erlebbar. Über die Beschreibungen, die wir auf der Website der Geocaching-Community hinterlegen, vermitteln wir Tschicholds frühe Berufsjahre im Leipzig der 1920er-Jahre. Dort bietet sich auch die Möglichkeit, Digitalisate aus dem Projekt zu zeigen, die so direkt im räumlichen Kontext ihrer Entstehung im Stadtraum eingebettet werden.

Portrait-Aufnahme von Jan Tschichold
Abbildung: Lilo Tschichold-Link

Ein erster Cache aus einer größeren Reihe ist seit November 2021 in Leipzig versteckt. Der Start war äußerst erfolgreich, bereits nach 30 Minuten vermeldete ein Geocacher online den „First to Find“, den ersten Fund unseres Caches – das zeigt wie aktiv die Community in Leipzig ist. Nach zwei Wochen hatten wir 41 Logeinträge, und das kleine Logbuch im Versteck musste unlängst ausgetauscht werden. Die Cacher*innen teilen in ihren Einträgen auf der Website ihre teils sehr persönlichen Geschichten zur Buchstadt Leipzig, zum DBSM oder auch zu Jan Tschichold selbst:

„Hallo buchundschriftmuseum und lieber Jan Tschichold, der du dich zeitweise auch Iwan nanntest. Leider kann ich den Log nicht in deiner Sabon setzen. Dem Cache geht‘s gut. TFTC (Thanks for the Cache)“ (Logeintrag vom 25.11.2021)

Detailfoto vom Ort des ersten Verstecks: Konterfei von Johannes Gutenberg mit Wappen der Papiermacher
Foto: DBSM, Margareta Schultz

Aber auch die Erlebnisse bei der Cache-Suche werden erzählt:

„Hier war ich schon mal kurz nach der Veröffentlichung, aber leider erfolglos. Heute hatte ich mal wieder in der Gegend einen Termin und konnte mich nun muggelfrei der Sache nähern. Das war beim letzten Mal nicht möglich gewesen. Und kaum hatte ich den Winzling wieder hingehängt, kamen tatsächlich die Raucher und besetzten den Ort. Abgehakt.“ (Logeintrag vom 14.12.2021)

Oder:

„Diesen Kleinen hatte ich schon einige Tage auf meiner Liste. Nach kurzer Suche hatte ich den Kleinen entdeckt und konnte mich noch in dem fast vollen Logstreifen eintragen. Danke fürs herlocken und pflegen. Dafür gebe ich gern einen Favoritenpunkt.“ (Logeintrag vom 11.12.2021)

Blick auf den „Cache“ mit Logbuch zum Verewigen beim erfolgreichen Finden
Foto: Deutsche Nationalbibliothek, Roberta Keding

In 2022 folgen weitere Caches auf den Spuren des Jahrhunderttypografen Jan Tschichold, dessen Nachlass das DBSM verwahrt und in einem großen Digitalisierungsprojekt bearbeitet hat. Wer entdeckt die anderen Caches?

Hier geht’s zum ersten Geocache des DBSM: <https://coord.info/GC9H9W4>
Idee: Ramon Voges; Standortwahl, Cache-Verantwortung und -Pflege: Margareta Schultz; Inhaltliche Ausarbeitung zu Jan Tschichold: Linda Wößner, Universität Erfurt, Projektmitarbeiterin im DFG-Projekt „Digitalisierung des Nachlasses von Jan Tschichold“ von Universität Erfurt und DBSM

*Nachweis Beitragsbild auf der Startseite:DNB, Roberta Keding

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