Der politische Kaugummiautomat

8. April 2026
von Fanni Fröhlich und Christine Hartmann
Kaugummiautomat in Plauen, Foto: DNB / Christine Hartmann

Aus dem Stadtraum sind sie fast verschwunden, aber viele erinnern sich sicher noch gern an das magische Drehen und die Vorfreude: Kaugummiautomaten! Egal ob an Hauswänden oder oder einfach freistehend an Fußwegen, die markanten, meist rot-weißen Metallkästen sind mit ihren verlockenden kleinen, meist süßen Füllungen sicher vielen als Kindheitserinnerung im Gedächtnis geblieben. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts sind erste Automaten dieser Art im Stadtraum sowie auch in Kinos aufgestellt. Seit dieser Zeit soll es fast 800.000 Exemplare in Städten oder auf Dörfern gegeben haben. Gefüllt waren sie auch damals nicht nur mit Süßwaren. Es gab darin ebenso Billigschmuck, Schlüsselanhänger oder andere Dinge aus Kunststoff zu finden. Die farbliche Gestaltung in rot-weiß ist die bekannteste, es gab jedoch auch andere Farben und Formen. Im Straßenbild fielen sie auf jeden Fall gut ins Auge und lockten zum Einwurf von Münzen.

Von April bis Juni 2026 ist im Foyer des Deutschen Buch- und Schriftmuseum ein gut erhaltenes Exemplar nun in Aktion erlebbar – ganz ohne Einwurf von Münzen. Allerdings gibt es darin keine Kaugummis oder andere Süßigkeiten, sondern Anregungen zum Nachdenken. In der ersten Befüllung sind die Konversationskarten von der JoDDiD enthalten. Mit jedem Drehen wird eine Kugel freigesetzt. Sie enthält je eine Frage aus verschiedenen Kategorien. Hier geht es um Fragen zur eigenen Mediennutzung sowie um Politik und politische Bildung. In einem dritten Fach finden die Nutzer*innen Ideen für „Unmögliches denken“. 

Drei Wahlmöglichkeiten am Kaugummiautomat, Foto: DNB / Christine Hartmann

Vom 3. bis 10. Mai findet auch dieses Jahr wieder die von Börsenverein des Deutschen Buchhandels initiierte Woche der Meinungsfreiheit statt. Der Kaugummiautomat im Museum samt seiner Inhalte sowie ein breites Programm an Führungen, Vorträgen und Workshops sind Aktionen der Deutschen Nationalbibliothek im Zuge der Themenwoche. Zudem könnte die Bibliothek bzw. das Museum als ein Ort der Demokratie kein besserer Ort sein, um mittels eines solchen Automaten politische Bildungsarbeit zu fördern.

Kaugummiautomat im Museumsfoyer, Foto: DNB / Fanni Fröhlich

Ab Mitte Mai wird der Inhalt noch einmal getauscht und – ganz „librarian“ – wird es Literaturtipps von Mitarbeitenden der Deutschen Nationalbibliothek zu ziehen geben in den drei Kategorien: Belletristik, Sachbuch, Kinder- und Jugendbuch.

Unter der Frage „Woher kommen Sie?“ können die Besuchenden ihre Kugel so zurückgeben, dass sie sich einordnen in „Ich komme aus Leipzig“, „… aus dem Umkreis bis zu 20 km“ oder „… von weiter weg“. 

Drei Vasen für die Rückgabe von durchsichtigen Kugeln. Darüber steht ein Schild mit der Frage "Woher kommen Sie". Die Antwortoptionen sind "aus Leipzig", "aus einem Umkreis bis ca. 20 km" und "von weiter weg".
Rückgabeoption der Kugeln. Foto: DNB / Fanni Fröhlich

Der Kaugummiautomat ist eine freundliche Leihe der John-Dewey-Forschungsstelle für die Didaktik der Demokratie (kurz: JoDDiD) an der Technischen Universität in Dresden. Die JoDDiD versteht sich u.a. als ein Innovationszentrum und beschäftigt sich mit Fragen zu Formaten und Materialien der außerschulischen Jugend- und Erwachsenenbildung im Bereich der politischen Bildung.

*Nachweis Beitragsbild auf der Startseite:DNB / Christine Hartmann

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