„Beste Forscherstimmung“ in der Kinderuni
Auf Einladung der Universität Leipzig konnte das Deutsche Buch- und Schriftmuseum am Freitag, 12. Juni 2026 eine Vorlesung im Rahmen der Kinderuni halten. Der Ort: Audimax, der größte Hörsaal der Uni. Das Publikum: über 400 Kinder und deren Eltern. Die Aufgabe: Wissen spannend und interaktiv in 60 Minuten vermitteln.

Warum wir schreiben
Inhaltlich war ziemlich klar, dass eine Episode aus 5.000 Jahren Mediengeschichte, dem zentralen Thema der Dauerausstellung des Museums, in der Vorlesung erzählt werden muss. Die Entwicklung von Schrift und das Schreiben als Kulturtechnik bildete daher den Auftakt der Vorlesung. Da aber auch der Blick in die Zukunft einen Aspekt bilden sollte, wurde das Thema außerirdisch ergänzt: „Ich war hier! – Botschaft für Aliens oder: warum Menschen schreiben…“ lautete also der Titel für eine knappe Stunde Vortrag im Audimax.



Die Vorlesung in der Kinderuni bot einen Einblick in die komplexe Geschichte der Schrift und der zugrunde liegenden Bilderwelten. Zentrale Fragen waren dabei: Warum schreiben Menschen eigentlich und seit wann gibt es die Schrift? Was würden wir Aliens über unser Leben erzählen, wenn wir ihnen einen Brief schreiben könnten? Gemeinsam entdeckten wir, wie Menschen vor 50.000 Jahren ohne Buchstaben kommuniziert haben und wie aus Bildern Schrift entstand. Wir fragten, was Emojis erzählen und lernten eine Botschaft kennen, die vor fast 50 Jahren auf eine runde Metallscheibe gepresst ins All geschossen wurde: die Golden Voyager Record. Die goldene Scheibe samt Schallplatte versammelt Bilder, Texte und Musik als Beispiele für menschliches Leben auf der Erde. Eine Kopie ist in der Dauerausstellung des Museums zu sehen.
Ein Alien
Nach umfangreichem Wissens-Input und zahlreichen Fragen aus dem Auditorium fand etwas Kurioses statt: ein schillerndes Alien betrat die Bühne. In den Händen: eine Golden Voyager Record, die es angeblich gerade im Weltall gefunden hatte. Es stellte viele Fragen und es stellte sich heraus, dass die goldene Scheibe gar nicht echt war. Das fand das Alien etwas traurig, dennoch fand es auch spannend zu erfahren, was da auf der Golden Voyager Record so alles gespeichert ist.


Zum Schluss wurden alle Kinder selbst zu Botschafter*innen für die Zukunft: Auf runden Papieren (der kreisrunden Golden Voyager Record nachempfunden) schrieben oder zeichneten sie ihre wichtigsten Nachrichten an Außerirdische oder stellten Fragen, hier ein kleiner Auszug:
„Die Erde ist in der Milchstraße. Kinder werden geboren. Menschen haben Berufe.“ Theodor, 7 Jahre
„Hier unten haben wir Sauerstoff – und ihr da oben? Es gibt mehrere Kontinente und die sind von ganz viel Wasser getrennt. Es gibt über 150 Länder und viele haben eine eigene Sprache.“ Alfred, 10 Jahre
„Die Menschen lassen ihren Müll liegen. Die Kinder sind frech. Hier gibt es Bäume und viele Seen und Flüsse“ Pauline, 10 Jahre
„Warum heißen Alien Alien? Wie können Aliens auf Toilette gehen?“ Vera, 9 Jahre



Zeitkapsel
Über 400 Botschaften sind so entstanden und wurden am Ende der Vorlesung in einer silbernen Box gesammelt, die fortan als Zeitkapsel (Kinderuni, 12. Juni 2026) in der Deutschen Nationalbibliothek aufbewahrt wird und dokumentiert, was Kindern im Jahr 2026 wichtig war.
Die nicht enden wollenden Nachfragen der Kinder im Anschluss haben gezeigt, dass der Einblick in die Menschheitsgeschichte und Wirkmacht der Schrift für sie genauso spannend war – wie er für uns eine große Herausforderung in Komplexitätsreduktion und pädagogischem Geschick darstellte – zwei für inklusive Gesellschaften immer wichtiger werdende Kompetenzen.
„Beste Forscherstimmung“ postete die Universität Leipzig im Anschluss auf Social Media. Wir sind noch immer begeistert von den tollen Beiträgen und klugen Fragen der Kinder. Das war nicht die letzte Vorlesung – wir kommen gern wieder in den Audimax.
Kinderuni der Universität Leipzig
Hörsaalluft schnuppern: Ob auf der Suche nach dem Kitzeln im Gehirn oder auf den Spuren von Super- und Comic-Helden – bei der Kinderuni ist für jedes Kind etwas dabei. Die Kinderuni bietet zweimal jährlich vier Vorlesungen für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren an.







