Mehr als Vorträge: 6. Datenbezieher-Workshop

Am 11. und 12. März 2026 fand im Kongresszentrum der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) in Frankfurt am Main der 6. Datenbezieher‑Workshop der DNB, der Zeitschriftendatenbank (ZDB) und der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB) statt. Rund um Metadatenbezug, Schnittstellen, Datenflüsse und Systemlandschaften bot die Veranstaltung erneut ein dichtes Programm – und vor allem einen Raum für intensiven fachlichen Austausch innerhalb der Community.
Die Workshop-Reihe begann bereits 2008 und setzte sich danach bis 2019 im Schnitt alle zwei Jahre fort. Die Datenbezieher-Workshops waren dabei von Beginn an auf Fachpersonen ausgerichtet, die in Bibliotheken, Verbünden und informationstechnischen Kontexten mit dem Import, Export und der Nachnutzung bibliothekarischer Metadaten der DNB und ZDB arbeiten. 2021 sollte es eigentlich weitergehen, aber – wie bei so vielem – kam die Pandemie dazwischen. Umso größer war die Freude, dass es in diesem Jahr endlich weitergehen konnte – dieses Mal sogar erweitert um Metadatenangebote der EZB. Der Datenbezieher-Workshop ist auch nach nunmehr fast 20 Jahren immer noch ein beliebtes Forum zum Kennenlernen, zum fachlichen Informationsaustausch und zum Vertiefen der kollegialen Zusammenarbeit.
Bewährtes Format, neue Akzente
Nach der Begrüßung durch Kathrin Brannemann, Direktorin der DNB Frankfurt am Main, und einem Rückblick auf den letzten Datenbezieher‑Workshop wurde schnell deutlich, was dieses Format auszeichnet: aktuelle Informationen direkt aus den verantwortlichen Einrichtungen, kombiniert mit offener Diskussion und dem ehrlichen Blick auf Herausforderungen im Arbeitsalltag. Ein besonderer Akzent lag 2026 auf neuen Austauschformaten. Der erstmalige Call for Posters, der unter dem Motto Ja, wo laufen sie denn, wo laufen sie denn hin? stand, lud dazu ein, Datenströme, Systemlandschaften und Nutzungsszenarien sichtbar zu machen.

Parallel zum Vortagsprogramm wurde eine offene Fachsprechstunde zur Gemeinsamen Normdatei (GND) angeboten. Sie bot Raum für konkrete Fragen, individuelle Problemstellungen und vertiefende Gespräche mit den Expertinnen der DNB – ein niedrigschwelliges Angebot, das von vielen Teilnehmenden wahrgenommen wurde.
Der erste Workshoptag stand im Zeichen aktueller technischer Entwicklungen und strategischer Planungen. Vorgestellt wurden unter anderem:
- die Neuentwicklung des OAI‑Repositories und der Schnittstelle (Beta),
- der DNB SPARQL Service (Beta),
- der Stand zur Abschaffung der Datenmengenbegrenzung,
- Neuerungen bei Inhaltstexten, Track‑Metadaten und dem Management lesender API‑Zugriffe.
Ergänzt wurden diese Einblicke durch praxisnahe Beiträge, etwa zur API des Deutschen Zeitungsportals der Deutschen Digitalen Bibliothek, zur Nutzung von DNB‑ und ZDB‑Diensten in VuFind‑OPACs und FOLIO‑Systemen sowie zu den EZB‑Schnittstellen. Ein weiteres Highlight war die AG Systemlandschaft, die sich mit dem Aufbau einer Systemlandkarte im ERM‑Bereich und einem Werkzeugkasten zur Nachnutzung befasst.
Der Tag klang in geselliger Runde beim gemeinsamen Abendessen in Rob’s Kulinarium aus – eine informelle Fortsetzung der Gespräche, die für viele Teilnehmende ebenso wichtig war wie das offizielle Programm.
Der zweite Workshoptag startete mit einem Blick auf Bibliothekssysteme und Metadatenmanagement in FOLIO. Anschließend warf Jürgen Kett (DNB) eine grundsätzliche Frage auf: „Welche Rolle spielen klassische bibliographische Daten und Normdaten in Zeiten von KI – dringend benötigt oder bereits obsolet?“. Die anschließenden Diskussionen zeigten, wie wichtig ein gemeinsames Verständnis über den Stellenwert klassischer Metadaten ist – gerade angesichts neuer Technologien. Weitere Programmpunkte widmeten sich Bestandsdaten in der ZDB, Im- und Exportverfahren, Neuigkeiten aus der ISIL-Agentur, dem EZB-ZDB-Datendienst sowie Journals Online & Print (JOP). Auch hier profitierte das Publikum spürbar vom Wechselspiel aus Vortrag, Erfahrungsbericht und Diskussion.
Mehr als Vorträge: Community‑Austausch als zentraler Mehrwert
Was den 6. Datenbezieher‑Workshop besonders auszeichnete, war nicht allein die thematische Breite oder Aktualität der Beiträge, sondern die Atmosphäre des offenen, kollegialen Austauschs. Viele Gespräche begannen im Vortragssaal, setzten sich im Foyer fort und führten zu neuen Kontakten, Ideen und Kooperationen. Die Datenbezieher-Workshops hatten sich bereits in der Vergangenheit als wichtiges Forum erwiesen, um sich über die Bedarfe der verschiedenen Institutionen auszutauschen und diese bei der Weiterentwicklung der diversen Angebote zu berücksichtigen.
Zum Abschluss des Workshops konnten die Teilnehmenden zwischen einer Führung durch die Deutsche Nationalbibliothek und – fern aller Metadaten – einer kulturhistorischen Führung über den nahe gelegenen Hauptfriedhof Frankfurt am Main wählen. Ein gelungener Rahmen, um die zwei intensiven Tage ausklingen zu lassen.
Der 6. Datenbezieher‑Workshop hat erneut gezeigt, wie wertvoll dieses Format für die Fachcommunity ist: als Ort des Wissenstransfers, der Diskussion und der Vernetzung. Viele der angesprochenen Themen werden sicher in den kommenden Monaten weiterwirken – und beim nächsten Datenbezieher‑Workshop wieder aufgegriffen werden. Das Organisationsteam von DNB, ZDB und EZB freut sich schon auf die siebte Runde.
Alle Infos rund um diesen und zukünftige Datenbezieher-Workshops gibt es hier:
https://wiki.dnb.de/x/v8R5Bw






