Multiplikatoren-Fortbildungen für Lehrkräfte

25. August 2025
von Stephanie Jacobs und Marina Strohm

Das Deutsche Buch- und Schriftmuseum (DBSM) veranstaltet Fortbildungen für Lehrkräfte aller Schularten zu Themen der Demokratievermittlung und Medienkompetenz.

Dass die Deutsche Nationalbibliothek (DNB) sich „für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit, gegen Rassismus und Antisemitismus“ (siehe Strategische Prioriäten #1) einsetzt, ist bekannt. Aber Sie fragen sich, wie Demokratievermittlung/Demokratiebildung und Medienkompetenz zusammenpassen?

Medienkompetenz kann als eine der Grundlagen für Demokratiebildung verstanden werden: Um an Demokratie teilhaben zu können, muss man sich informieren, Fake News von News unterscheiden und sich eine ausgewogene Meinung bilden können. Das Fördern von kritischem Denken ermöglicht den Mediennutzenden das Entlarven von Strukturen im Hintergrund und bildet sie zu kompetenten Teilnehmenden an Demokratie aus. Siehe dazu auch die Serie im DNB-Blog: Wissen schafft Demokratie.

Welcher außerschulische Lernort eignet sich zur Vermittlung von Medienkompetenz besser als das DBSM? Die mediengeschichtliche Ausstellung zeigt 5.000 Jahre Mediengeschichte, hat aber auch Fragen nach der Zukunft der Medien im Blick. Hier können sich Fragen gestellt werden wie: Ist die Manipulation von Informationen ein neues Phänomen und welche Ausprägungen gab es? Oder Was bedeutet es, dass die Voyager Golden Record eine bestimmte Auswahl an Wissen mit sich führt?

Tim John und Detflef John, 2012 – Ist das Bildverstehen einfacher als das Sprachverstehen?
Foto: PUNCTUM / Bertram Kober

Das Landesamt für Schule und Bildung Sachsen (LASuB) erkennt das Potenzial des DBSM und hat das Museum gebeten, zu den Themen Demokratievermittlung und Medienkompetenz Fortbildungen für Lehrkräfte anzubieten. Diese Anfrage haben wir nicht zuletzt deshalb gern angenommen, da sie einerseits perfekt in den Fokus der Strategischen Priorität #1 der DNB (siehe oben) passt. Andererseits zahlt das Thema auf den weiteren Ausbau des DBSM als außerschulischer Lernort und Ort der Demokratie ein.

Die erste Fortbildungsveranstaltung fand anlässlich der Woche der Meinungsfreiheit Anfang Mai 2025 statt. Unter dem Motto „Streiten? Unbedingt! Mediengeschichte – Meinungsfreiheit – Streitkultur“ waren Lehrkräfte aller Fächer und Schularten eingeladen. Einerseits diente das Treffen der Information über die vielfältigen Themen des mediengeschichtlichen Museums. Andererseits dazu, über weitere Anknüpfungspunkte unseres Bildungsprogramms an den Lehrplan der sächsischen Schulen nachzudenken und nach den konkreten Bedarfen der Schulen zu fragen, um als außerschulischer Lernort passgenaue Dienstleistungen konzipieren und anbieten zu können.

Den zweiten Teil des Workshops haben wir dem partizipativen Fishbowl-Format gewidmet: Ein interaktives Austauschformat, das nach strengen Regeln funktioniert und nützliche Diskursräume eröffnet. Thema des Fishbowls war „Streitkultur und rote Linien in der Vermittlungsarbeit: Hat Dialogbereitschaft Grenzen?“.

Die zweite Fortbildungsveranstaltung mit dem LASuB fand Anfang August 2025 statt und stand unter dem Thema „Medien- und Demokratiekompetenz: KI und Digitalisierung in Schulen“. Eingeladen waren wiederum Lehrkräfte aller Fächer und Schularten, was sich hinsichtlich Multiperspektivität als Gewinn herausgestellt hat, kamen doch wiederum Lehrkräfte mit sehr unterschiedlichen Horizonten und Erfahrungen zusammen. Die Themen Medienkompetenz und Umgang mit KI sind für die Vermittlungsarbeit des DBSM zugleich Ausbauthemen, denen wir uns in den nächsten beiden Jahren verstärkt widmen werden. Daher lohnte es hier besonders, sich über die Bedarfe des Schulalltags auszutauschen.

Auch in dieser Veranstaltung haben wir mit dem Fishbowl-Format interessante Diskussionen zum Thema „KI und Digitalisierung in Schulen“ geführt. Besonders spannend waren die vielfältigen Perspektiven der Teilnehmenden – der lebhafte Austausch ermöglicht uns einen Blick auf unsere zukünftigen Angebote und die Rolle des DBSM als außerschulischem Lernort.

Vermittlung von Medienkompetenz im Lesesaal des Dt. Buch- und Schriftmuseums. Foto: DNB

Beide Fortbildungen haben – nach Innen und nach Außen – interessante Diskursräume geöffnet. Zugleich haben sie die Abbildung schulischer Bedarfe auf die Angebotspalette des DBSM ermöglicht und Angebot und Nachfrage präzisiert. Da gerade die zweite Veranstaltung von den Anmeldezahlen her mager war (der Zeitpunkt der letzten Ferienwoche, die uns als Vorbereitungswoche vom LASuB empfohlen wurde), haben wir die Veranstaltung für interessierte Kolleg*innen geöffnet – gerade dieser Aspekt des gemeinsamen „über-den-Tellerrand-Schauens“ war ein großer Gewinn für die Perspektive auf den Themenkomplex „Zugänge und Vermittlung“.

Wir freuen uns auf weitere Formate mit Lehrkräften, um unsere Angebote auszubauen und so passgenau wie möglich an die Bedarfe der verschiedenen Schularten anzupassen. Auf dass wir unser Potenzial nutzen und eine verlässliche Partnerin bei der Vermittlung von Medienkompetenz und somit Demokratiebildung werden.

Stephanie Jacobs

Stephanie Jacobs, Leiterin des Deutschen Buch- und Schriftmuseums, brennt dafür, Kulturerbe in aktuelle gesellschaftliche Diskurse einzuspeisen.

Marina Strohm

Marina Strohm ist Bibliothekspädagogin und arbeitet im Referat für Automatische Erschließung, Netzpublikationen. Sie unterstützt seit 2025 bei der Vermittlungsarbeit im Deutschen Buch- und Schriftmuseum - insbesondere im Bereich Medienkompetenz.

*Nachweis Beitragsbild auf der Startseite:DNB, Bärbel Kaiser

Ein Kommentar zu „Multiplikatoren-Fortbildungen für Lehrkräfte“

  1. Johannes sagt:

    Ein großartiger Beitrag, der mit viel Weitsicht und Engagement verfasst wurde!
    Man spürt die fachliche Tiefe und das Herzblut der Autorin in jeder Zeile. Besonders beeindruckend finde ich, wie klar die Bedeutung der Multiplikator:innen-Fortbildungen herausgestellt wird und wie praxisnah die Ansätze beschrieben sind.

    Es ist äußerst wertvoll, wenn so fundiertes Wissen nicht nur geteilt, sondern auch in den Bildungsalltag getragen wird. Dieser Artikel verdient höchste Anerkennung und zeigt einmal mehr, wie wichtig kluge Impulse aus der Wissenschaft und Praxis für unsere Gesellschaft sind.

    Herzlichen Dank für diesen inspirierenden Beitrag!

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