Theophilus van Kannel – Der Erfinder der Drehtür

15. Dezember 2025
von Wolfgang Mertes und Jana Weinlich

Bei sinkenden Temperaturen und ersten Schneeflocken ist es wieder so weit. Man sagt ja immer so schön „Weihnachten steht vor der Tür“. Aber haben Sie sich besagte Tür schon einmal genauer angeschaut? Dass wir in der kalten Jahreszeit auch hier in der DNB nicht zu frieren brauchen, haben wir unter anderem einem Mann zu verdanken: Theophilus van Kannel. Der niederländisch-amerikanische Erfinder erhielt am 07. August 1888 das US-Patent auf die Drehtür, die er unter dem Namen „Sturmtür“-Konstruktion vermarktete.

Man sieht eine städtische Umgebung im Schnee. Im Vordergrund sieht man die Querstreben eines Balkongeländers, an denen viele kleine Eiszapfen hängen. Man schaut durch sie hindurch auf ein Gebäude im Hintergrund. DIeses Gebäude hat große Glasfenster durch die man die Bücherregale im inneren sehen kann. Auf dem Dach des Gebäudes und auf der freien Fläche davor liegt Schnee.
Wenn es draußen kalt wird, rückt die Erfindung eines Mannes plötzlich wieder in den Vordergrund unseres Bewusstseins: Theophilus van Kannel und seine Drehtür. Foto: DNB, Stephan Jockel, CC-BY-SA 3.0 DE
Man sieht eine technische Zeichnung. Sie zeigt das Konzept der ersten Drehtür von oben betrachtet. Von einem Drehpunkt in der Mitte gehen drei gerade Linien ab, die in einem gleichmäßigen Winkel zueinander angeordnet sind. Ihre Spitzen sind zu einem Dreieck verbunden. Das ganze Konstrukt wird eingefasst von einem Doppelwandigen Kreis, der auf zwei gegenüberliegenden Seiten von einer Lücke durchbrochen ist. Rechts neben der Zeichnung steht: " Inventor: T- vanKannel by his Attorneys Howson & Howson"
Von Theophilus van Kannel – Patentschrift für die Sturmtür (storm door) von Theophilus van Kannel, Gemeinfrei

In seiner Patent-Schrift beschreibt van Kannel seine Erfindung folgendermaßen: „Es ist offensichtlich, dass eine Sturmtür-Konstruktion […] eine Vielzahl an Vorteilen gegenüber einer Tür in üblicher Scharnierbauweise hat. Im Betrieb ist sie absolut geräuschlos und verhindert sowohl bei geschlossener Tür als auch beim Hindurchgehen von Personen wirksam das Eindringen von Wind, Schnee, Regen oder Staub. […] Da sich die Türen außerdem nur in eine Richtung bewegen, können Menschen herein- und herausgehen, ohne dabei zusammenzustoßen.“

Glauben wir also seinen Worten, hat van Kannel seine Tür aus rein wissenschaftlichem Interesse entwickelt. Aber es gibt auch andere Gerüchte, wonach er durchaus auch eigene Interessen verfolgte…

Van Kannel lebte in einer Zeit, in der man als guter Gentleman einen bestimmten Verhaltenscodex einzuhalten hatte. Dazu gehörte auch, dass man einer Dame die Tür aufhielt und sie als erstes hinein oder heraustreten lies. Dem Erfinder soll diese gesellschaftliche Verpflichtung zuwider gewesen sein. Daher entwickelte er eine Tür, die immer zugleich offen und geschlossen ist. Eine Konstruktion, die mit nur wenigen Veränderungen und Anpassungen auch im 21. Jahrhundert noch zum Einsatz kommt.

Heute sind wir van Kannel dankbarer denn je für seine Erfindung. Gleich ob er sie aus persönlichen Gründen, oder aus rein technischem Interesse entwickelt hat. Denn Drehtüren reduzieren besonders im Winter unseren Energieverbrauch. So schonen sie nicht nur unseren Geldbeutel, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Sie verhindern, dass die Wärme allzu schnell aus einem Gebäude entweicht und helfen so Heizkosten zu sparen. Denn hier herrscht kein direkter Luftaustausch mit der Außenwelt, sodass die geheizte Luft nicht direkt abgegeben wird.

So spart die Benutzung der Drehtür im Vergleich zu einer normalen Tür circa sechs Gramm Treibhausgase pro Person und Durchgang ein. Das ist etwa so viel wie bei einer Autofahrt über 35 Meter ausgestoßen wird.

Klingt erstmal nach wenig?

Wenn Sie einmal überlegen: Die DNB hat an beiden Standorten zusammen im Durchschnitt 473 Nutzende pro Tag. Das macht 473 Personen, die ungefähr zwei Mal am Tag eine der Drehtüren passieren. Rechnet man das einmal aus, so stellt man schnell fest, wie viel Wirkung auch die scheinbar kleinen Dinge haben können. Pro Tag würden nach dieser Rechnung die Menge an Treibhausgasen eingespart, die bei einer knapp 33 km langen Autofahrt ausgestoßen werden würden. Also eine ganze Menge!

Klimafreundlich ins Lesevergnügen? Kommen Sie vorbei und nutzen sie die Drehtüren hier in der DNB!

Man sieht eine dunkelgraue Drehtür in modernem Design. Sie ist mit dem Schirftzug "Deutsche Nationalbibliothek" überschrieben. Rechst neben der Tür befindet sich eine große Fensterfront, die aus mehreren schmäleren hochkantigen Fenstern zusammengesetzt ist. Dort sieht man die deutlich die Spiegelung eines historischen Gebäudes, aus beigen Sandstein. Es hat hervorstehende Erker über die vollständige Höhe des Gebäudes, in denen sich mehrere Sprossenfenster befinden. Zwischen den beiden Gebäuden verläuft eine Straße aus Kopfsteinpflaster.
Die Drehtür der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig. Sie ist Teil des neueren Gebäudekomplexes dieses Standortes. Foto: DNB, Stephan Jockel, CC-BY-SA 3.0 DE
Man sieht eine Drehtür aus Glas. Die Wände rechts und links davon bestehen ebenfalls aus einer großen Fensterfront. Rechts und links neben der Drehtür stehen zwei weiße Beton-Säulen, die die Überdachung des Eingangsbereiches tragen.
Auch den Frankfurter Standort kann man durch eine Drehtür betreten. Foto: DNB, Jana Weinlich, CC-BY-SA 3.0 DE
*Nachweis Beitragsbild auf der Startseite:DNB, Stephan Jockel

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  • ISSN 2751-3238