Zwischen den Regalen – Barbara Hennings
In Zwischen den Regalen kommen Nutzende der Deutschen Nationalbibliothek zu Wort. Sie kommen aus unterschiedlichen Gründen und aus unterschiedlichen Bereichen. Sie nutzen die Lesesäle in Leipzig und Frankfurt als Recherche, Arbeits- oder Lernort. Hier geben sie Einblicke in ihre Arbeit, stellen Projekte vor und erzählen ihre Geschichte. Heute: Barbara Hennings.
Hallo Frau Hennings, stellen Sie sich doch zu Beginn einmal kurz vor!
Gerne! Mein Name ist Barbara Hennings und ich bin Autorin. Von mir liegen jetzt vier Romane, drei Erzählungen und einige Gedichtbände vor. Außerdem führe ich regelmäßig selbst Literaturveranstaltungen durch. Der aktuelle Ort meiner Literaturmatineen ist die Galerie UnikART in Frankfurt am Main. Darüber hinaus bin ich als Kursleiterin für Integrationskurse tätig.
Mein letztes Werk ist im August 2024 erschienen. „Die Moselbande“ ist ein Erzählband. Mein letzter Roman aus dem Jahr 2022 „Rosa Damàs ihr Glanz – ihr Fluch“ spielt im Wesentlichen in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt. In diesem Roman hat die DNB ein Programm ins Leben gerufen, welches sie „Vergangen nicht Vergessen“ nennt. Im Zuge dieses Programms werden Rechner und Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, um Senioren dazu zu ermuntern, ihre Memoiren festzuhalten. Dieses Programm nutzt eine Hauptfigur meines Romans, um sich seiner Lebensgeschichte zu widmen. Die DNB wird so zu einem Schauplatz für die weitere Handlung.

Und woran arbeiten Sie im Moment?
Aktuell arbeite ich an einer Fortsetzung meines Erzählbandes „Die Moselbande“. Die Geschichte wird voraussichtlich den Namen tragen „Der Teufel mit dem Engelsgesicht“.


Warum kommen Sie für diese Arbeit ausgerechnet in die DNB? Welche Vorzüge bietet die Bibliothek Ihnen?
Die DNB verfügt über ein sehr breites Spektrum an Recherchematerial. Des Weiteren ist die Umgebung sehr hilfreich, um Texte zu verfassen. Zum einen herrscht durch das Untersagen von Telefonaten eine ruhige Atmosphäre. Der Verfasser von Texten hat nicht nur eine arbeitsfördernde Umgebung, sondern er kann auch jederzeit auf weiteres Recherchematerial zurückgreifen, kann dieses unmittelbar in die Texte einbauen. Dann lädt die Nähe der Cafeteria zu Arbeitspausen ein und auch zur Möglichkeit, sich themenbedingt mit weiteren Gesprächspartnern auszutauschen.
Welches Potenzial sehen Sie in der Sammlung der DNB ganz konkret auf Ihre Arbeit bezogen? Auf welche Weise arbeiten Sie als Autorin mit unseren Beständen?
Für mich persönlich sind die Bestände der DNB unglaublich hilfreich. Sie ermöglichen es mir, meine Geschichte um neue Aspekte zu erweitern und fördern meine Kreativität. Denn durch die große Zahl der Titel, die mir hier in der DNB zur Verfügung stehen habe ich erst die Möglichkeit diese weiteren Aspekte für meine aktuelle Geschichte herauszufiltern. Oft sammele ich auch gleich noch zusätzliche Aspekte, für eine nächste Geschichte.
Und wie gehen Sie dabei vor, wenn Sie in den Beständen der DNB recherchieren?
Die erste Recherche mache ich von zu Hause aus. Da schaue ich, was in den Beständen der DNB zu meiner aktuellen Idee passen könnte. Die Werke, die mich interessieren, bestelle ich mir dann in den Lesesaal. Und da ich nur 20 bis 25 Minuten zu Fuß von der DNB entfernt wohne, kann ich praktisch ohne größere Vorlaufzeit mit meinen Recherchen beginnen. Nachdem ich mir die Materialien zunächst überblickshaft angeschaut habe, recherchiere ich oft noch einmal genauer nach oder erweitere meine Recherche. Ich frage mich, wie werthaltig die Informationen sind, die ich über diese erste Recherche bekomme? Wie hilfreich sind sie für mein Buch und meine Idee? Oft kommen mir darüber dann auch neue Ideen, zu denen ich weiterführende Recherchen anstelle. Aber meine Recherche beginnt eigentlich immer bei mir zu Hause und wird dann vor Ort im Lesesaal um zusätzliche Aspekte erweitert.
Wie viel Zeit verbringen Sie mit Recherchen in der DNB, wenn Sie an einem neuen Buch arbeiten?
Ich würde sagen durchschnittlich von 10 Uhr morgens bis 18 Uhr am Abend, also ein langer Tag. Während dem Schreiben mache ich natürlich auch immer wieder Pausen. Normalerweise teile ich mir die so ein, dass ich drei Stunden am Vormittag und drei Stunden am Nachmittag schreibe, also sechs Stunden am Tag. Das ist ein guter Durschnitt an schreibender Arbeit für einen Tag.
Und wie verbringen Sie Ihre Pausen hier? Treffen Sie sich auch mit anderen Autor*innen?
Ich gehe meist in die Cafeteria. Und treffe mich auch sehr, sehr gerne mit anderen Autor*innen. Im Sommer 2015, als ich große Teile meines Werkes „Rosa Damas“ hier geschrieben habe, habe ich mich oft draußen verabredet. Man hat hier so viele verschiedene Erholungsmöglichkeiten. Wir haben uns im Außenbereich der Cafeteria in die Sonne gesetzt und uns ausgetauscht. Ich habe über mein Buch, aber auch über andere Dinge privater Natur gesprochen. Das war eine sehr fruchtbare Zeit.

Ihr Werk „Rosa Damás“ spielt zu einem großen Teil in der DNB. Darin hat die DNB eine Initiative ins Leben gerufen, die es Senior*innen ermöglicht ihre Memoarien für die Nachwelt aufzuschreiben. Denken Sie, die DNB sollte so etwas auch in Echt umsetzen?
Ja, ich halte davon extrem viel. Es gibt verschiedene Gründe, warum ein solches Projekt durchzuführen für die DNB in meinen Augen durchaus erstrebenswert ist. Erstens wird die DNB so zu einer Schnittstelle für verschiedene Generationen. Zweitens schafft die DNB einen Ort mit Erinnerungspotenzial, in dem sie ihre Räumlichkeiten einer bestimmten Klientel zur Verfügung stellt. Drittens kann die die DNB so eine soziale Rolle erfüllen, indem sie Senioren die Möglichkeit gibt, eine Aufgabe in der Schaffung von Erinnerungskultur zu erfüllen. Einerseits werden sie so dazu ermuntert, ihre wertvollen Erinnerungen festzuhalten, bekommen aber auch nochmal eine Aufgabe. Also ich halte sehr viel von einem solchen Projekt und würde mich freuen, wenn die DNB das wirklich irgendwann mal in die Tat umsetzen würde.
Welches ist Ihr Lieblingsplatz zum Arbeiten hier?
Ich fühle mich im oberen Stockwerk rechts neben der Treppe bei den Tischen am Gang am wohlsten

Wissen Sie noch, wann Sie das erste Mal die DNB besucht haben und was Sie hierhergeführt hat?
Das ist wirklich eine sehr gute Frage. Ich war in früheren Zeiten viel in der Universitätsbibliothek, habe dann aber die DNB für mich entdeckt. Weil ich finde, es ist einfach schöner, bequemer und angenehmer hier zu arbeiten. Es ist hier von der gesamten Einrichtung her einfach gediegener. Außerdem finde ich, dass hier mehr Professionalität gegeben ist. Die Mitarbeiter*innen an der Ausgabe sind immer unheimlich nett und freundlich. Man wird nicht einfach abgefertigt – sondern es ist auch immer Jemand da, mit dem man ein paar Worte wechseln kann. Man sieht ja, dass ich kein klassischer Student bin und wenn ich in einer Schreib-Phase öfter komme, kommen wir manchmal ein bisschen ins Gespräch. Das hat schon fast etwas Familiäres und hat mich immer sehr angesprochen. Es macht für mich diese besondere Atmosphäre der DNB hier aus.
„Genau diese heimelige Atmosphäre ist es, die mich auch über die Bücher hinaus immer wieder in die DNB zieht.“
Barbara Hennings im Interview mit Jana Weinlich

Genau diese heimelige Atmosphäre ist es, die mich auch über die Bücher hinaus immer wieder in die DNB zieht. Hier herrscht ein besonders Umfeld, dass auch immer wieder meine Kreativität fördert und mir neue Ideen für zukünftige Veröffentlichungen angedeihen lässt. Mein Traum wäre es natürlich hier mal eine Veranstaltung zu meinem Werk „Rosa Damas“ abzuhalten, weil zu einem großen Teil hier in den Lesesälen spielt.






