AG SDD – Buch des Monats August 2026
Boltz, Valentin: Neu herfür gesuchtes Illuminir-Buch/ Künstlich alle Farben zu machen und bereiten/ allen Schreibern/ Mahlern/ Brieffmahlern … dienlich zu wissen/ sampt etlichen neuen zugefügten Kunststücklein/ vormahls im Druck nie außgangen. St. Annaberg. Gedruckt und zu finden bey David Nicolai. 1690.
Das Werk erschien erstmals 1549 in Basel unter dem Titel Illuminier Buoch, wie man allerley farben bereitten, mischen, schattieren unnd ufftragen soll, bevor es schon 1550 in Frankfurt am Main unter einem abweichenden Titel neu aufgelegt wurde.

In den folgenden Jahrhunderten wurde das Werk vielfach neu aufgelegt. Die HAB (Herzog August Bibliothek) hat eine bislang unbekannte Ausgabe, erschienen 1690 in St. Annaberg (Oberschlesien), erwerben können, die die späteste Ausgabe im Handpressendruck vor einer Neuausgabe München 1913 darstellt. Das Exemplar ist ohne feste Deckel in Buntpapier mit Steinmarmor-Muster eingebunden, Gebrauchsspuren sind nicht erkennbar. Das zweifarbig gedruckte Titelblatt ziert eine Abbildung, die eine Sammlung verschiedener Werkzeuge zeigt und damit bereits den Zweck des Buches unterstreicht: Eine Anleitung zur Herstellung von Farben.
Als eine Besonderheit des Druckes gilt, dass der Autor Valentin Boltz im Grunde kein Fachmann auf dem Gebiet der Farbherstellung, sondern ein Geistlicher war. Nachdem Boltz 1534 im Dienst des Herzogs Ulrich von Württemberg stand, wurde er 1539 Diakon in Tübingen. Nach mehreren Stationen als Pfarrer in der Schweiz, wurde er ab 1547 Spitalpfarrer in Basel. Neben seiner eigentlichen Tätigkeit wirkte er als Übersetzer und als Autor verschiedener dramatischer Werke, bevor er 1549 sein „Illuminierbuch“ verfasste.
Dabei galt es wohl jedoch als nicht unproblematisch, wenn ausgerechnet jemand Fachfremdes die handwerklichen Methoden der Farbherstellung und die dafür benötigten Zutaten so offen preisgab. So zumindest vermutet dies auch Valentin Boltz im Vorwort seines Buches: „Ich habe kein Zweiffel / es werden etliche mißgünstige Künstler / diß mein einfältige Anleitung in die Illuminirung / sehr bekümmern / als ob ihnen etwas Abbruchs ihrer Nahrung drauß folgen würde“. In seinen Augen würde die Veröffentlichung dieses Wissens dem Handwerk jedoch keinen zu großen Schaden zufügen. In dem Wunsch, die Spezialisten auf dem Gebiet der Farbherstellung mögen es ihm daher nicht zu sehr verübeln, begründet er seine Entscheidung mit dem Verweis auf mögliche Ergänzungen: „Denen und andern geb ich zur Antwort / daß diß nicht angefangen / iemands dadurch zu verderben oder zu verkleinern / sondern erstlich dadurch andere baß erfahren dieser Kunst Illuministen zu reitzen / diß Werck mit ihrem Zusatz täglich zu bessern.“
Dieser Wunsch von Valentin Boltz, mit diesem Buch das Wissen über die Farbherstellung weitergeben zu können, scheint sich im Nachhinein durchaus erfüllt zu haben. In den folgenden Jahrhunderten wurde es immer wieder nachgedruckt. In diesem Aspekt stellt das Buch sicherlich eine weitere Besonderheit da: Ausgerechnet das Werk eines fachfremden Autors avancierte anscheinend zu einer grundlegenden Anleitung für die Farbherstellung, die über eine lange Zeit nachgenutzt wurde.
Text: Jonas Theye (HAB)
Boltz, Valentin: Neu herfür gesuchtes Illuminir-Buch. St. Annaberg. Gedruckt und zu finden bey David Nicolai. 1690.
Erworben von der Herzog August Bibliothek, VD17 23:761124V.
Signatur Xb 11450
AG Sammlung Deutscher Drucke
In der Arbeitsgemeinschaft Sammlung Deutscher Drucke (AG SDD) kooperieren sechs Bibliotheken, um eine umfassende Sammlung der gedruckten Werke des deutschen Sprach- und Kulturraums vom Beginn des Buchdrucks bis in die Gegenwart aufzubauen, zu erschließen, der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen und für künftige Generationen zu bewahren.
Dadurch entsteht eine verteilte Nationalbibliothek, in der die beteiligten Bibliotheken für einzelne Zeitsegmente verantwortlich sind.
Webseite AG SDD






