Cozy Christmas

Foto: DNB, Christina Filbert
Cozy … dieses zart klingende englische Wort übersetzen wir mit kuschelig, gemütlich und behaglich. Ob damit eine Jahreszeit, ein Wochenende oder eine Auszeit angesprochen wird – es ist immer stimmungsvoll.
Der Übergang vom Cozy Autumn zu Cozy Christmas ist fließend: Das Kaffeearoma wechselt von einer herbstlichen Kürbisnote zu Zucker, Zimt und Haselnuss, die Orangetöne lösen sich auf in weihnachtliches Grün, Rot und Gold und die Lektüre wechselt von schauerlich zu besinnlich. Mary Shelleys Frankenstein stapft zurück ins ewige Eis und Charles Dickens‘ Ebenezer Scrooge schwebt mit dem Geist der jeweiligen Weihnacht unter die Leselampen.
Was brauchen wir noch für ein Cozy Christmas? Wispernden Wind, rieselnden Regen, lieber noch schnuffigen Schnee, beim Spaziergang wohlig eingemummelt sein in Wolle, die Nase rot gefroren wie die von Rudoph the red nosed reindeer … und dann hinein ins Warme und das Wetter gemütlich aus dem Wohnzimmerfenster betrachten … bei Kerzenlicht und dem Duft von Honig und winterlichen Gewürzen. Nicht zu vergessen – ein heißes Getränk und ein Buch!
Die Klassikerfreunde lesen Eine Weihnachtsgeschichte zum zigsten Mal, durch die Liebesgeschichten weht ein Hauch von Winzerglühwein und in den Romantasy-Büchern tragen die sonst so grummeligen Drachen Weihnachtsglöckchen um den Hals. Krimis sind unterm Weihnachtsbaum nur ohne unerquickliche Details erlaubt – sonst sind sie nicht cozy, sondern hard-boiled.
Sehen Sie selbst, was wir so alles unter den Titelstichwörtern Cozy Christmas im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek finden!
Weihnachtstraditionen aus dem deutschsprachigen Raum, die einen hohen Coziness-Faktor haben, sind natürlich Lieder wie Stille Nacht, heilige Nacht und Oh Tannenbaum und die heiß geliebten Weihnachtsmärkte, bei denen unter einem geschmückten immergrünen Baum gebrannte Mandeln und Glühwein genossen werden.

Foto: DNB, Elke Jost-Zell
Natürlich geht es nicht ohne kulinarische Freuden! Endlich einmal Zeit für slow cooking! Ob Weihnachtsgans, Plätzchen oder festliches BBQ – nicht nur hier zuhause wird mal traditionell, mal experimentell der Kochlöffel geschwungen. Begeistert in der Weihnachtsküche sind, entgegen aller böser Klischees – die Briten! Ob gefüllter Truthahn, Mince Pies, Plum Pudding, Chocolate Orange, Tea Cakes oder Bannocks – all das wird verputzt, bevor die beliebten Christmas Crackers geknackt werden.
Mit Annie Gray haben unsere britischen Freunde sogar eine promovierte Lebensmittelhistorikerin (food historian), die sich besonders in der kulinarischen Schaffensperiode von 1650 bis 1950 auskennt und ihre Landsleute über die Küche von Königin Victoria informiert (The Greedy Queen) oder wie man generell zu ihrer Zeit gekocht hat (How to cook the Victorian way) und auch deutsche Serienfans mit einem Buch über das Kochen in Downton Abbey aka Highclare Castle (The Official Downton Abbey cook book) beglückt.
Christmasiale Touristen können nach unseren glühweinseligen Weihnachtsmärkten und dem britischen Lichterzauber von Harrods zu Hamleys nach New York jetten, um dort Santa Claus in Big Apple zu besuchen. Oder Rudolphs Hufspuren im Katalog der DNB folgen: Unter der Stichwortsuche „New York Christmas“ finden wir glitzerschneebepuderte Literatur von der Weihnachtsromanze à la Kiss me in New York : a winter romance, dem romantischen Kurzgeschichten-Kalender Mistletoe Moments und dem RomanWinterzauber im Central Park, doch auch der essbare Puderzucker kommt nicht zu kurz dank Büchern wie New York christmas baking und Christmas cooking in New York. Die Love Language von New Yorks Fest der Liebe buchstabieren Buchtitel wie das Aufstellbuch I’m dreaming of a New York Christmas : 24 Inspirationen für eine wundervolle Weihnachtszeit und der Allrounder I love Christmas in New York : Rezepte, Gedichte, Geschichten und mehr ; Weihnachten für #englishlovers. Dazu kann man nur ein Wort hervorseufzen: Cozy!
Übrigens erfreuen sich Bibliothekar*innen der Formalerschließung und Inhaltserschließung bereits im Spätsommer an weihnachtlichen Werken. Während wir in unsren Büros schwitzen – sind es die sommerlichen Temperaturen oder die kuscheligen Themen der Bücher, ist unklar – sorgen wir dafür, dass alle „Cozies“ rechtzeitig zum Fest verzeichnet sind. Der Verdacht liegt nahe, dass Menschen, die sich bereits im Sommer mit Weihnachten beschäftigen, auch zu den ersten gehören, die in den Supermärkten nach Lebkuchen, Dominosteinen und anderen weihnachtlichen Leckereien greifen.
Natürlich dürfen moderne musikalische Klassiker wie Wham – Last Christmas, Bing Cosby – White Christmas oder Chris Rea – Driving Home for Christmas nicht fehlen. Auf Social Media werden bereits im Sommer Countdowns gepostet, bis zum ersten Mal der Dauerbrenner von Wham gespielt werden kann. Was den einen erfreut, mag dem anderen ein Graus sein. Auch Taylor Swift steuert mit Christmas Tree Farm nicht nur einen Song, sondern eine Kindheitserinnerung bei: Ihren Eltern gehörte eine Weihnachtsbaum-Farm und im Song schwelgt sie in Erinnerungen daran.
Mit dem Ende des Jahres schwingt auch immer Wehmut und Hoffnung auf das neue Jahr mit und so haben auch Auld Lang Syne beziehungsweise die deutsche Version Nehmt Abschied, Brüder, Europe – The Final Countdown oder ABBA – Happy New Year ihren festen Platz in Radio und TV.
Und mit einem Zitat des Weihnachtsklassikers Charles Dickens wünschen wir Ihnen ein fröhliches und friedvolles Weihnachtsfest, mit dem leuchtenden Blick eines Kindes:
„Denn es ist gut, zuweilen Kind zu sein, und vorzüglich an Weihnachten, da der Urheber dieses Festes selbst noch ein Kind war.“






