Das Leipziger Bibliotheksgebäude wird 110
Ein Blick zurück und in die Zukunft
Das Gebäude am Deutschen Platz feiert ein kleines Jubiläum: Am 2. September 1916 wurde der Gründungsbau der damaligen »Deutschen Bücherei des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu Leipzig«, die heutige Deutsche Nationalbibliothek, feierlich eingeweiht. Seit den 1990er-Jahren umfassend baulich saniert, erfüllt der Bau mit seinen Erweiterungen die Anforderungen an ein funktionales Bibliotheksgebäude der Gegenwart.

Ein Rückblick
Finanziert wurden der Gründungsbau und die Ausstattung vom Börsenverein der Deutschen Buchhändler, dem Königreich Sachsen und von der Stadt Leipzig. Stiftungen aus institutionellen und privaten Mitteln ergänzten die Gelder und ermöglichten die Ausführung von künstlerischem Schmuck. Dabei war zunächst geplant, das Gebäude an einem anderen Ort in Leipzig zu errichten. Aber der ursprüngliche Bauplatz an der Sigismundstraße war nicht repräsentativ genug; so stellte die Stadt Leipzig das heutige Grundstück am Deutschen Platz zur Verfügung, der nach der »Deutschen Bücherei« benannt wurde und ausreichend Platz für die geplanten zukünftigen Erweiterungen bietet. Schon damals ging man davon aus, dass das Gebäude alle 20 Jahre einer baulichen Vergrößerung bedarf; der Architekt Oskar Pusch plante einen Gebäudekomplex in einheitlicher Architektur für die nächsten 200 Jahre.
Bis zur Fertigstellung des Bibliotheksgebäudes waren die Bestände, die mit dem Beginn der Sammlung ab Januar 1913 eingingen, im Buchgewerbehaus am Gerichtsweg gelagert worden.
Am 2. September 1916, vor nunmehr 110 Jahren, wurde das 120m lange, repräsentative Gebäude am Deutschen Platz im Beisein des sächsischen König Friedrich August III. und seiner Schwester Prinzessin Mathilde von Sachsen feierlich eingeweiht. Im Gründungsbau waren der damalige „Große Lesesaal“ und der „Zeitschriftenlesesaal“, Magazinflächen sowie Büros für die Mitarbeitenden untergebracht. Mit dem ersten Erweiterungsbau, der von 1934 bis 1936 als Südostflügel errichtet wurde, und dem zweiten Erweiterungsbau, der von 1959 bis 1963 an der Nordwestseite entstand, folgte man den Planungen des Architekten Oskar Pusch und des Baurats Karl Julius Baer, die das Gründungsgebäude in nur zweieinhalb Jahren von 1914 bis 1916 errichten ließen. Bereits der dritte Erweiterungsbau, der von 1976 bis 1982 als reiner Magazinbau errichtet wurde, wich vom ursprünglichen Plan ab. Der vierte und jüngste Erweiterungsbau, der im Jahr 2011 eröffnet wurde, dockt am Westgiebel an den Gründungsbau am Deutschen Platz an und fügt das Gebäudeensemble zusammen, indem er den Bücherturm einbezieht. Wie geht es in Leipzig weiter? Der Bestand an physischen Medienwerken – die heutige Deutsche Nationalbibliothek sammelt alle Text-, Bild- und Tonveröffentlichungen in und über Deutschland oder in deutscher Sprache – wächst pro Jahr je Standort um etwa 3 Regalkilometer. Die Magazinkapazitäten des vierten Erweiterungsbaus sind fast ausgeschöpft. Daher soll an der Südostflanke des Gründungsbaus am Deutschen Platz ein fünfter Erweiterungsbau entstehen. Errichtet wird ein Magazingebäude, das für die Archivierung der Zugänge für einen Zeitraum von dreißig Jahren ausreichend dimensioniert ist und auch ein für die digitale Strategie der DNB wichtiges Rechenzentrum enthält. Die Planungen gehen voran und voraussichtlich Ende des Jahres 2027 starten die Baumaßnahmen. Für das Jahr 2032 ist die Fertigstellung des Magazinbaus zur Lagerung physischer Medienwerke unter konservatorisch modernsten Bedingungen geplant.
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Annett Koschnick
ist Mitarbeiterin im Referat Kommunikation der Deutschen Nationalbibliothek.







