Die Geschichten in uns II
Vom Funken einer Idee zum gedruckten Buch
Im ersten Teil unseres Blogbeitrags Die Geschichten in uns nach dem gleichnamigen Buch des Schriftstellers Benedict Wells berichteten wir davon, wie überrascht und erfreut wir waren, nicht nur ein lesenswertes, humorvolles und tief berührendes Buch über das Schreiben in den Händen zu halten, sondern darin auch die vier Ebenen des Regelwerks Resource Description and Access, RDA mit den Augen eines Künstlers abgebildet zu finden.

Bild: DNB, Elke Jost-Zell
Im ersten Textteil seines Buches blickt der Autor fragmentarisch auf die eigene Lebensgeschichte zurück. Im zweiten Teil des Buches beschreibt er den Schaffensprozess von der Idee zum Erstentwurf, weiter zum Manuskript, Lektorat und Korrektorat bis hin zur Entstehung des Buches, das wir in den Händen halten. Er gibt Anregungen und Tipps für das Schreiben eines Buches, ausgehend von seinen eigenen Erfahrungen und voller Mitgefühl für jeden, der die kleinen und großen Krisen des Schreibprozesses durchlebt.
In diesem zweiten Textteil finden wir die vier Ebenen Werk, Expression, Manifestation und Exemplar des internationalen bibliothekarischen Katalogisierungsstandards RDA, Resource Description and Access, deutlich auf der Praxisebene wieder – ganz so, wie es dessen Urheber beabsichtigt hatten. RDA wurde zunächst für die Anwendung in Bibliotheken entwickelt – mittlerweile nutzen sie auch Anwender in anderen Bereichen wie Museen und Archive.
Natürlich beschreibt Benedict Wells diese verschiedenen Stadien nicht wie die nüchtern-theoretischen Regelwerkstexte, die uns bei der Erschließung von Medienwerken unterstützen, sondern in einer wunderbar kreativen und einfallsreichen Sprache.
Darüber hinaus gibt es in diesem halbautobiografischen Sachbuch erbauliche und kluge Zitate verschiedener Schriftsteller*innen über das Schreiben, die echtes Lesevergnügen bereiten – ein „ehrliches Buch über das Schreiben“, wie es der Autor nennt. Ein Verweben von Schreibkunst und Fachwissen, das einen ganz eigenen Reiz hat, so nennen wir es.
Die 4 Ebenen der RDA in Kürze
Zur Erinnerung eine kleine Auffrischung aus den RDA:
Die Idee eines Autors (Werk) findet zum Beispiel als Roman ihre Form (Expression) und erscheint als gebundenes Buch (Manifestation) in einer bestimmten Anzahl von Exemplaren (Exemplar).
Eine vielleicht spätere Taschenbuchausgabe wäre eine weitere Manifestation des Werkes, eine Hörbuchausgabe eine weitere Expression und Manifestation des Werkes.
Aber kommen wir zurück zu Benedict Wells‘ Buch über das Schreiben: Was sagt der Autor über den auslösenden Funken für das Schreiben eines Werkes?
„Kunst besteht aus Notwendigkeit. Ich glaube, alle Geschichten haben einen starken ersten Impuls, egal, wie sehr sich das Buch später wandelt. Es kann eine gute oder eine ohnmächtige Erfahrung sein, aus der ein Roman erwächst, Wut auf die Gesellschaft oder erlittene Ungerechtigkeit. Es kann ein bestimmtes Gefühl, ein Bild oder ein anderer Mensch sein, eine Beobachtung …“
Ist ein Buch geschrieben, das Werk vorerst vollendet, steht die Suche nach einem geeigneten Verlag bevor.
Autorenverlag
„Nur bei einem Verlag bewarb ich mich nie: bei Diogenes. Seit meiner Begeisterung für John Irvings Bücher war es mein Lieblingsverlag, von überall konnte ich eine Absage verkraften, aber nicht von dort. Die weißen Cover hatten für mich eine fast mythische Aura. So viele Lieblingsautoren von mir wurden bei Diogenes veröffentlicht: Carson McCullers, deren Geschichten ich liebte, F. Scott Fitzgerald, den ich bewunderte, der scharfsinnige Ian McEwan und, seit Kurzem, Joey Goebel. In einer Rezension zu seinem deutschen Debut Vincent […] war beschrieben worden, wie liebevoll der Verlag sich um ihn kümmerte und in seinen heiligen Hallen willkommen geheißen hatte. Ich las den Text so, wie ein Waisenjunge durchs Fenster eine Familie betrachtet, die drinnen um einen Festtagsbraten sitzt.“
So beschreibt Benedict Wells sich selbst als jungen Autor mit einem scheinbar unerreichbaren Ziel. Doch manche Träume werden eben doch wahr.
Der Schweizer Verlag Diogenes gilt als ein Verlag, der „Hausautor*innen“ verlegt – als ein Verlag, der ein beeindruckendes Belletristik-Programm hat, liegt sein Focus vor allem auf Romanen und Erzählungen. Dabei bedeutet ihm, wie es der Verlag selbst formuliert, die Beziehung zu seinen Autor*innen viel und die enge, langjährige Zusammenarbeit schätzt er sehr: „Das Vertrauen und der gegenseitige Respekt, den wir einander entgegenbringen, ist für den Verlag essentiell. Unter diesem Aspekt betrachtet, kann man den Diogenes-Verlag auch als Autoren-Verlag betrachten.“
Autoren-Verlag bedeutet hier nicht, dass die Verlagsleitung aus Autor*innen besteht, sondern dass es ein enges professionelles Band zwischen dem Verlag und seinen Autor*innen gibt, das in oft jahrzehntelanger beiderseitiger Treue besteht.
Die Werkebene: Vom Funken zum Feuer
Nun fragten wir uns natürlich, wie die Werkebene, also die Idee oder der „Funke“, der das Feuer einer neuen Geschichte entfacht, in der Praxis funktioniert. Berichtet ein*e Autor*in dem Verlag von seiner oder ihrer Idee? Oder macht der Verlag, besonders, wenn er mit seinen Autor*innen vertraut ist, Vorschläge für ein neues Buch? Bei Diogenes ist dies „von Autor*in zu Autor*in unterschiedlich. Manche unterbreiten uns ihre Vorschläge, die mit dem/der zuständigen Lektor*in diskutiert werden und es wird ein Editionsplan erstellt. Es gibt Autor*innen, die lieber keine Fremdinspiration annehmen und bei denen die Idee und der Handlungsverlauf der Geschichte voll und ganz von ihnen selbst kommen soll. Bei anderen, wie bei manchen Sachbuchautoren, kann das auch anders aussehen.“
Die Expressionsebene: Der Verlag erhält das Manuskript
Wie funktioniert die RDA-Expressionsebene zwischen Verlag und Autor*in? Auf dieser Ebene geht es um die konkrete Arbeit an einem Manuskript, den Prozess des Schreibens eines Erstentwurfs in allen seinen Bearbeitungen, als handschriftliche Notizen, neue Dateien. Legt der Autor oder die Autorin dem Verlag die Arbeitsergebnisse dem Lektorat vor, in zeitlichen Abständen während des Bearbeitungsprozesses peu à peu – oder voilà, in einem Gesamttext?
Und wenn das Inhaltliche eine publikationsreife Form angenommen hat, gibt es anschließend ein Korrektorat oder ist dieses bereits davor ein Teil des Prozesses?
„Das“, so erklärt uns der Verlag, „ist ebenfalls recht individuell. Von manchen Autor*innen wird die Grundidee kommuniziert, und wir erhalten das elektronische Manuskript, wenn es aus der Sicht der Autor*innen bereit ist, von den Lektor*innen gelesen zu werden.“ Naturgemäß haben Lektor*innen einen engen Kontakt zu den Autor*innen und tauschen einander regelmäßig aus. Der Bearbeitungszeitraum kann beispielsweise 6 bis 12 Monate dauern, doch auch dies ist individuell und oft nicht ganz vorhersehbar. „In bestimmten Abständen und nach einzelnen Bearbeitungsphasen erhalten die Lektor*innen das Manuskript zurück zur Lektüre. Es gibt bei uns auch immer ein Korrektorat, bevor das Werk publiziert wird. Dafür wird das Manuskript als erste Fahne direkt an mehrere Korrektor*innen geschickt, damit kein Fehler unentdeckt bleibt.“
Was aufmerksame Leser*innen zu schätzen wissen, da Schreibfehler den harmonischen Lesefluss empfindlich stören!
In dieser Ebene schreibt Benedict Wells einiges über Gefühle: „In einem Roman stehen die Gefühle der Figuren im Vordergrund, aber in Wahrheit geht es um die, die man beim Schreiben selbst hat – und um die, die man in den Leser*innen hervorrufen möchte. Die Charaktere sind die Boten. Sie erwecken die Geschichte zum Leben und sorgen dafür, dass man weiterblättert, aus Versehen eine Haltestelle zu weit fährt und auch nach dem Lesen an die Geschichte denkt. Denn so, wie unsere stärksten Erinnerungen meist mit anderen Menschen zusammenhängen, geschieht das Gleiche in einem Roman.“
Dass das Bearbeiten, Überarbeiten, erneute Anvisieren und wieder Bearbeiten für die Autor*innen und ihre Lektor*innen mit einer gewissen Anstrengung verbunden ist, von der man als Leser*in im günstigsten Fall nichts bemerkt, belegt der Ausspruch des amerikanischen Dichters Robert Frost: „No tears in the writer, no tears in the reader“.
Außerdem sollte man als Autor*in die Zeit und Aufmerksamkeit, ja, den Respekt aufbringen, seinen Charakteren zuzuhören:
„Es gibt bei meinen ersten drei Romanen einiges, mit dem ich heute hadere, doch vor allem stört mich, dass ich mich nicht für alle Figuren gleichermaßen interessierte. Ich hatte damals beim Schreiben mit so vielen Problemen zu kämpfen, dass ich mir für manche Charaktere nicht genug Zeit nahm, ihnen kaum zuhörte, sie nur oberflächlich gestaltete. Und wenn wir uns selbst nicht für eine Figur begeistern, dann ist die Wahrscheinlichkeit verdammt hoch, dass sie die Leser*innen erst recht kaltlässt. Das mag banal klingen, doch ich brauchte Jahre, bis ich es verstand. Danach fing ich an, meine Bücher anders zu schreiben.
Wir müssen unsere Figuren nicht mögen, aber verstehen. Am besten sollten wir ihre Gefühle nicht nur behaupten, sondern sie beim Schreiben selbst durchleben. Auf diese Weise kann eine Geschichte auch dann wahrhaftig werden, wenn sie fiktiv ist: Alles erfunden, aber alles empfunden.“
An anderer Stelle zieht Benedict Wells einen Vergleich zwischen seinem Schreiben und dem Bau eines Autos.
„Ein simples, aber vielleicht hilfreiches Bild meiner Vorgehensweise ist der Bau eines Autos. Zunächst kümmere ich mich noch allein um Karosserie und Motor, also um das Gerüst der Handlung, Figuren, Schlüsselszenen, Dialoge und die Wahl der passenden Sprache. Ist der Wagen dann nach einem halben Jahr oder Jahr fahrtüchtig, schicke ich ihn auf die Teststrecke und gebe diese Rohfassung zum ersten Mal jemandem zum Lesen. Mit dem Feedback geht es zurück in die Garage, zum Tunen: Schrauben nachziehen, Teile austauschen, neue Szenen einbauen, Verdichten. Anfangs werfe ich dabei oft ganze Figuren raus oder schreibe das Manuskript radikal um. Dann nächste Testfahrt, nächstes Feedback. Das geht so lange, bis das Auto nach mehreren Fassungen reibungslos seine Runden dreht. Anschließend kommt der Lack: die Details und sprachliche Feinheiten. Und am meisten Spaß macht wie immer das Polieren am Ende.“
Und wer ist verantwortlich für das Feedback?
„Meine besten Mechaniker*innen sind meine strenge Lektorin, mein unbestechlicher Agent, mein kritischer alter Deutschlehrer, der aus Berufsgründen gar nicht anders kann, als fiese Kommentare an den Rand zu kritzeln. Ein festes Team aus fünf, sechs Leuten, deren Meinung mir beim Schreiben extrem wichtig ist. Später suche ich mir dann oft noch weitere Testleser*innen, die die Geschichte nicht kennen und auch nichts mit dem Literaturbetrieb zu tun haben.“
Die Manifestationsebene: Ein Buch entsteht
Ist der arbeitsreiche und oft nervenaufreibende Prozess der Manuskripterstellung abgeschlossen, beginnt der Herstellungsprozess des Buches.
Doch wie wird aus einem Manuskript ein echtes Buch? Wer plant, wer entscheidet über die Auswahl des Papiers, die Schriftart, Farbe und Material des Einbandes, seine Umschlaggestaltung und Illustration?
Wir fragten beim Diogenes-Verlag nach seiner Vorgehensweise an:
„Bevor ein Manuskript gedruckt werden kann, wird es von den Hersteller*innen ‚in den Satz‘ gegeben. Das bedeutet, dass es in eine druckreife Form gebracht wird. Hier geht es auch um das Layout, die Schriftart, Zeilenabstände und Absätze und andere typografischen Elemente. Ein Manuskript durchläuft mehrere Satzläufe. Die oder der zuständige Lektor*in gibt Rückmeldung, welche Korrekturen nötig sind. Diese werden dann in der Herstellungsabteilung umgesetzt. Das geschieht wiederholt, das Buch wandert vom Lektorat zur Herstellung und wieder zurück, bis es zum Druck freigegeben werden kann.
Wir haben bestimmte einheitliche Vorgaben, wie beispielsweise unsere Hausschrift, und andere Elemente, die variieren und unter anderem vom Ausgabetyp abhängig sind. So gibt es beispielsweise Hardcover, Paperback, Taschenbücher und verschiedene Sonderausgaben, die sich im Format und Material unterscheiden. Die Lektorats-Abteilung und die Autor*innen haben ein Mitspracherecht, wenn es beispielsweise um die Coverauswahl geht – der Entscheid zur konkreten Gestaltung und Umsetzung liegt dann bei der Herstellungsabteilung und dem Verleger.“
Am Ende dieses Prozesses steht die fertige Manifestation – das Buch, das nun in einer kalkulierten Anzahl von Exemplaren für die erwartungsvollen und vorfreudigen Leser*innen gedruckt wird!

Die Exemplarebene: Das Buch ist da!
Auf der Exemplarebene von RDA erblickt das Buch in seiner festgelegten Auflagenhöhe endlich das Licht der Welt. Uns interessiert dabei, wie und von wem diese Auflagenhöhe kalkuliert und wie der Zeitpunkt der Publikation und die Auslieferung an den Buchhandel/Onlinebuchhandel ermittelt wird. Und, besonders wichtig für alle Leser*innen, die „ihre“ Schriftsteller*innen gerne live erleben möchten – wer organisiert die Lesereisen?
Diogenes informiert uns, dass die Auflagenhöhe „von verschiedenen Faktoren abhängt. Beispielsweise wird bei neuen Titeln intern eingeschätzt, worauf der Schwerpunkt gelegt werden soll. Bei Vertreterkonferenzen wird das neue Programm vorgestellt und der erste Leseeindruck kommuniziert. Aus der Einschätzung von Lektorat, Vertrieb und Marketing wird klar, welche Bücher im neuen Programm die Schwerpunkttitel sind“.
Danach wird entschieden, wie das Buch beworben wird und welche Marketingmaßnahmen geplant sind. Wichtig sind dabei natürlich Pressemitteilungen. „Es ist also ein Zusammenspiel verschiedener Stimmen aus den Verlagsabteilungen, die berücksichtigt werden müssen.“
Außerdem liefert die Anzahl der Vormerkungen für ein Buch wertvolle Hinweise, wie viel Interesse beim Buchhandel besteht. Bei Nachauflagen schaut man die Zahlen der vorherigen Auflage an: Wie viel und wie schnell wurde abverkauft, wie viel ist noch im Umlauf, wie ist die Remissionsquote? Aufgrund dieser Daten wird vom Vertrieb und der Herstellungsabteilung ermittelt, wie viel gedruckt bzw. nachgedruckt werden soll.“
Nach all der Arbeit und den Zahlenspielen ist es Zeit für eines der schönsten Dinge rund um ein Buch: Lesungen, die zum Lesen einladen!
Von Diogenes erfahren wir: „Für die Organisation von Lesungen ist unsere Eventabteilung zuständig. Wenn das Programm steht, werden bei der Planung insbesondere Schwerpunkttitel und Autor*innen berücksichtigt, für die ein erhöhtes Interesse besteht. Neben Anfragen von Veranstaltern nimmt auch der Verlag selbst aktiv Kontakt zu Literaturhäusern auf, um Lesungen anzustoßen. Oft kommen Autor*innen auf uns zu und äußern Wünsche und Ideen für Lesereisen. Dabei wird auf Fairness und Gerechtigkeit geachtet, damit alle Autor*innen gleichermaßen die Möglichkeit erhalten, ihre Bücher im Rahmen von Veranstaltungen zu präsentieren. Die Aufgabe der Eventabteilung besteht dann darin, die Kommunikation zwischen Autor*in und Veranstaltern zu koordinieren und Termine und Reisen zu organisieren.“
Denn auch das macht einen guten Autorenverlag aus – das Buch rundum ganzheitlich zu betreuen und eine vertrauensvolle Beziehung zu seine*n geistige*n Schöpfer*innen aufzubauen.
Lassen wir noch einmal Benedict Wells zu Wort kommen, auf unsere Frage nach dem, was einen Autorenverlag ausmacht:
«Ich kann nur von meiner Seite sagen, dass ich Diogenes wirklich als echten Autorenverlag kennengelernt habe. Heißt: Am Anfang hielt ich mich mit vielem noch zurück oder stimmte zu, musste als junger Autor erst in alles hineinwachsen. Später begriff ich, dass ich auch riesige Freiheiten habe, wenn ich es nur möchte. Etwa, ein lose angekündigtes Buch noch mal um ein ganzes Jahr zu verschieben, um daran zu feilen, oder den Klappentext selbst zu machen, beim Cover mit auszuwählen, etc.
Es war zum Beispiel auch völlig okay, wenn ich im Jahr 2012 oder 2013 nach einem ersten kleinen Erfolg mit „Fast genial“ – und auf den Wunsch des Verlags, schnell nachzulegen -, sagte: ‘Tut mir leid, aber das nächste Buch wird noch viele Jahre brauchen, vielleicht zwei, vielleicht auch drei.’
So etwas wurde immer akzeptiert und dann auch kein Druck mehr gemacht, und das fand ich toll.
Das gleiche jetzt. Ich spüre vom Verlag jedes Mal eine wahnsinnige Freiheit und Freude, an den Geschichten zu feilen. Ich arbeite ja auch ganz unorthodox, im Sinne von: Meine Lektorin kriegt ein Manuskript teils Jahre, bevor es der Verlag sieht. Und genauso frage ich dann manchmal im späteren Verlauf noch weitere Diogenes-Lektorinnen und Lektoren, ob sie es lesen wollen. Deren Feedback diskutiere ich dann wiederum eng mit meiner Lektorin, die immer an Bord ist. Alles aus der Idee heraus, möglichst verschiedene frische Blicke in den Prozess zu bekommen und sich immer wieder mit neuer Kritik auseinanderzusetzen – man selber spürt ja, was davon einen berührt und wo man instinktiv trotzdem an seinem Text festhält.
Aber meine große Vertraute ist in all diesen Jahren immer Ursula Baumhauer, zusammen mit meinem Agenten Thomas Hölzl. Ohne die beiden und ihre ehrliche Meinung und Unterstützung hätte ich diesen Weg so nie gehen können».
Der französische Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry sagte über das Überarbeiten: «Ein Text ist nicht dann vollkommen, wenn man nichts mehr hinzufügen, sondern nichts mehr weglassen kann».
Diese beeindruckende Sorgfalt und Liebe zum Text ist in unseren Augen das, was einen Text zu einem Lesevergnügen macht, den wir als Bibliothekar*innen gerne erschließen und als Leser*innen lesen und in unseren heimischen Bücherregalen aufbewahren für ein Wieder-lesen.

Bild: GND-Explorer
Wir danken Susanne Bühler, Vanessa Ryser und Lina Herwig und ganz besonders Benedict Wells herzlich für die wunderbare Zusammenarbeit!

Petra Kuhlemann & Elke Jost-Zell
Petra Kuhlemann und Elke Jost-Zell sind als Bibliothekarinnen und Autorinnenteam für die Deutsche Nationalbibliothek tätig






