Erklärvideos in universellem Design

2. Mai 2022
von Nathalie Küchler und Kerstin Meinel

Mit Erklärvideos lassen sich komplexe Sachverhalte anschaulich vermitteln und Abläufe visualisieren. Die DNB erklärt zum Beispiel die zweistufige Benutzungsregistrierung in Bewegtbild. Das Besondere daran: Bei der Produktion wurde Wert auf universelles Design gelegt.

Vorschau-Bild für ein Erklärvideo der Deutschenn Nationalbibliothek. Das Bild ist im Icon-Stil gehalten und zeigt einen Benutzungsausweis, einen Lesesaal-Arbeitsplatz und verschiedene Medientypen. Unterhalb des Bildes ist der Text eingebettet "Registrierung und Freischaltung für den Lesesaal"
Vorschau-Bild „Registrierung und Freischaltung für den Lesesaal“, Bild: Sven Knauth 2022

Design für alle in jeder Situation

Universelles Design steht für einen Paradigmenwechsel in der Barrierefreiheit. Es beschränkt sich nicht darauf, Produkte mithilfe von Zusatzfunktionen barrierefrei zu machen. Stattdessen bringt es flexible Designobjekte hervor, die für vielfältige Gebrauchsweisen offen sind. Denn wenn Barrieren gar nicht erst entstehen, müssen sie nicht überwunden werden.

Universelles Design geht von zwei Annahmen aus: Die Zielgruppe ist divers und will ein Produkt in unterschiedlichen Situationen nutzen. Das trägt einer weitreichenden Erkenntnis Rechnung: Behinderung ist weniger die Eigenschaft einer Person, als ein Kennzeichen ihrer Umgebung.

Am Beispiel von Erklärvideos für Bibliotheken ist das gut nachvollziehbar. In den Lesesälen gibt es Stillarbeitsbereiche, in denen kein Ton abgespielt werden kann. Für die Videoproduktion macht es nun wenig Unterschied, ob die Zielgruppe(n) aufgrund ihrer sensorischen Fähigkeiten keinen Ton wahrnehmen können oder aufgrund der äußeren Bedingungen. Wichtig ist dagegen, dass das Video eine Lösung zur stillen Wiedergabe bietet.

Nachteilige Umstände behindern uns. Unflexible Gebrauchsvorgaben schränken uns ein. Im Umkehrschluss: Von flexiblen Produkten profitieren alle.

Wie barrierefrei sind Videos?

Videos wirken multisensorisch, sie sprechen mehrere Sinne gleichzeitig an (video, lat. „ich sehe“). Das macht den Reiz dieses Mediums aus, ist hinsichtlich der Barrierefreiheit allerdings nicht ideal.

Gleichzeitig bietet das Filmgenre der Erklärvideos besonders viele Möglichkeiten, die Zugänglichkeit zu verbessern. Empfehlungen und Kriterien für barrierefreie Videos sind zum Beispiel auf der Website der Aktion Mensch zu finden. Wir hatten außerdem Unterstützung von einem erfahrenen Produktionsstudio.


Folgende Merkmale für universelles Designs wurden im Registrierungsvideo umgesetzt:

  • Eine ruhige Sprechgeschwindigkeit und ebensolche Bildwechsel erleichtern es, den Inhalten zu folgen.
  • Im Animationsstil wird die Bild-Information aufs Wesentliche reduziert; auch eingebundene Screenshots wurden entsprechend nachbearbeitet.
  • Der Sprechtext ist im Bild verschriftlicht.
  • Englische Untertitel sind optional zu- und abschaltbar.
  • Sowohl die Einbindung des Videos auf der Website als auch der Player entsprechen den Anforderungen zur Barrierefreiheit.

Eine universelle Lösung?

Die Anforderungen an ein universell designtes Produkt sind so vielfältig wie die Zielgruppen. Beide sind schwer eingrenzbar und verändern sich ständig. Auch unser Video lässt sich weiter optimieren – zum Beispiel durch eine Übersetzung in weitere Sprachen, insbesondere Gebärdensprache(n). Auch auf eine ursprünglich geplante Audio-Deskription, das heißt eine gesprochene Beschreibung der Bildinhalte, musste verzichtet werden. Da der Sprechtext bereits die gesamte Abspielzeit des Videos einnimmt, ist es praktikabler, die Erklärungen in Textform für die Ausgabe per Screenreader oder als gesonderte Aufnahme zu erstellen.

Weitere Folge-Produktionen sind daher schon in Planung. Dabei werden wir weiter an dem Anspruch arbeiten, ein universelles Video-Design zu erreichen – auch mithilfe des Feedbacks unserer Benutzer*innen.

*Nachweis Beitragsbild auf der Startseite:Bild: Sven Knauth 2022

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  • ISSN 2751-3238