Formen des Protests

2. Oktober 2025
von Christine Hartmann / Hendrik Heinicke

Mit „Formen des Protests“ hat Hendrik Heinicke (Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, HGB) seine Abschlussarbeit als Meisterschüler im Deutschen Buch- und Schriftmuseum vorgestellt. Die Arbeiten sind bis Mitte Oktober in der Dauerausstellung „Zeichen – Bücher – Netze“ zu sehen.

Plakate des Projektes von Hendrik Heinicke, Foto: Philipp Milosevic

Zweifache Premiere

Am 24. September 2025 fand im Deutschen Buch- und Schriftmuseum eine doppelte Premiere statt: Der HGB-Meisterschüler Hendrik Heinicke präsentierte erstmals sein Projekt „Formen des Protests“ in der Öffentlichkeit. Zugleich war es seine Abschlussprüfung zum Meisterschüler an der Leipziger Kunsthochschule. Erstmalig fand eine solch besondere Prüfung im Deutschen Buch- und Schriftmuseum statt. In unmittelbarer Nähe zu den Modulen Schriftgestaltung und Buchdruck war (und ist) eine Präsentation mit Plakaten zu sehen – gedruckt mit eigens entworfenen und durch eine CNC-Fräse umgesetzten Holzbuchstaben. Eine Presse aus der Kulturhistorischen Museums-Sammlung wurde für die Vorstellung der Arbeit reaktiviert und wird mit einem Satzbeispiel der Schrift als Teil der Ausstellung gezeigt. Die Präsentation mit einer Auswahl von Plakaten ist bis Mitte Oktober als Intervention in der Dauerausstellung des Museums zu sehen.

Das Projekt

Mit jedem Protest treten neue Zeichen und Bedeutungen in Erscheinung – sichtbar auf Plakaten in den Straßen, hörbar als Parolen der Menge, verschriftlicht oder im Internet geteilt. „Formen des Protests“ nähert sich verschiedenen Perspektiven von Protest und betrachtet die Kraft des gedruckten Wortes in seinen unterschiedlichen Ausdrucksformen. Die Werkstatt wird hier als Ort händischen Denkens, des Austauschs und der Revolte verstanden. „Formen des Protests“ untersucht Druckerzeugnisse wie das Plakat als beständiges Medium inhaltlicher Auseinandersetzung und des Wissenstransfers. Es vermittelt in seiner Gestalt und Materialität die Gedanken seiner Gegenwart und kann bis heute als wichtiges Mittel von Empowerment und gesellschaftlicher Teilhabe verstanden werden.

Protest Mono

Die Schrift „Protest Mono“ wurde für das Projekt in den Grafischen Werkstätten der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig entwickelt. Sie ist in Birnbaumholz als druckbare Type umgesetzt und spiegelt in ihrer Formsprache diverse Einflüsse wider. Die Varietät ihrer Ästhetik soll Inspiration und Anregung zur freien Anwendung geben. Sie bietet Raum für eine vielfältige und persönliche Auseinandersetzung. Runde Punzen und gekehlte Anstriche verweisen auf den Prozess ihrer technischen Realisierung durch eine CNC-Fräse der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig.

Wie kann der Buchdruck auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen reagieren? Die offene Natur der Schrift ermöglicht die Unmittelbarkeit eigener Stellungnahme. Als Monospace-Schrift hat jeder Buchstabe dieselbe Breite, was die schnelle Vorbereitung und Zusammensetzung von Druckformen erleichtert. Themen wie Demokratisierungsprozesse und Widerstand gegenüber Machtstrukturen bilden die thematische Grundlage für eine erste Auseinandersetzung mit den entstandenen Werkzeugen.

Foto: Maria Calzolari

Toolkit für den Protest

Die Zukunftsaussicht des Projektes sieht die entstandene Schrift „Protest Mono“ als ein reisendes Toolkit zur Realisierung partizipativer Workshop-Formate mit Menschen aller Altersgruppen und Hintergründe. Neben der Vermittlung der Buchdruck-Technik ermöglicht das Projekt, unterschiedlichen Formen von Protest Raum zu geben — und zu erproben, wie diese gestaltet und im öffentlichen Raum positioniert werden können.

Herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Prüfung und vielen Dank für die Arbeiten, die im Museum der Öffentlichkeit präsentiert werden dürfen!

Diese Präsentation ist eine Veranstaltung im Rahmen des Themenjahres 2025 „Mehr als eine Geschichte. Buchstadt Leipzig“

*Nachweis Beitragsbild auf der Startseite:Maria Calzolari

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