Zwischen den Regalen – Beatrix Kramlovsky
Beatrix Kramlovsky ist Schriftstellerin, Literaturwissenschaftlerin und eine Künstlerin, die mit Feder, Pinsel, Stift, Papier und Leinwand arbeitet. Als Weltreisende mit Wurzeln in Felix Austria ist sie überall zuhause, und besonders gern in Bücherwelten.
Wie die Hauptfigur Joni in ihrem Roman Frau in den Wellen, 2022 im Hanser-Verlag erschienen, lebte sie von 1987-1991 in Ostberlin. Als professionelle und passionierte Bibliotheksnutzerin besucht sie die Lesesäle der Österreichischen Nationalbibliothek, ÖNB. In ihrer DDR-Zeit lernte sie auch die Leipziger Bibliotheken kennen und beschreibt, wie sie diese damals erlebte.
In unserem Interview spricht Beatrix Kramlovsky über Bücher, die Recherche in Bibliotheken und die faszinierende Nachbarschaft ihres Buches im Magazin der Deutschen Nationalbibliothek.

Foto: Leonhard Hilzensauer
Bitte stellen Sie sich uns kurz vor
Ich heiße Beatrix Kramlovsky, wohne nun im Norden Wiens und bin glühende Europäerin österreichischen Ursprungs. 1973 fing ich neben dem Sprachenstudium mit Publikationen von Short Stories und Essays an, ein Schreibtisch (mit Blick hinaus in den Burggarten) im großen Lesesaal der österreichischen Nationalbibliothek in Wien war mein geliebter Studienplatz. Für jeden erledigten Pflichttitel meiner Lektüre belohnte ich mich mit mindestens zwei Büchern aus fachfremden Gebieten. In der Kantine im Keller saß immer wer, den ich kannte und der mich auf einen Kaffee oder ein Kipferl einlud. Ich war auch auf der Uni, aber in der NB täglich zumindest drei Stunden im Lesesaal.
Die Leipziger Bibliotheken lernte ich später kennen, als ich mit meiner Familie aus Berufsgründen vier Jahre in Ostberlin wohnte. Das erste Mal war ich 1988 mit einem Dresdener Freund in einer der großen wissenschaftlichen Bibliotheken, da hatte ich schon ein Jahr DDR intus und war über die Wasserkübel in den Gängen und Räumen nicht mehr schockiert. Das Dach war nicht dicht, Fenster schlossen nicht, in einem Hof lagerte die Kohle für den nächsten Winter, und die Außenwände waren mit braunem Staub und Ruß bedeckt. Ich durfte lange schmökern und Geschichten besonderer Art wurden mit mir dort geteilt. Jahre später kam ich wieder nach Leipzig, in die restaurierten Häuser und verdanke ihnen weiteres Wissen und Menschen, die zu Freunden wurden.
Woran arbeiten Sie gerade und benutzen Sie dafür eine Bibliothek?
Ich bin gerade dabei, ein Romanskript das letzte Mal zu überarbeiten, das Thema ist Freundschaft, und zwar Jahrzehnte lange. Ich brauche noch Details aus verschiedenen Jahren in bestimmten Kontexten und das geht wunderbar im großen Lesesaal der ÖNB (ich schau immer noch gern hinaus in den Burggarten) Da es in diesem Roman am Rand auch um die Balkankriege geht, brauche ich die ÖNB für Faktenchecks und um Literatur der betroffenen Kolleg*innen vor Ort zu finden. Das ist für mich ein notwendiges Eintauchen in ein Buchthema: ich beschäftige mich mit der Gegenwartslyrik des Landes und das führt mich immer zu völlig neuen Fragestellungen während der Recherchezeit.
Wovon handelt das Buch, das wir im Magazin der Deutschen Nationalbibliothek für Sie fotografiert haben?

Foto: Elke Jost-Zell, DNB
„Frau in den Wellen“ war mein dritter Roman beim Hanser Verlag und ich wollte ihn in der Gegenwart ansiedeln, mit einer starken Heldin, die sich durchsetzt und es schafft, das auch mit einer Familie erfolgreich hinzukriegen, selbst in einer Krise (sie wird gemobbt). Es ging mir um Darstellung von männlichen und weiblichen „Regeln“ und „Verbote“ im westlichen Raum und darum, dass ohne echte Freundschaften alles zerbricht.
Da konnte ich auf mein weltweites Freundesnetz zurückgreifen, das meine persönlichen Eindrücke von diversen Städten und Orten überprüft. Nicht alle von ihnen schreiben, aber alle sind viel lesende Bücherfreaks.
Wie schätzen Sie die nachbarschaftlichen Verhältnisse der Bücher im Magazin der DNB zu Ihrem Werk ein?

Foto: Elke Jost-Zell, DNB
Spannend und ziemlich witzig. Denn sofort stellte ich mir Joni vor, meine Buchheldin, mit Thomas Mann und wusste, dass sie sich mit seiner Frau Katharina Pringsheim befreundet hätte, was für ihn vielleicht beunruhigend gewesen wäre. Ich finde auch lustig, dass Spuren von uns Autorinnen und Autoren in diesen Regalen Teil des Ganzen sind, – und das dann auch noch Genres übergreifend! Das amüsiert mich sehr. Täuschungsspiele und Extraordinary Forms of Aging gleiten in Romane, nehmen Einfluss und stellen dann vielleicht noch allerhand mit den Angestellten der DNB an, sobald sie in die Hände genommen werden. Könnte ich doch eine Maus dort sein und das alles live verfolgen!







Es war ein Vergnügen, mit euch zu plaudern und einen weiteren Einblick in die Welt der BibliothekarInnen zu bekommen!