Hokuspokus …

31. Oktober 2026
von Elke Jost-Zell & Valina Schauberger

… Zauberhaftes in der GND

Hexen – huh. Was fällt uns ein, wenn wir das Wort hören? Zauberei, Weissagung, Märchen wie Hänsel und Gretel, jahrhundertelange Verfolgung und Verbrennung von Frauen (und auch Männern), verstärkt seit dem ausgehenden Mittelalter bis in unsere Zeit, spitze schwarze Hüte, die orakelnden Schwestern in Macbeth, weise Frauen mit Kräuterwissen, auf dem Brocken tanzende, besenschwingende Unholde in Faust, Tarot-Karten, Zaunreiterinnen, zauberhafte Schwestern … Literatur, Geschichte, Kunst, Film und Musik haben das Thema immer wieder aufgegriffen und neu interpretiert. Von den Brüdern Grimm, Goethe und Shakespeare zu Deborah Harkness, Kinderbüchern wie Die kleine Hexe von Otfried Preußler, Zwei kleine Hexen von Cornelia Funke oder der Bibi Blocksberg-Reihe bis zu Romantasy – man kann sich leicht vorstellen, welche Fülle von Medienwerken dies zur Folge hat.

Schauen Sie mit einer einfachen Schlagwortsuche in den Katalog der Deutschen Nationalbibliothek – Sie finden über 5600 Titel!

„Verhextes“ entdecken in der Sammlung der DNB
Foto: Elke Jost-Zell & Valina Schauberger, DNB

Heute schwingen wir den Zauberstab und präsentieren Ihnen einen Ausschnitt unserer Facharbeit, der sich mit Hexerei als Berufsbezeichnung bzw. Tätigkeit beschäftigt. Ja, Sie haben richtig gelesen. Und dies kommt so:

Betreut man als Redakteur*in eine Normdatenentität (für Personen, Sachbegriffe, Geografika, Körperschaften, Konferenzen und Werke) der Gemeinsamen Normdatei, GND, kann man sich immer auf Überraschungen freuen. So bearbeiten Sie ein Buch, das eine Person geschrieben hat, die sich als Hexe bezeichnet. Oder eines, das die Geschichte einer Hexe erzählt. In beiden Fällen benötigen wir einen Datensatz für die Person, die als Autor*in auftritt oder Gegenstand/Thema eines Medienwerks (Bücher, Zeitschriften, E-Books, Karten, Musikalien) z.B. einer Biografie ist. Wenn Sie Glück haben, ist er schon im Katalog vorhanden, wenn nicht, müssen Sie tätig werden und einen kreieren. Diese Personendatensätze verknüpfen wir mit den Titeldatensätzen der Medienwerke, damit Sie als Nutzer*innen professionell in unserem Katalog recherchieren und Literatur entdecken können.

Die Visualisierung des Schlagwortes "Hexe" mit ihren Relationen im GND-Explorer
Die Visualisierung des Schlagwortes „Hexe“ mit ihren Relationen im GND-Explorer
Foto: GND

Ein wichtiger Bestandteil eines Personendatensatzes ist die Erfassung eines Berufs oder einer Tätigkeit. Warum tun wir das? Eine so riesige Datei wie die GND beinhaltet unter Umständen gleichlautende Namen für mehrere Personen. Es gibt bspw. über 300 verschiedene Datensätze für Personen namens Thomas Müller. Wir möchten die einzelnen Müllers natürlich eindeutig und schnell identifizieren, damit wir nicht versehentlich Bücher des Psychoanalytikers oder des Juristen mit dem Datensatz des Fußballspielers verknüpfen und so falsche Datensets erzeugen. Es ist also für uns als Redakteur*innen wichtig, den korrekten Datensatz mit den entsprechenden Titeldaten für Bücher etc. zu verlinken, damit Sie als Nutzer die gesuchten Medienwerke präzise finden.

Zwei Sachbücher über Hexenverfolgungen und eine Plüschspinne
Sachliteratur über Hexenverfolgung
Foto: Elke Jost-Zell & Valina Schauberger, DNB

Wie gehen wir nun fachlich vor, wenn wir es mit einem Buch über oder von einer Hexe zu tun haben? Wichtig ist hier die Differenzierung, ob es sich dabei um ein Verfolgungsopfer handelt, eine praktizierende Person mit einer magischen Praxis oder eine fiktive Gestalt. Für den Datensatz des unglücklichen Opfers einer Hexenverfolgung würden wir den in diesem Fall wertenden Sachbegriff „Hexe“ nicht verwenden, sondern die Schlagwörter „Weibliche Angeklagte“ in Kombination mit „Hexenprozess“. Für eine Person, die sich in ihrem Buch selbst als Hexe bezeichnet und dies als Berufsbezeichnung versteht, vergeben wir die Berufsbezeichnung „Hexe“. Und ebenso für eine fiktive Hexe, zum Beispiel eine literarische Figur wie Elphaba, The Wicked Witch of the West, eine Figur aus Der Zauberer von Oz.

Zwei Bücher über Hexen und Hexenkunst und ein kleiner Besen aus Salbeiblättern
Hexerei in Handwerk und Kunst
Foto: Elke Jost-Zell & Valina Schauberger, DNB

Eine ähnlich turbulente Auswahl an Personensätzen finden Sie, wenn Sie mit den Schlagwörtern „Magier“ und „Zauberin“ in der GND suchen. Auch hier finden Sie historische, zeitgenössische und fiktive Personen – Krabat, die Hauptfigur aus Otfried Preußlers gleichnamigem Jugendbuch ebenso wie J.K. Rowlings Zauberer Harry Potter, das Zauberkünstlerduo Siegfried und Roy unter ihren bürgerlichen Namen Siegfried Fischbacher und Roy Uwe Ludwig Horn, den im 16. Jahrhundert lebenden Alchemisten und Magier John Dee … und viele andere.

Zwei Bücher über Zaubersprüche und Geschichten für Kinder
Zaubersprüche und Hexengeschichten für Groß und Klein
Foto: Elke Jost-Zell & Valina Schauberger, DNB

Die Erfassung auch schwieriger Tätigkeitsbezeichnungen ist ergo kein Hexenwerk für die GND-Redaktion, wenn man mit Fingerspitzengefühl („… by the pricking of my thumbs … schrieb schon Shakespeare) und Augenmaß vorgeht. Schließlich möchten wir nicht, dass es uns wie dem armen Erzähler in Roald Dahls Jugendbuch Hexen hexen ergeht, und wir nach einer Verzauberung durch garstige Hexenwesen als winzige Mäuschen durch die Magazine unserer schönen Nationalbibliothek wuseln müssen … Denn heute, an Halloween, ist Gruselzeit und der Schleier zur Anderswelt dünn oder gar nicht mehr da. Also Zeit, Lana del Reys Version von Donovans Season of the Witch zu lauschen und dabei an Midnight Margaritas zu nippen … Happy Witchy Woo!

Schild mit der Aufschrift Happy Halloween, ein Kürbis und eine Plüschspinne
Ein fröhliches „Happy Halloween“ aus dem Zaubergarten der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt!
Foto: Elke Jost-Zell, DNB

*Nachweis Beitragsbild auf der Startseite:Elke Jost-Zell, DNB

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  • ISSN 2751-3238