Kleines Format, großer Erfolg
DFG bewilligt Forschungsgruppe zum Heftroman
„Medium – Ware – Werk: Der deutsche Heftroman von 1913 bis zur Gegenwart“: Auf seiner Sitzung vom 30. Juni hat der Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) die von der Ludwig Maximilians-Universität München (LMU) beantragte Forschungsgruppe (FOR) zum Heftroman bewilligt. An der FOR sind vier Universitäten beteiligt; Infrastrukturpartnerin ist die Deutsche Nationalbibliothek (DNB), die einen umfangreichen digitalen Korpus an Heftromanen für das Vorhaben zur Verfügung stellt. Das Deutsche Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek unterstützt das Vorhaben seit vielen Jahren.
Liebende, Schurken und Unsterbliche, muskulöse Männer und unfehlbare Heldinnen: Mit dichten Plots, starken Konflikten und besonderen Schauplätzen erfreut sich der Heftroman in Deutschland seit mehr als 100 Jahren großer Beliebtheit. Ob Liebesroman, Krimi oder Science-Fiction: Die Leserinnen und Leser tauchen auf traditionell 64 Seiten ein in Geschichten, die sie fesseln.
Trotz seiner langen Tradition und seines massenhaften Erfolgs wurde der Heftroman bisher wissenschaftlich nur unzureichend in den Blick genommen – dabei bilden die Texte, die einfach sind und sein wollen, nicht zuletzt durch ihre Fülle und Serialität eigene Formen von Komplexität aus. Die neue DFG-Forschungsgruppe „Medium – Ware – Werk: Der deutsche Heftroman von 1913 bis zur Gegenwart“ will diesen Spezialmarkt nun genauer und auch mit Instrumenten der digitalen Geisteswissenschaften analysieren.
Das Ziel der FOR ist die interdisziplinäre Erforschung des deutschen Heftromans von seinen Anfängen im deutschen Markt um 1900 bis in die Gegenwart. Untersucht werden soll der Heftroman als Medium der literarischen Kommunikation, als Gegenstand von eigenständigen Produktions-, Vertriebs- und Rezeptionsprozessen sowie als literarisches Werk populärerer serieller Unterhaltung. Auch die Analyse von Innovationsschüben wie die Herausbildung neuer Genres und die sich wandelnde Marktakzeptanz sowie die Gestaltung von Romancovern sind Gegenstand der interdisziplinären Forschung. Heftromane stellen einen umfangreichen Teil der literarischen Kommunikation im deutschsprachigen Raum dar. Im Untersuchungszeitraum erschienen nach vorläufigen Schätzungen bis zu 800 Serien und Reihen mit beträchtlichen Auflagenhöhen.
Die beteiligten Forscher*innen aus Buch-, Literatur- und Bildwissenschaften sowie aus den digitalen Geisteswissenschaften können sich dank der Förderung durch die DFG bis zu acht Jahre lang aktuellen und drängenden Fragen ihrer Fachgebiete widmen und innovative Arbeitsformate etablieren.

„Die bisherige Forschung, die über mehrere Disziplinen verteilt ist und deren Anfänge in das frühe 20. Jahrhundert zurückreichen, ist der Fülle und Eigenständigkeit des Heftromans – als eines Phänomens tatsächlich gelesener Literatur – nur sehr selektiv gerecht geworden. Die FOR bietet nun die Gelegenheit, konzentriert an einer interdisziplinär ausgerichteten Erforschung der Mediengattung Heftroman zu arbeiten und die Ergebnisse auch einer größeren Öffentlichkeit zu vermitteln,“ sagt Prof. Dr. Christine Haug, Leiterin des Zentrums für Buchwissenschaft (ZfB) und Sprecherin der FOR.
Grundlegend für die Umsetzung des Vorhabens ist die Bereitstellung eines umfassenden Textkorpus‘ durch die Deutsche Nationalbibliothek. Vor dem Hintergrund der langjährigen Kooperation des Zentrums für Buchwissenschaft der LMU mit dem Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek gelang es, die DNB als Kooperationspartner für das Forschungsvorhaben zu gewinnen.
„Eines der strategischen Ziele der Deutschen Nationalbibliothek ist es, ihre 56 Mio. Medieneinheiten umfassenden Sammlungen aus über 100 Jahren Mediengeschichte in Wissenschaft und Kultur einzuspeisen. Als medienwissenschaftlich arbeitende Einrichtung hat das Deutsche Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek – zugleich Gründungsmitglied des ZfB – die Antragstellung der FOR seit allem Anfang an unterstützt. Wir freuen uns, unsere erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem ZfB nun auf dem Feld der populären Lesestoffe fortsetzen und mit einer für 2028 geplanten Ausstellung einen weiteren Beitrag für das Projekt zu leisten“, sagt Dr. Stephanie Jacobs, Direktorin des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek.


Die neue Forschungsgruppe setzt sich aus mehreren Teilprojekten zusammen. Von der LMU sind neben Sprecherin Christine Haug auch Johannes Frimmel vom Zentrum für Buchwissenschaft und Julian Schröter, Professor für Digitale Literaturwissenschaften, beteiligt. Außerdem gehören die Kunsthochschule Weißensee, die Julius-Maximilians-Universität Würzburg, die HU Berlin und die Universität Potsdam zum Verbund.
Ansprechpartnerinnen:
Prof. Dr. Christine Haug
Leiterin des Zentrums für Buchwissenschaft, Ludwig Maximilian-Universität München
christine.haug@germanistik.uni-muenchen.de
Dr. Stephanie Jacobs
Direktorin des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig
s.jacobs@dnb.de






