Mein BFD Projekt „Schilder hoch!“
Hallo, ich bin Charlotte und habe 2025 meinen Bundesfreiwilligendienst an der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig begonnen. Dabei arbeitete ich sowohl in der Öffentlichkeitsarbeit als auch im Deutschen Buch- und Schriftmuseum, im Bereich Museumspädagogik. Zu Beginn meines Freiwilligenjahres wurde ich bereits hier im Blog vorgestellt. Inzwischen ist einige Zeit vergangen und mein Freiwilligendienst neigt sich langsam dem Ende zu.
Ein besonderer Bestandteil eines Freiwilligenjahres ist das eigenständige Projekt, das alle Freiwilligen entwickeln und umsetzen. Dabei gibt es nur wenige Vorgaben. Wir bekommen die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen, kreativ zu werden und ein Projekt zu verwirklichen, das zu unseren persönlichen Interessen passt. Gleichzeitig bietet es uns die Chance, neue Zielgruppen anzusprechen oder vielleicht sogar ein Angebot zu entwickeln, das auch nach dem Freiwilligendienst weiter genutzt werden kann.
Ein Anfang
Die Ideenfindung für mein Projekt war alles andere als geradlinig. Ich hatte unzählige Ideen im Kopf, die sich teilweise nur schwer miteinander verbinden ließen. Auch Kolleg*innen hatten spannende Vorschläge, die mich zum Weiterdenken gebracht haben. Das war sehr inspirierend, machte die Entscheidung aber nicht unbedingt leichter. Lange Zeit wusste ich deshalb nicht, auf welche Idee ich mich tatsächlich festlegen wollte.
Eine wichtige Richtung ergab sich schließlich aus meiner Arbeit im Deutschen Buch- und Schriftmuseum:
Während meines Freiwilligendienstes hatte ich dort zum ersten Mal die Gelegenheit, mit Schulklassen und Kindergartengruppen zu arbeiten. Vor meinem BFD hätte ich wahrscheinlich nicht gedacht, dass mir diese Arbeit liegen würde. Doch je mehr Erfahrungen ich sammeln konnte, desto mehr merkte ich, dass mir die Arbeit mit jungen Menschen richtig Freude macht.
Damit stand für mich fest, dass mein Projekt möglichst etwas mit Jugendlichen zu tun haben sollte.
Die Idee
Gleichzeitig beschäftige ich mich schon länger mit dem Thema politische Bildung und finde es wichtig, jungen Menschen Möglichkeiten zu geben, sich mit politischen und gesellschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Gerade weil ich selbst erst wenige Monate vor Beginn meines Bundesfreiwilligendienstes die Schule abgeschlossen hatte, hatte ich noch sehr präsent im Kopf, wie wenig Raum politische Bildung im Schulalltag teilweise einnimmt.
Dabei halte ich gerade heute politische Bildung für besonders wichtig. Social Media ist für viele Jugendliche ein selbstverständlicher Bestandteil des Alltags. Informationen verbreiten sich innerhalb kürzester Zeit, gleichzeitig aber auch Desinformationen und Fake News. Umso wichtiger finde ich es deshalb, demokratische Grundwerte zu stärken und junge Menschen dazu zu ermutigen, Informationen kritisch zu hinterfragen, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und sich eine eigene Meinung bilden zu können.
Die entscheidende Idee kam schließlich durch eine Kollegin, die sich sehr für das Thema DDR interessiert. Warum nicht beide Themen miteinander verbinden?
Ich war sofort begeistert. Denn die DDR bietet viele Möglichkeiten, sich mit Fragen rund um Demokratie, Freiheit, Meinungsäußerung und gesellschaftliche Veränderungen auseinanderzusetzen.
Durch die Montagsdemonstrationen in der DDR, die vor allem hier in Leipzig wichtig waren, war dann auch das übergeordnete Thema gefunden: Protest.
Von der Idee zum Workshop
Ich wollte einen Workshop für Jugendliche entwickeln, der sich mit verschiedenen Formen von Protest beschäftigt und dabei einen besonderen Schwerpunkt auf die DDR legt. Mich interessierte vor allem die Frage, warum Menschen protestieren, welche Möglichkeiten wir haben, unsere Meinung auszudrücken, und welche Bedeutung Protest für eine Gesellschaft haben kann.
Damit hatte mein eigenständiges Projekt endlich eine Richtung bekommen. Nachdem die Idee für mein eigenständiges Projekt feststand, begann die eigentliche Arbeit: Aus dem großen Thema „Protest“ sollte ein Workshop entstehen, der Jugendlichen nicht nur Wissen vermittelt, sondern sie auch dazu bringt, selbst über ihre Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Beteiligung nachzudenken.

Mein Projekt bekam schließlich den Titel „Schilder hoch! Warum Protest wichtig ist“. Zielgruppe waren Schüler*innen der Klassenstufen 7 bis 9.
Konzeption
Die Konzeption des Workshops begann im Oktober 2025 und begleitete mich bis Mai 2026. In dieser Zeit recherchierte ich zu den verschiedenen Themen, entwickelte Methoden und Materialien, schrieb Texte und überlegte immer wieder, wie ich die Inhalte möglichst verständlich und interessant für Jugendliche vermitteln könnte.
Dabei war ich für die einzelnen Schritte der Vorbereitung selbst verantwortlich. Neben der inhaltlichen Recherche gehörten auch die Gestaltung und Zusammenstellung der Materialien sowie das Verfassen von Texten für die Website zu meinen Aufgaben.
Eine besondere Herausforderung war für mich, Inhalte so aufzubereiten, dass sie für Jugendliche greifbar werden. Schließlich sollte der Workshop nicht zu einer frontalen Unterrichtsstunde werden, sondern zum Mitmachen, Diskutieren und Nachdenken einladen.
Ein wichtiger Bestandteil des Workshops war die friedliche Revolution in der DDR. Als Grundlage dafür verwendete ich das Kinderbuch „Fritzi war dabei“. Durch die Geschichte erhielten die Schüler*innen einen literarischen Einblick in die Zeit der friedlichen Revolution und konnten erleben, wie Menschen damals für Veränderungen eintraten.
Das Buch bot dabei einen guten Einstieg in das Thema. Es machte deutlich, dass Protest nicht gewalttätig sein muss. Die Menschen in der DDR gingen beispielsweise auf die Straße, um ihre Wünsche und Forderungen sichtbar zu machen und setzten sich dabei friedlich für Veränderungen ein.
Ein Workshop zum Mitmachen


Damit der Workshop nicht nur aus Zuhören bestand, war es mir wichtig, die Schüler*innen von Anfang an aktiv einzubeziehen. Zum Einstieg beschäftigten wir uns deshalb mit wichtigen Freiheiten und Grundrechten in einer Demokratie. Gemeinsam überlegten wir, welche Freiheiten für unseren Alltag besonders wichtig sind und warum wir diese nicht als selbstverständlich ansehen sollten.
Anschließend ging es um verschiedene Formen von Protest. Die Schüler*innen überlegten, auf welche Weise Menschen ihre Meinung öffentlich zeigen und sich für ihre Interessen einsetzen können. Dabei stellte sich auch die Frage: Welche Formen von Protest sind erlaubt und wo liegen rechtliche Grenzen? Anhand verschiedener Beispiele konnten wir gemeinsam diskutieren, welche unterschiedlichen Formen Protest annehmen kann.
Im nächsten Schritt führte uns der Workshop in die DDR und die Zeit der friedlichen Revolution. Mit einem kleinen Quiz konnte ich zunächst herausfinden, welches Vorwissen die Schüler*innen bereits mitbrachten. Danach lasen wir gemeinsam eine Stelle aus dem Kinderbuch „Fritzi war dabei“, die einen anschaulichen Einblick in die damalige Zeit und die Proteste in der DDR gab.
Besonders spannend wurde es bei der Frage: „Hättet ihr euch getraut, auf die Straße zu gehen?“ Die Schüler*innen konnten sich in die Situation der Menschen in der DDR hineinversetzen und darüber nachdenken, wie sie selbst gehandelt hätten. Dabei wurde deutlich, wie viel Mut die Menschen damals aufbringen mussten und welchen Wert die Freiheiten haben, die wir heute genießen.
Am Ende des Workshops wurde es dann kreativ: Die Schüler*innen durften eigene Protestslogans entwickeln und Protestplakate gestalten.

Dabei entstanden ganz unterschiedliche Ideen. Die Jugendlichen konnten selbst entscheiden, für welches Thema sie sich einsetzen wollten und wie sie ihre Botschaft möglichst verständlich und auffällig auf einem Plakat darstellen konnten.
Für mich war das ein besonders schöner Abschluss des Workshops. Denn hier wurde aus dem theoretischen Thema plötzlich etwas Eigenes. Die Schüler*innen mussten nicht mehr nur über Protest sprechen sie konnten selbst ausprobieren, wie es sich anfühlt, eine Botschaft zu formulieren und öffentlich sichtbar zu machen.
Die praktische Umsetzung meines Projekts fand schließlich am 22., 23. und 26. Juni 2026 statt. Innerhalb einer Woche führte ich den Workshop mit insgesamt drei verschiedenen Klassen durch.
Natürlich lief nicht jeder Workshop exakt so ab, wie ich ihn ursprünglich geplant hatte. Und genau das war eine der wichtigsten Erfahrungen für mich.
Nach dem ersten Durchlauf konnte ich deshalb bereits einige Kleinigkeiten anpassen. Ich experimentierte beispielsweise mit verschiedenen Positionen im Raum, damit alle Jugendlichen die Materialien und Präsentationen gut sehen konnten. Außerdem nahm ich mir für die folgenden Workshops mehr Zeit für gemeinsame Austauschphasen.
Diese Möglichkeit, direkt aus den Erfahrungen des ersten Workshops zu lernen und die nächsten Durchläufe entsprechend anzupassen, hat mir besonders gut gefallen. So wurde auch die Umsetzung selbst zu einem Lernprozess.
Am Ende hatte ich nicht nur einen Workshop entwickelt, sondern auch selbst einiges über politische Bildung, über die Vermittlung historischer Themen gelernt. Vor allem aber lernte ich, wie wichtig es ist, Jugendlichen Raum für ihre eigenen Gedanken und Meinungen zu geben.






