My Project-Diary – Erna Pinner
Über diese Reihe: Ich bin Jana, die Bundesfreiwillige des Jahrgangs 2025/26 der DNB in Frankfurt am Main. Dieses Projekt-Tagebuch folgt der Reihe “Auf tierischen Spuren durch die Deutsche Nationalbibliothek”, meinem Abschlussprojekt (BFD-Projekt). Sie soll einen neuen Zugang zur DNB als Archivbibliothek schaffen und Einblicke aus einer neuen Perspektive gewähren. Alle Videos werden auch auf dem Instagram-Kanal der Deutschen Nationalbibliothek veröffentlicht.
Bis her sind wir nur den tierischen Spuren innerhalb der DNB als Bibliothek gefolgt. Doch zur Deutschen Nationalbibliothek gehören auch noch die Spezialsammlungen des Deutschen Buch-und Schriftmuseums, des Deutschen Musikarchivs und des Deutschen Exilarchivs 1933 – 1945. Deswegen wollen wir uns heute in dieser Richtung auf die Suche machen, denn auch hier gibt es allerhand zu entdecken!
Als erstes führen uns die Spuren der Tiere ins Deutsche Exilarchiv 1933 – 1945. Hier leiten sie uns auf die Fährte einer ganz besonderen Frau, der Zeichnerin Erna Pinner. Tiere wurden schon früh zu einem zentralen Gegenstand ihrer Kunst. Ihre zoologischen Zeichnungen halfen ihr sich im Exil eine neue Existenz aufzubauen. Aber beginnen wir von vorne:
Erna Pinner wird am 27.01.1890 in Frankfurt geboren. Sie wächst in einem gutbürgerlichen, jüdischen Elternhaus auf. Ihr Vater, Oscar Pinner, ist ein großer Freund der schönen Künste und fördert das Talent seiner Tochter schon in jungen Jahren. So kann Erna mit 16 zunächst am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt und danach an einer privaten Kunsthochschule in Berlin studieren. Mit gerade mal 21 Jahren zieht sie nach Paris, um dort von damals führenden Größen der Kunstszene Unterricht zu erhalten. Kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges, kehrt sie in ihre Geburtsstadt Frankfurt zurück. Hier beginnt auch ihre Beschäftigung mit der Tierwelt, die sich durch ihr restliches Leben ziehen wird.

Sie widmet sich der Beobachtung von verschiedenen Tierarten, vor allem von Exoten und skizziert deren Verhalten. In dieser ersten Phase ihres künstlerischen Schaffens verbringt Erna Pinner daher viel Zeit im Frankfurter Zoo. Schon bald erlangt sie dank ihres eigenwilligen und besonderen Zeichenstils einen guten Ruf als ausgezeichnete Buchillustratorin.

Im Jahr 1916 lernt Erna Pinner in Darmstadt den Schriftsteller Kasimir Edschmid kennen, zu dem sie Zeit ihres Lebens ein enges berufliches, wie privates Verhältnis pflegen wird. Die beiden unternehmen gemeinsam viele Reisen. Unter anderem auch nach Südeuropa, Nordafrika und Südamerika.
Kasimir Edschmid und Erna Pinner gemeinsam auf Reisen. Foto: DNB/ Jana Weinlich, eigene Zeichnung unter Verwendung einer Fotografie aus dem Teilnachlass von Erna Pinner (EB 2005/033) im Deutschen Exilarchiv 1933-1945 der Deutschen Nationalbibliothek.
Sie werden zu dem, was man heute als Reiseblogger bezeichnen würde. Denn jedes Mal nach ihrer Rückkehr veröffentlichen die beiden einen gemeinsamen Bericht, in dem sie von ihren Eindrücken und Erfahrungen im jeweiligen Land berichten. Dabei schreibt Kasimir Edschmid die Texte und Erna Pinner illustriert sie.
Wie viele Künstler*innen wird Erna Pinner nach 1933 mit der Zensur durch die Nationalsozialisten konfrontiert. Als sie 1935 aufgrund ihrer jüdischen Herkunft aus der Reichskammer der Bildenden Künste ausgeschlossen wird, beschließt sie zu gehen. Am 13. Mai 1935 verlässt sie mit ihrer verwitweten Mutter Deutschland und geht ins Exil nach London. Ihr langjähriger Vertrauter Edschmid bleibt in Deutschland und der Kontakt der beiden bricht bis nach Kriegsende 1945 ab.
Im Exil muss Erna Pinner mit 45 Jahren nochmal von vorne anfangen und sich ein neues Leben aufbauen. Im Gegensatz zu vielen anderen Exilanten schafft sie es und kann im Zufluchtsland Fuß fassen.Die Beschäftigung mit der Tierwelt, die ihr Leben schon seit ihrer Jugend prägt, erhält dabei eine besondere Bedeutung. Erna Pinner nutzt ihr künstlerisches Talent zur Zusammenarbeit mit verschiedenen Zoologen und Ornithologen und entwickelt mit der Zeit einen neuen, naturwissenschaftlichen Illustrationsstil. Damit macht sie sich bald einen Namen als Tierillustratorin in der Wissenschaft. Insgesamt erscheinen nach ihrer Flucht ins Exil 32 biologische und paläontologische Bücher, in denen sich Pinner zunehmend auch mit der Entstehungsgeschichte biologischer Arten beschäftigt.
Erna Pinner verstirbt 1987 im Alter von 97 Jahren in London. Doch ihre Werke überdauern und hinterlassen ihre Spuren auch in der Gegenwart. Wenn Sie mehr über Erna Pinner, ihre Arbeit als Illustratorin und darüber erfahren möchten, was es bedeutet in einem bisher unbekannten Land von vorne anfangen zu müssen, besuchen Sie gerne unsere Dauerausstellung “Exil. Erfahrung und Zeugnis” im Deutschen Exilarchiv 1933 – 1945, in der DNB in Frankfurt am Main. In unserer Ausstellung können Sie ein paar Abdrücke von Pinners tierischen Spuren entdecken: Zwei Hefte mit Zeichnungen aus dem Londoner Zoo und ihrer Zeichenwerkzeuge werden hier ausgestellt.
Auch die Fährte, der wir im nächsten (und auch letzten) Beitrag meiner Blog-Reihe folgen wollen, wird uns Einblicke in die Lebensgeschichte einer besonderen Frau geben. Seien Sie gespannt, wohin uns die Spuren der Schriftstellerin Stefanie Zweig führen werden!







Gratulation und Respekt, liebe Frau Weinlich, für Ihre kompakten und bildstarken Blog-Beiträge zu den Tagebüchern von Erna Pinner. Der Protagonistin zugewandt geben Sie einen kurzen, klaren Blick auf das Schicksal einer wissenschaftlichen Illustratorin, wie es bei uns – hoffentlich! – niemand mehr bestehen muss. Das nimmt uns mit!
Beste Grüße von Michael Fernau, Leipziger Altdirektor bei der DNB