Öffentlichkeiten!
Podiumsdiskussion mit Harald Lesch, Peter Altmeier, Stephanie Jacobs u.a. in Weimar

Zum Tag der Bibliotheken Ende Oktober, der zugleich der Geburtstag der namensgebenden Herzogin ist, lud die Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Weimar in den Bücherkubus ein, um über „Öffentlichkeiten!“ der Bibliothek zu sprechen.
Die Veranstaltung fand im Rahmen der Reihe „Konstellationen. Neue Sichten der Bibliothek“ statt, die der Direktor der Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Dr. Reinhard Laube, vor nun zehn Jahren aus der Taufe gehoben hatte, um die Klassikstiftung zum Forum für innovative Impulse und neue Forschungsergebnisse zu machen.
Zum Tag der Bibliotheken am 24. Oktober war das Podium besetzt mit Harald Lesch, Professor für Astrophysik und Wissenschaftsjournalist, Peter Altmaier, Bundesminister a.D. und Vorsitzender der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e.V., Peter Neumann, Autor, Philosoph und Redakteur im Feuilleton der Wochenzeitung Die ZEIT, Ulrike Steierwald, Professorin für Deutsche Literaturwissenschaft, Leuphana Universität Lüneburg und d.U.
Es stellte sich rasch heraus, dass der Untertitel der Veranstaltung – „Die Bibliothek als Raum für Wissen, Kunst und Politik“ – durchaus widerstreitenden Positionen Raum gab. Denn die Bibliothek ist nicht nur öffentlich, sie braucht und formt ihre Öffentlichkeiten – mit ihren gesammelten Publikationen, Medien und Objekten sowie mit ihren Räumen, Nutzungsszenarien und den Besucher*innen.
Den Anfang machte der Astrophysiker Harald Lesch mit der Geschichte des Universums und der Natur der Bibliothek, die in der Materialität der Überlieferung und in Büchern öffentlich wird. Kristallisationspunkt seines Impulses war der kurze Text „Über die Vergänglichkeit“ von Thomas Mann aus dem Jahr 1952 – ein wunderbares Stück Prosa, dessen verblüffende Aktualität die (Wieder-)Lektüre unbedingt lohnt. Auch nutzte Lesch die Gelegenheit, zusammen mit Laura Völkel, Restauratorin an der Anna Amalia Bibliothek, auf das „Wunder“ der Weimarer Bestandserhaltung und die sogenannten Aschebücher aufmerksam zu machen, als deren Botschafter Lesch sehr erfolgreich auftritt.
Übergeleitet wurde dann zu einem Gespräch mit Ulrike Steierwald und d.U. zur Deutung der Bibliothek als Raum für Wissen und Kunst. Wie viel Öffnung verträgt die Institution Bibliothek? Wie weit sollte sie sich einer Gesellschaft öffnen, die sie trägt? Welche Verantwortung hat die Bibliothek gegenüber aktuellen Herausforderungen? Während Steierwald die wechselseitige Bedingtheit von Öffnung und Begrenzung hervorhob, verfolgte d.U. einen radikaleren Begriff der Öffnung von Räumen, um auch gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.
Und schließlich sprach Peter Neumann mit Peter Altmaier – Vorsitzender der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin und selbst passionierter Büchersammler – über die Bibliothek in ihrer politischen Bedeutung. Und über das Sammeln und Lesen.
Im Anschluss wurde das Podium zum Publikum hin geöffnet, und es ergaben sich noch etliche Anknüpfungspunkte. Nach zwei Stunden band Laube mit Blick auf die Uhr das Gespräch elegant ab, um im Anschluss eine Einladung zu Kaffee und Kuchen auszusprechen.
Die Veranstaltung wurde von ZDF/3Sat aufgezeichnet und wird im Frühjahr 2027 ausgestrahlt.
Stephanie Jacobs
ist Leiterin des Deutschen Buch- und Schriftmuseums.








