Wie klingt Mediengeschichte?

18. August 2026
von Christine Hartmann und Ruprecht Langer

Das Deutsche Musikarchiv (DMA) und das Deutsche Buch- und Schriftmuseum (DBSM) teilen nicht nur einen gemeinsamen Standort in Leipzig, sondern auch eine große Leidenschaft für Musik und Medien. Daraus ergeben sich unerschöpfliche Schnittmengen, die im kürzlich veröffentlichten Projekt „Songs zur Mediengeschichte“ nun beispielhaft zu hören und zu lesen sind an den Hörstationen in der Ausstellung des DMA.

Von der Keilschrift zum Binärcode – das Deutsche Buch- und Schriftmuseum beschäftigt sich in seiner Sammeltätigkeit und der Dauerausstellung mit der ganzen Bandbreite von Sprache, Schrift und Ausdrucksformen. Aber auch in der Musik spielen diese Themen eine wichtige Rolle – mal ganz zentral, mal eher zwischen den Zeilen.

Mehrere Schallplattencover und eine Schallplatte liegen unsortiert auf einem Tisch
Songs zur Mediengeschichte – Schallplattencover aus der Sammlung des DMA, Foto: DNB / Christine Hartmann

So ist in der Deutschen Nationalbibliothek eine Playlist mit über 100 Songs entstanden unter der Frage „Wie klingt Mediengeschichte?“ Welche Musik spiegelt die Bedeutung und Nutzung von Medien wider und warum? Welche Liebeserklärungen gibt es, wo wird gewarnt und geschimpft oder ein Loblied auf das Buch gesungen?

Mit zahlreichen Vorschlägen von Mitarbeitenden der Deutschen Nationalbibliothek ist diese Liste mit Songtiteln entstanden, die von herausragender Vielseitigkeit ist und die immense Repertoirekenntnis des Teams der Deutschen Nationalbibliothek unterstreicht. An dieser Stelle sei noch einmal allen Beteiligten für ihre Ideen herzlich gedankt!

In den Liedern geht es um Briefe und Social Media, um Film, Video und Internet. Es geht um Telefone, Zeitung und Zensur, um Technisierung und Digitalisierung. All das kommt in der Musik vor – romantisch, wütend, schwärmerisch, kritisch, warnend, zynisch oder kitschig. Hier ist für jede*n etwas dabei.

Zwei Personen sitzen in einer Musik-Ausstellung mit Kopfhörern.
Hörstationen des Deutschen Musikarchivs in Leipzig. Foto: DNB, Stephan Jockel

Die schönsten 100 Lieder gibt es samt ihren Begründungen auf den Hörstationen an den beiden Standorten der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig und Frankfurt am Main. Falls der Weg an einen der Standorte zu weit ist, folgt im Anschluss eine Kostprobe mit Beispielen aus der Playlist. Noch mehr Songs haben es in unsere Playlist auf Spotify  geschafft – technisch bedingt ohne die Begründungstexte. Die Hintergründe und Bezüge erschließen sich ganz sicher gut über die eingeblendeten Lyrics.

Zum Reinhören hier eine Auswahl von zehn Songs zur Mediengeschichte samt Links:

The Buggles – Video Killed The Radio Star
Das erste Musikvideo, das auf MTV im Jahre 1981 ausgestrahlt wurde, gibt seine Bedenken zu der rasanten Wandlung der Musikindustrie kund. Die Sorge, dass das Musikvideo die dominierende Rolle des Radios bei der Verbreitung von Musik ablösen wird. Youtube

The Beatles – Paperback Writer
Von seiner Tante herausgefordert, einen Song zu schreiben, der nicht von der Liebe handelt, wird Paul McCartney von einem lesenden Ringo Starr bei einem Auftritt inspiriert, einen Song über ein Buch zu schreiben. Der Text ist in Briefform verfasst und handelt von einem aufstrebenden Autor, der seinen Brief an einen Verleger adressiert. Youtube

Skunk Anansie – On My Hotel T.V.
Der Song thematisiert gesellschaftliche Probleme wie Rassismus, (sexuelle) Ausbeutung und Unaufrichtigkeit. Diese Themen werden ungeschönt durch die Bilder eines Hotelfernsehers auf eine Zuschauerin übertragen und spiegeln so die Kritik an Massenmedien wieder, die Missstände festschreiben und verstärken.
Youtube

Blumentopf – Block und Bleistift
Der Song handelt von einem Gespräch zwischen einem unbeschriebenen Blatt Papier und einem Bleistift. Dabei kann im Refrain das Geräusch, das entsteht, wenn man mit einem Bleistift auf Papier schreibt, wahrgenommen werden.
Youtube

Kraftwerk – Computerliebe
Der Song thematisiert die Suche nach Liebe und menschlicher Nähe in der modernen technisierten Welt. Er reflektiert die zunehmende Rolle von Computern und Technologie im sozialen Leben und die Sehnsucht nach menschlicher Interaktion in einer digitalisierten Welt. Youtube

Georg Kreisler – Das Grammophon
Eine Hommage an das älteste industriell hergestellte Tonabspielgerät der Welt, welches den Durchbruch für die Tonaufzeichnung darstellte.
Youtube

Stereophonics – Mr. Writer
Mr. Writer, why don’t you tell them like it really is?!“, schrieb Kelly Joney, als er den negativen Bericht eines Journalisten gelesen hatte, der zuvor gemeinsam mit der Band getourt war.
Youtube

Dota Kehr – Ich hasse es
Hier geht es geht es um Algorithmen, die online zunehmend bestimmen, was zu uns passt. Das Lied endet mit folgenden Sätzen:
„Und ich werfe meinen Content hin, jeden Tag aufs Neue
Tu ich’s nicht, find ich nicht statt, Perlen ohne Säue.
Ich schreib Lieder und will, dass sie wer hört.
Schon bin ich Teil dieser Maschine,
auf dass der Algorithmus auch mir diene.
Ich hasse es.“

Youtube

The Police – Message In A Bottle
In dem Lied geht es vordergründig um die Geschichte eines Schiffbrüchigen auf einer Insel, der eine Flaschenpost verschickt, um nach Liebe zu suchen. Nachdem er ein Jahr lang keine Antwort erhalten hat, ist er verzweifelt und glaubt, dass er dazu bestimmt ist, allein zu sein. Am nächsten Tag jedoch sieht er Millionen Flaschen am Ufer und erkennt, dass es noch mehr einsame Menschen wie ihn gibt. Youtube

Ruprecht Langer

Ruprecht Langer ist der Leiter des Deutschen Musikarchivs der Deutschen Nationalbibliothek.

Christine Hartmann

Christine Hartmann ist verantwortlich für Ausstellungen und Öffentlichkeitsarbeit im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek.

*Nachweis Beitragsbild auf der Startseite:DNB / Christine Hartmann

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