Der Ukraine eine Stimme geben

26. Oktober 2026
von Stephanie Jacobs

Mit der Ausstellung „The Only Material“ widmet sich das Deutsche Buch- und Schriftmuseum in Leipzig bis zum 3. Januar 2027 dem Thema Presse- und Meinungsfreiheit an der ukrainischen Kriegsfront.

Die Ausstellung konnte dank der finanziellen Unterstützung durch das Auswärtige Amt, das Hilfsprogramm „Voices of Ukraine“ und die Hannah Arendt-Initiative sowie Headliner realisiert werden. Sie wird in Kooperation mit dem Europäischen Zentrum für Presse- und Medienfreiheit (ECPMF) im DBSM gezeigt und richtet ihren Blick nicht nur auf den brutalen, von Zerstörung und Tod geprägten Alltag an der Front, sondern auch auf die Lebensentwürfe der plötzlich zu Kriegsreportern gewordenen Journalist*innen. Persönliche Aussagen, Foto- und Archivmaterial verbinden die Erinnerung an ihre ursprünglichen beruflichen Pläne mit ihrer gegenwärtigen Realität im Krieg. Die Lebenswege und Geschichten der sechs Journalist*innen sind Zeugnisse der Stärke jener, die bei der Dokumentation von Zerstörung weiterhin Wahrheit, Würde und demokratische Werte verteidigen. Sie zeigen, wie der journalistische Auftrag durch die russische Invasion verändert, aber nicht zerstört wird.

Anlässlich der Eröffnung der Ausstellung am 22. Oktober fand im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek mit der Performance „The Only Material – eine andere Art von Live-Journalismus über den Krieg?“ statt. Persönlich anwesend waren drei Reporter*innen aus der Ukraine, die Geschichten aus ihrem Reporterleben teilten: Victoriia Yermolaieva, Chefredakteurin bei Hromadske Radio, Serhii Korovayny, Fotojournalist, und Diana Delyurman, Kriegsberichterstatterin und Fotografin.

In einer multidimensionalen Performance gelang es den drei Journalist*innen, einen Blick auf die Härten der Kriegsberichterstattung zu geben und zugleich von ihren Träumen zu berichten, mit denen sie sich – im Namen von Wahrhaftigkeit und auch schonungslosem Offenlegen der russischen Kriegszerstörung – wappnen für ihren brutalen Alltag. Es ist der Agentur Headliner zu verdanken, dass eine Performance entstanden ist, die Life-Journalismus mit Bühnenelementen verbindet – eine Kombination, die zutiefst berührt und erschüttert, wie uns auch aus dem vor allem jungen Publikum gespiegelt wurde.

Den mutigen Stimmen hinter den Schlagzeilen ein Gesicht zu geben – das ist vor allem auch die Mission des Europäischen Zentrums für Presse- und Medienfreiheit (ECPMF). Als gemeinnützige Organisation, die sich für den Schutz und die Stärkung der Medienfreiheit in ganz Europa einsetzt, unterstützt sie Journalist*innen und Medienschaffende, die Bedrohungen, rechtlichem Druck, Schikanen, Einschüchterungen und anderen Formen der Beeinträchtigung ihrer Arbeit ausgesetzt sind.

Ausstellung und Performance reihen sich in die Versuche des Deutschen Buch- und Schriftmuseums als Medienmuseum ein, einen kleinen gesellschaftlichen Beitrag zu Demokratie und Meinungsfreiheit zu leisten – einem der zentralen Themen innerhalb der Museumsstrategie 2035. Es ist die dritte Ausstellung des Museums zum Thema Ukrainekrieg, dem wir seit 2022 auch eine Veranstaltungsreihe mit Exilautor*innen widmen.

Stephanie Jacobs

ist Leiterin des Deutschen Buch- und Schriftmuseums.

*Nachweis Beitragsbild auf der Startseite:Daniel Madlung

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