Was sammelt eigentlich unser Museum?

26. Juli 2026
von Linus Hartmann-Enke

Das Deutsche Buch- und Schriftmuseum in Leipzig ist eines der Fenster in die Deutsche Nationalbibliothek. Dort bewahren wir die unterschiedlichsten Objekte zur Mediengeschichte und zeigen, warum unser Sammelauftrag als Gedächtnis der Nation so wichtig ist. In seinem thematischen Zuschnitt zeichnet sich der Bestand des Museums durch einen hohen Anteil einzigartiger Objekte aus. Besonders hervorzuheben sind Bestände mit ausgeprägten Alleinstellungsmerkmalen, darunter die weltweit umfangreichste Wasserzeichensammlung, die Sammlung von Archivalien und Dokumenten zur Buch- und Verlagsgeschichte sowie die Vor- und Nachlässe zur Mediengeschichte, Buchkultur, Typografie und Schrift. Darüber hinaus umfassen die Sammlungen seltene Handschriften, historische Drucke sowie moderne Buchkunst, Grafiken, Plakate, historische Buntpapiere, frühe Schriftträger und Schreibwerkzeuge und technische Geräte und Maschinen zur Buch- und Papierproduktion.

Archivalien und Dokumente zur Buch- und Verlagsgeschichte

Die Archivaliensammlung umfasst Bestände zu national und international agierenden Verlagen sowie Materialien zu verlagsgeschichtlich bedeutenden Persönlichkeiten und buchhandelsgeschichtlichen Zusammenhängen. Den Kernbestand bilden die historischen Archive des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, die eine Vielzahl wertvoller Autographen, Korrespondenzen und weiterer Originaldokumente enthalten. Im Mittelpunkt der Sammlung stehen Quellen zu Verlagen und prägenden Verlagspersönlichkeiten. Sie ermöglichen Einblicke in die Entwicklung des Buchhandels, verlegerische Netzwerke und die Geschichte des Verlagswesens vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

Buchgeschichtliche Sammlung I (vor 1900)

Der Schwerpunkt dieser Sammlung liegt auf der Buchgeschichte, der Buchgestaltung und dem Design sowie auf den materiellen Aspekten der Mediengeschichte von den mittelalterlichen Handschriften bis zur Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Sie dokumentiert die Entwicklung des Buches als kulturelles, technisches und gestalterisches Medium über mehrere Jahrhunderte hinweg. Das Spektrum der Objekte reicht von Adressbüchern und Weltchroniken über wissenschaftliche Werke bis hin zu Streitschriften und verdeutlicht die Vielfalt historischer Buchproduktion und ihrer gesellschaftlichen Funktionen.

Buchgeschichtliche Sammlung II (nach 1900)

Im Mittelpunkt dieser Sammlung stehen das Gebrauchsbuch und das Künstlerbuch vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Sie dokumentiert die Entwicklung von Buchproduktion, Buchgestaltung und neuen gestalterischen Konzepten im Spannungsfeld zwischen Funktionalität, Ästhetik und künstlerischem Ausdruck. Ergänzt wird der Bestand gezielt durch zeitgenössische Künstlerbücher, die das Buch als eigenständiges Medium künstlerischer Auseinandersetzung und experimenteller Gestaltung präsentieren.

Kulturhistorische Sammlung

Die kulturhistorische Sammlung umfasst Objekte von frühen Werkzeugen der Schriftkultur über Zeugnisse des frühen Buchdrucks bis hin zu aktuellen Technologien wie dem 3D-Druck und hybriden Formen digitaler Medienkultur. Sie macht die Entwicklung von Medientechnologien über einen langen historischen Zeitraum nachvollziehbar und zeigt deren Einfluss auf Kommunikation, Wissensvermittlung und Gesellschaft. Im Mittelpunkt steht die Kulturgeschichte der Medientechnologien und ihrer materiellen Zeugnisse – von analogen bis zu digitalen Medien.

Wasserzeichensammlung

Die Wasserzeichensammlung ist die weltweit größte ihrer Art und gilt international als wichtigste Referenzsammlung auf dem Gebiet der Papier- und Wasserzeichenforschung. Sie dokumentiert die Entwicklung von Wasserzeichen über mehrere Jahrhunderte und bietet eine unverzichtbare Grundlage für die Datierung, Lokalisierung und Erforschung historischer Papiere. Damit ist sie ein zentrales Arbeitsinstrument für die Buch- und Papiergeschichte sowie für zahlreiche Disziplinen der historischen Forschung. Ein beispielhaftes Wasserzeichen ist hier zu finden: https://d-nb.info/1341438147

Grafische und papierhistorische Sammlung

Im Zentrum der grafischen und papierhistorischen Sammlung stehen Blattbestände mit mediengeschichtlichen Bezügen. Dazu gehören unter anderem Plakate, historische und moderne Grafik, Postkarten, Buntpapiere, Akzidenzdrucke, Werbemarken sowie historische Währungen. Die Sammlung dokumentiert die Entwicklung grafischer Gestaltung und Druckverfahren vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart und vermittelt Einblicke in die materiellen, technischen und gestalterischen Grundlagen visueller Kommunikation.

Vor- und Nachlässe zur Mediengeschichte und Buchkultur

Vor- und Nachlässe unterscheiden sich von den übrigen Sammlungen durch ihren Umfang, ihre Struktur und ihren Entstehungskontext. Sie umfassen Schriftgut sowie weitere Materialien aus dem Besitz einzelner Personen, die dem Museum entweder zu Lebzeiten als Vorlass oder nach ihrem Tod als Nachlass übergeben wurden. Als geschlossene Überlieferungen vermitteln sie Einblicke in das berufliche und kreative Schaffen ihrer Urheber.

Im Zentrum stehen Bestände aus den Bereichen Schriftgestaltung, Illustration, Comic, Buchdesign und Typografie. Sie dokumentieren künstlerische Arbeitsprozesse, gestalterische Entwicklungen und persönliche Netzwerke und stellen damit eine wichtige Quelle für die Erforschung der Medien- und Buchkultur dar.

Fachbibliothek

Die Fachbibliothek wird kontinuierlich um deutsch- und fremdsprachige Publikationen zur Mediengeschichte, Buchkultur sowie zur Geschichte von Typografie und Schrift erweitert. Sie bildet die wissenschaftliche Grundlage für die Arbeit des Museums und unterstützt Forschung, Sammlungserschließung sowie Ausstellungsprojekte. Mit ihrem spezialisierten Bestand steht sie Forschenden und allen Nutzenden als zentrale Informations- und Arbeitsressource im Museumslesesaal zur Verfügung.

Das Deutsche Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek freut sich, dieses Kulturgut sammeln und vermitteln zu können. Hier im Blog könne Sie auch viele weitere Artikel zu einzelnen Sammlungen und Objekten finden. Und natürlich laden wir Sie herzlich in unsere Ausstellungen, vor Ort oder digital, ein, um Ihren persönlichen Gang durch die Mediengeschichte zu beginnen.

Linus Hartmann-Enke

Dr. Linus Hartmann-Enke ist als Teamleiter im Deutschen Buch- und Schriftmuseum zuständig für alle Sammlungsobjekte.


*Nachweis Beitragsbild auf der Startseite:PUNCTUM / Bertram Kober

Schreibe einen Kommentar

Kommentare werden erst veröffentlicht, nachdem sie von uns geprüft wurden.
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Über uns

Die Deutsche Nationalbibliothek ist die zentrale Archivbibliothek Deutschlands.

Wir sammeln, dokumentieren und archivieren alle Medienwerke, die seit 1913 in und über Deutschland oder in deutscher Sprache veröffentlicht werden.

Ob Bücher, Zeitschriften, CDs, Schallplatten, Karten oder Online-Publikationen – wir sammeln ohne Wertung, im Original und lückenlos.

Mehr auf dnb.de

Schlagwörter

Blog-Newsletter

In regelmäßigen Abständen erhalten Sie von uns ausgewählte Beiträge per E-Mail.

Mit dem Bestellen unseres Blog-Newsletters erkennen Sie unsere Datenschutzerklärung an.

  • ISSN 2751-3238