Tür auf für die „schwarze Szene“

3. Juni 2026
von Stephanie Jacobs

Wave Gotik Treffen und Towel Day 2026 im Deutschen Buch- und Schriftmuseum

Viele schwarz gekleidete Menschen, auf den Eingangs Treppen der Deutschen Nationalbibliothek.
Besucher*innen des WGT vor der Deutschen Nationalbibliothek; Foto: DNB / Mathias Manecke

Das Pfingstwochenende stand in Leipzig wieder ganz im Zeichen des Wave Gotik Treffens (WGT), zu dem alljährlich über 20.000 Menschen aus ganz Europa an die Pleiße kommen und die Stadt zu einer mehrtägigen Theaterbühne verwandeln. Die so kulturaffine wie muntere und diverse „schwarze Szene“ ist auch in diesem Jahr bei uns im Deutschen Buch- und Schriftmuseum (DBSM) wieder auf ihre Kosten gekommen.

Ob die Lesung mit „Batman bei den Buddenbrooks“ – das Highlight am Sonntag – oder die Präsentation von Brokatpapieren aus den Beständen des DBSM, ob die Führungen, die Kinderveranstaltung zur Inklusion, die Fledermaus-Aktion oder der wunderbare Towel Day zu Ehren von Douglas Adams („Per Anhalter durch die Galaxis“): Das war ein inspirierender Wochenendreigen mit einem zufriedenen und dankbaren Publikum, zu dem wir in diesem Jahr über 600 Besucher*innen im Museum begrüßen konnten.

Batman bei den Buddenbrooks

Christian von Aster, Foto: Jan-Markus Holz

Auch in diesem Jahr hat der Autor Christian von Aster wieder mit schwarzhumorigen Texten bei uns gastiert. Um geneigte düstere Gemüter zu erfreuen, las er – bestrebt, verschiedene Spielarten der Literatur miteinander zu versöhnen – sowohl aus seinem Roman „Batman bei den Buddenbrooks“ als auch aus seinen Gedichten. Bereichert wurde die Veranstaltung mit einem wunderbaren Klavierspiel am Blüthner-Flügel.

Towel Day

Außerdem ist es gelungen, den sog. „Towel Day“ zu uns an den Deutschen Platz zu locken. Der Anlass: der 25. Todestag von Douglas Adams, Autor der Popkultur-Ikone „Per Anhalter durch die Galaxis“, die Generationen von Leser*innen prägte – und im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek mit über 100 Einträgen vertreten ist.

Grafik: Leipziger WissensSpuren

Douglas Adams war weit mehr als ein Science-Fiction-Autor; er war ein Meister des absurden Humors und ein scharfsinniger Beobachter des modernen Wahnsinns und ein Verehrer des Handtuchs… Zu Ehren des Mannes, der uns lehrte, dass die Antwort auf alles 42 lautet, haben wir gemeinsam mit den WissensSpuren der Universität Leipzig und der Inspirata unter dem Titel „Don’t Panic!“ ein „kosmisches Spektakel“ auf die Beine gestellt, das eine ungewöhnlich Neuentdeckung von Adams Werk ermöglichte: u.a. mit kniffligen Quizrunden, Improtheater, Lesungen, einem Raumschiffbauwettbewerb und einem vogonischen Prosaworkshop (Vorsicht: Lyrik auf eigene Gefahr!) – dazu sphärische Klänge, die das Publikum direkt in andere Galaxien entführten.

Vom Schöfferhof zur Schnellpresse

Unter dem Titel „Vom Schöfferhof zur Schnellpresse“ konnten die Gäste an einer Führung durch die Dauerausstellung teilnehmen, die grundlegende Elemente der „schwarzen Kunst – des Buchdrucks mit beweglichen Lettern – vermittelte. In die Rolle – und mit der Mütze – von Peter Schöffer, einem historischen Weggefährten von Johannes Gutenberg, der den Buchdruck Mitte des 15. Jahrhunderts entwickelte, erlebten die Besucher*innen Handgießinstrument, Winkelhaken und Satzschiff in Aktion. Die ein neues Zeitalter einläutende Innovation von Gutenberg wird gerade beim anschaulichen Vergleich zum Aufwand des Blockdrucks oder gar der Handschrift deutlich. Auch erläuterte die Führung den Vergleich zwischen Buchdruck und digitaler Revolution.

Brokatpapiere

Schließlich bot der Pfingstsonntag einen Einblick in die Sammlung historischer Brokatpapiere: Die um 1690 in Augsburg erfundenen, mit Blattmetall geprägten Brokatpapiere gehören zu den prächtigsten und kostbarsten Blättern angewandter Grafik. Sie wurden vor allem für Huldigungsschriften, Hochzeitsreden oder Leichenpredigten und als Vorsatz- oder Einbandpapiere verwendet. Die Präsentation zeigte ausgewählte Beispiele als ganze Bögen, Blätter und Fragmente, aber auch Broschuren und Bücher aus den musealen Sammlungen.

Fledermäuse für alle

Fledermäuse aus Papier, Foto: DNB

Und das Museumskabinett öffnete mit dem Aufruf seine Türen, aus dem „Wunderstoff Papier“ Nachtschwärmer zu gestalten. Gemeinsam wurde – anhand von unterschiedlichen Falttechniken und Papieren – die spannende Welt der Fledermäuse entdeckt.

Stephanie Jacobs

ist Leiterin des Deutschen Buch- und Schriftmuseums.

*Nachweis Beitragsbild auf der Startseite:Foto: DNB / Mathias Manecke

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