Zukunft beginnt genau jetzt!

19. Oktober 2021
von Susanne Oehlschläger

Im Januar 2021 hat die Deutsche Nationalbibliothek ihre Strategischen Prioritäten 2021-2024 veröffentlicht. Mit einem starken Fokus auf dem Digitalen. Nicht etwa, weil uns die gedruckten Medien nichts wert wären. Ganz im Gegenteil, dieser Teil unseres Bestandes ist uns weiterhin enorm wichtig.

Zeichnung des Titelblatts der Strategischen Prioritäten 2021-2024
Illustration Strategische Prioritäten 2021-2024, Zeichnung: Deutsche Nationalbibliothek, Susanne Oehlschläger, CC BY SA 3.0 DE

Wir haben jahrzehntelang Expertise darin aufgebaut, wie wir damit umgehen, ihn bewahren und verwalten. Das bleibt uns erhalten. Aber in einer digital geprägten Welt brauchen wir mehr. Gerade die Wertschätzung für die physischen Bestände verlangt nach einer angemessenen Präsentation. Und die muss auch digital immer besser werden.

Hinzu kommt, dass wir seit Kurzem mehr als 10 Millionen Netzpublikationen zur Nutzung anbieten. Täglich werden es mehr: Netzpublikationen stellen inzwischen rund 60% unseres Zugangs dar. Unser Gesamtbestand beträgt aktuell mehr als 42 Mio. Medieneinheiten. Knapp ein Viertel unserer Bestände ist also mittlerweile rein digital. Und dieses Verhältnis wird sich perspektivisch weiter zugunsten der Netzpublikationen verändern. Nicht etwa, weil es von Jahr zu Jahr weniger gedruckte Neuerscheinungen im Verlagsbuchhandel gibt. Sondern weil immer mehr Netzpublikationen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das ist schon daran abzulesen, dass rund die Hälfte der Netzpublikationen allein aus den letzten drei Jahren stammt. „Rückenwind für eine zentrale strategische Priorität der DNB“, so Frank Scholze, Generaldirektor der Deutschen Nationalbibliothek. Denn wir wollen „unsere digitalen Sammlungen weiter ausbauen“.

Digitaler werden

Zeichnung einer Brille, im Hintergrund sind Nullen und Einsen zu sehen
Zeichnung: Susanne Oehlschläger, CC BY SA 3.0 DE

Wir wollen auch künftig unsere Funktion als kulturelles Gedächtnis zeitgemäß erfüllen. Deshalb schauen wir stärker als bisher auf alle Prozesse und Verfahren durch die „digitale Brille“. So können wir unseren gesetzlichen Auftrag auch in der Digitalität leben. Und zwar sowohl beim Sammeln, Organisieren und Bewahren analogen Materials als auch digitaler Publikationen und von Online-Ressourcen. Seit unseren Gründungstagen passen wir Arbeitsabläufe und Methoden immer wieder an die Bedingungen neuer Medien- und Publikationsformen an. Das Vorgehen hat sich bewährt. Nehmen wir das Beispiel Katalogisierung: Anfang des 20. Jahrhunderts erfolgte sie handschriftlich auf Titelkarten. Diese wurden manuell in alphabetischer Folge in Katalogkästen einsortiert. Es folgten Vervielfältigungsmöglichkeiten der Karten, die weiterhin manuell – und damit fehleranfällig – einsortiert werden mussten. Geradezu revolutionär wurde Mitte der 1960er Jahre damit begonnen, Bibliografien mit EDV-Unterstützung zu erstellen. Später wurde direkt in Datenbanken katalogisiert, die Recherchen in Online-Katalogen ermöglichten. Damals legten Bibliothekar*innen die ersten digitalen Schichten über die analogen Bestände und erzeugten erstmals digitale Metadaten. Und setzten so auch den Grundstein für die Zukunft. Heute werden viele Erschließungsdaten aus den Titelmeldungen des Verzeichnisses lieferbarer Bücher übernommen. Und Netzpublikationen bringen ihre Metadaten gleich selbst mit und werden so automatisiert erschlossen.

Spartenübergreifend kooperieren

Damals wie heute sind wir mit unseren Daten und Dienstleistungen Teil eines umfassenden Informationsnetzwerks von Gedächtnisinstitutionen und anderen Einrichtungen. Wir sind davon überzeugt, die anstehenden Herausforderungen nur kooperativ und spartenübergreifend meistern zu können. Lebende Beispiele dafür sind die Deutsche Digitale Bibliothek und die Gemeinsame Normdatei. Sie stehen unter anderem mit ihrer konzeptionellen, technologischen und organisatorischen Öffnung dafür.

Zeichnung mit sechs Symbolen zur Illustration von Strategiefeldern
Zeichnung: Susanne Oehlschläger, CC BY SA 3.0 DE

Grundlagen schaffen

Um diese Strategischen Prioritäten verfolgen zu können, müssen wir uns als Lernende Organisation weiterentwickeln. Dazu wollen wir unsere Arbeits-, Organisations-, Personal- und IT-Strukturen stärken. Und wir wollen für alle Aufgaben zeitgemäße Informations- und Kommunikationsmittel einsetzen und auch automatisierte Verfahren einbeziehen. So wollen wir sowohl hausintern als auch mit anderen weiterhin gut kooperieren. Und all dies zusammen ist – wenn man so will – eine notwendige Voraussetzung zum Verfolgen der anderen Prioritäten.

Zeichnung zur Illustration von Menschen
Zeichnung: Susanne Oehlschläger, CC BY SA 3.0 DE

Auch bei der Deutschen Nationalbibliothek macht sich der demografische Wandel bemerkbar. Deshalb gehören eine stärker strategisch ausgerichtete Personalplanung und Fortbildung zu unseren obersten Prioritäten. Wir sehen uns dem Ziel der Diversität verpflichtet und bieten verstärkt Arbeitsmöglichkeiten für Menschen ohne einschlägige Bibliotheksausbildung an. Außerdem wollen wir häufiger agil und in Overlay-Strukturen zusammenkommen, um Aufgaben besser und schneller zu bearbeiten. Ein wunderbares Beispiel dafür ist die Realisierung dieses Blogs.

Fazit

Das erste Jahr des aktuellen Strategie-Zyklus ist bald zu Ende. Dann wird es Zeit für eine Bestandsaufnahme für 2021, auch um die Maßnahmen für 2022 zu planen. Für dieses Jahr hatten wir uns eine Menge vorgenommen und auch vieles geschafft. Manches wird ins nächste Jahr übertragen werden. Und dabei handelt es sich hier „nur“ um die Maßnahmen zu den Strategischen Prioritäten. Sie wurden als besonders wichtig herausgegriffen und beschrieben. Von mindestens gleich hoher Bedeutung sind die unzähligen Aktivitäten, Arbeiten und Routinetätigkeiten des sogenannten Tagesgeschäfts. Sie sind in den Strategischen Prioritäten bewusst nicht erwähnt. Dennoch sind sie ein tragender Pfeiler, auf den sich die Arbeit der Deutschen Nationalbibliothek stützt!

*Nachweis Beitragsbild auf der Startseite:Zeichnung: Susanne Oehlschläger, CC BY SA 3.0 DE

4 Kommentare zu „Zukunft beginnt genau jetzt!“

  1. Franziska Stein-Reitz sagt:

    Die Zeichnungen sind sehr schön und erheitern einen beim Lesen. Danke!

  2. Walter Ritzmann sagt:

    Bravo! Weiter so. Als 73jähriger war ich in den Anfängen schon dabei und heute hinke ich etwas hintennach, aber Ihre Unterstützung im Bibliothekenverbund etc., nebst meiner Webseite, freut mich sehr. Ein neues Buch von mir ist unterwegs. Danke für Ihre Mühe.

  3. Juttar sagt:

    Das bietet mir einen interessanten Zugang zu den Zukunftsplänen der DNB und den aktuellen Konzepten.
    Die Grafiken dazu sind ansprechende Lockrufe!
    Danke, ich komme mit 🙂

  4. Meyer sagt:

    Schöner Text und schöne Zeichnungen!

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