Zwischen den Regalen – Frank Winter

8. Oktober 2026
Das Interview führteElke Jost-Zell

In Zwischen den Regalen kommen Nutzende der Deutschen Nationalbibliothek zu Wort. Sie kommen aus unterschiedlichen Gründen und aus unterschiedlichen Bereichen. Sie nutzen die Lesesäle in Leipzig und Frankfurt als Recherche, Arbeits- oder Lernort. Hier geben sie Einblicke in ihre Arbeit, stellen Projekte vor und erzählen ihre Geschichte. Heute: Frank Winter

Der Autor Frank Winter mit seinem Buch Badisch vor einer Bücherwand
Von Büchern umgeben: Frank Winter im Lesesaal der DNB Frankfurt am Main
Foto: Jana Hansen, DNB

Frank Winter ist Buchautor und Redakteur und kennt die DNB in Frankfurt seit seiner Studienzeit. Damals hieß sie noch „Deutsche Bibliothek“ und war gegenüber der Universitätsbibliothek, mit Blick auf den Palmengarten, untergebracht. Heute nutzt er die DNB für Recherchen und das Schreiben seiner Sachbücher und Romane in den lichtdurchfluteten Lesesälen mit Blick auf das Grün des Bibliotheksgartens. Frank Winter ist ein Freund der Sprache und der Literatur. Mit uns spricht er über das Frankforderische und das Badische, aber auch über das Schottische und Kulinarische, bevor wir eines seiner Bücher an seinem Standort im Magazin besuchen.

Stellen Sie sich doch einmal kurz vor, bitte.

Mit Vergnügen. Frank Winter schimpfe ich mich. Andere machen das auch. Nun aber ohne Scherz: Ich bin in Karlsruhe geboren und aufgewachsen. In Frankfurt habe ich Germanistik (Hauptfach), Soziologie und Philosophie studiert. Die Stadt hatte bei meinen Disziplinen sehr viel mehr zu bieten als meine Heimat. Soziologie bei den Professoren Oevermann und Kellner, Philosophie bei Karl-Otto Apel und Alfred Schmidt zu studieren, war schon großartig und ich habe es nie bereut. Allerdings verwirrte mich als Germanist aus dem Lande Baden zu Beginn, dass das „sch“ an den falschen Stellen auftaucht. In Karlsruhe sagt man z.B. „ich bin“ und nicht „isch bin“. Das Wörtchen „isch“ wird im Süden eher als Verb verwendet: „Heute isch schönes Wedder.“ Noch ein Beispiel für Bankenstadts „Sch-Verschiebung“: „mäschdisch bundisch“ und „rischdisch eschlisch“, für „außerordentlich bunt“ und „richtig eklig“. Großartig!

Nach dem Studium habe ich ein klassisches Volontariat absolviert und mit dem Titel Redakteur abgeschlossen, danach für diverse Verlage gearbeitet. Autor darf ich mich seit 1995 auch nennen. Insgesamt 14 Bücher konnte ich bislang publizieren.

Woran arbeiten Sie im Moment?

Im Prinzip koche ich ganzjährig Marmelade ein, besonders natürlich in den Erntemonaten. Moment, wir reden ja jetzt eher über Bücher. Im Herbst erscheint „Schottisch kochen“ in neuer Auflage im Oktober Verlag, wo auch meine kulinarischen Krimis und ein historischer Roman publiziert wurden. Es ist nach wie vor das umfangreichste Werk zum Thema, mit gut 50 Seiten zur Geschichte des Essens und Trinkens, wissenschaftlich fundiert, und 172 Rezepten, die alle funktionieren: so auch das zu Haggis, das einzige in allen deutschen und englischsprachigen Büchern. Gefüllter Schafsmagen ist Schottlands Nationalgericht. Bevor nun aber Leserinnen und Leser dieses Blogs den Schreck ihres Lebens bekommen: Haggis schmeckt überraschend gut, nicht so wie es sich anhört, und ich mag Innereien normalerweise gar nicht.

Das Buch kam erstmalig im Jahr 2014 heraus, damals im Verlag Die Werkstatt.

Der beschloss allerdings, die gesamte Kochbuch-Reihe vom Markt zu nehmen und sich anderen Themen zu widmen. Ich bringe das Buch nun auf den neuesten Stand. Das ist zum Beispiel die Zahl der Destillerien. Gewissermaßen ein Heimspiel, denn ich reise seit 1988 nach Großbritannien. Schottland ist nicht nur meine zweite Heimat, sondern auch eines meiner drei Themengebiete, neben Baden (wie in Baden-Württemberg) sowie Essen und Trinken. Häufig überschneiden sich die Gebiete auch.

Zweitens widme ich mich den Vorbereitungen für meinen achten Krimi um den Edinburgher Angus Thinnson MacDonald. Der Food-Journalist und Whisky-Experte ermittelt in seiner Freizeit in Sachen Verbrechen. Allerdings nur, wenn sich diese gegen authentisches Essen und Trinken richten, zum Beispiel jemand eine Soße versalzt. Im neuen Abenteuer wird es wieder um Whisky gehen. Zudem schreibe ich Artikel und rezensiere Bücher.

Warum die DNB?

Seit Beginn meines Studiums im Jahr 1985 gehe ich gerne in die Deutsche Nationalbibliothek in Frankfurt, damals bekanntlich noch im alten Gebäude. Fast hätte ich auch noch gesagt, an der alten Uni, denn die ist ja schon lange umgezogen. Nun, es ist schlicht die Tatsache, dass man jedes Buch ab dem Jahr 1945 in die Lesesäle bestellen kann. Immer wieder faszinierend und unschätzbar hilfreich.

Der Autor Frank Winter mit seinem Buch Badisch im Fenster sitzend
Lesen in nautischem Ambiente des „Bibliotheksschiffes“ DNB – Frank Winter blättert in seinem Buch „Badisch“
Foto: Jana Hansen, DNB

Welches Potenzial hat die Sammlung für Sie?

Dazu möchte ich gerne ein Beispiel geben. Für mein zuletzt erschienenes Buch, einen Duden-Band zum badischen Dialekt mit dem Titel „Badisch. Von Huschdegudsl, Babbedeggl und Debbichbatscher“ (das sind Hustenbonbons, Pappkartons und Teppichklopfer) habe ich ausgiebig in der Deutschen Nationalbibliothek geforscht, weil sie umfangreicher bestückt ist als die Badische Landesbibliothek in Karlsruhe. Das ist vielleicht etwas ungerecht formuliert. Sagen wir lieber komplett bestückt. Übrigens, das möchte ich gerne zur Erklärung und nicht aus Gründen der Eigenwerbung sagen: Mein Duden ist nicht wie ein klassisches Wörterbuch aufgebaut, sondern besteht aus thematischen Aufsätzen, die alle einen linguistischen Bezug haben. Zum ersten Mal seit 30 Jahren musste ich ein Missverständnis über eines meiner Bücher aufklären. Verzweifelte Buchhändlerinnen gingen davon aus, dass ich bei einer Lesung einfach Worte von A bis Z vorlesen würde. Haha!

In der DNB, um auf diese zurückzukommen, konnte ich ALLE relevanten Aufsätze und Bücher zum Thema sichten, zudem Ideen für den Aufbau des Bandes entwickeln und nicht zuletzt auch vor Ort schreiben.

Frank Winter an einem Arbeitstisch im Lesesaal der DNB
Recherchieren und Schreiben vor idyllischem Grün: Frank Winters Bücher entstehen auch in den Lesesälen der DNB Frankfurt am Main
Foto: Jana Hansen, DNB

Wo fühlen Sie sich in der DNB am wohlsten?

Am liebsten würde ich immer im oberen Lesesaal, mit Blick auf den Garten sitzen. Doch würde dann meine Arbeit leiden. Eben weil der Ausblick so schön ist und ich mehr aus dem Fenster schauen als lesen und schreiben würde. Wenn ich in Frankfurt bin, sitze ich deshalb meistens im sogenannten Sockelgeschoss, also ganz unten, mit dem Garten zu meiner Seite. Oder so, dass er nur erkennbar ist, wenn ich den Kopf recke. Auch die Klima-Anlage ist nicht zu verachten. Vor allem im tropischen Sommer ist sie ein technischer Segen. Manchmal wechsle ich und lese die Zeitung auf einem der bequemen Sessel, gerne im ersten Obergeschoss. Ich besitze zwar selbst eine Bibliothek mit über 10.000 Bänden. Aber der Anblick der großen Bücherwand, Barockwand genannt, im Erdgeschoss ist einfach großartig und erfreut mich immer wieder aufs Neue.

Nicht zu vergessen, der Austausch mit den kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von der Ausleihe, die einem immer freundlich und kompetent zur Seite stehen. So wird wirklich jeder Aufenthalt äußerst angenehm: Mein ganz großer Dank geht deshalb an dieses Team wie auch an die Damen und Herren von der Sicherheit!

Das Buch Badisch im Regal des Büchermagazins der DNB
Das Buch „Badisch“ an seinem Platz im Magazin der DNB in Frankfurt
Foto: Elke Jost-Zell, DNB

*Nachweis Beitragsbild auf der Startseite:Jana Hansen, DNB

Schreibe einen Kommentar

Kommentare werden erst veröffentlicht, nachdem sie von uns geprüft wurden.
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Über uns

Die Deutsche Nationalbibliothek ist die zentrale Archivbibliothek Deutschlands.

Wir sammeln, dokumentieren und archivieren alle Medienwerke, die seit 1913 in und über Deutschland oder in deutscher Sprache veröffentlicht werden.

Ob Bücher, Zeitschriften, CDs, Schallplatten, Karten oder Online-Publikationen – wir sammeln ohne Wertung, im Original und lückenlos.

Mehr auf dnb.de

Schlagwörter

Blog-Newsletter

In regelmäßigen Abständen erhalten Sie von uns ausgewählte Beiträge per E-Mail.

Mit dem Bestellen unseres Blog-Newsletters erkennen Sie unsere Datenschutzerklärung an.

  • ISSN 2751-3238