3 Fragen an … Matthias Hohner

26. November 2021
von Josephine Kreutzer und Matthias Hohner

In der Serie „3 Fragen an …“ stellen wir regelmäßig Gesichter der Deutschen Nationalbibliothek vor. Heute: Matthias Hohner. Er arbeitet seit sechs Monaten in der Deutschen Nationalbibliothek im Referat Architektur und Entwicklung.

Portraitfoto von Matthias Hohner
Matthias Hohner, Foto: Josephine Kreutzer (urheberrechtlich geschützt)

Lieber Herr Hohner, Sie arbeiten im Fachbereich IT der Deutschen Nationalbibliothek. Wie sieht Ihre Tätigkeit aus?

Ich bin am Standort Frankfurt am Main als Softwareentwickler seit etwa sechs Monaten angestellt. Der Schwerpunkt meiner Aufgaben ist die Weiterentwicklung der Software und Prozesse, die für den Import von Netzpublikationen in die digitalen Langzeitarchive der Deutschen Nationalbibliothek und deren Bereitstellung an interessierte Nutzer*innen verwendet wird. Somit helfe ich dabei, den gesetzlichen Sammelauftrag der Deutschen Nationalbibliothek, der sich auch auf digitale Veröffentlichungen erstreckt, zu erfüllen. Vor kurzer Zeit wurde die 10-millionste Netzpublikation in die Langzeitarchive der Deutschen Nationalbibliothek importiert. Dies ist ein gutes Beispiel dafür, dass die dafür genutzte Software fit sein muss, um für die stetig wachsende Anzahl von veröffentlichten Netzpublikationen gerüstet zu sein.

In welchem Bereich arbeiten Sie und wie ist die Zusammenarbeit mit Kolleg*innen?

Organisatorisch ist meine Arbeitsstelle im Fachbereich IT Informationsinfrastruktur im Referat IT3 Architektur und Entwicklung angesiedelt. Täglich arbeite ich natürlich eng mit meinen Entwickler-Kolleg*innen, aber auch mit den Kolleg*innen aus anderen IT-Referaten und aus den Fachbereichen zusammen. In manchen Bereichen ist die Zusammenarbeit nach Prinzipien der agilen Softwareentwicklung organisiert. Als Neuling im Bereich des Bibliothekswesens wurde ich herzlich aufgenommen und lerne viel Neues über die Fachlichkeit, die Prozesse und die Technik des Bibliothekswesens.

DNB und IT – wie passt das zusammen?

Auf den ersten Blick scheinen das Bibliothekswesen und die Informationstechnik nicht unmittelbar zusammenzuhängen. Wenn man jedoch bedenkt, dass immer mehr Medien digital erscheinen (wie zum Beispiel E-Books, Hörbücher oder Musikstücke), ist es logisch, dass die klassischen Aufgaben einer Bibliothek wie unter anderem Erwerbung, Erschließung, Bereitstellung oder Langzeitarchivierung sich auch auf den digitalen Bereich erstrecken. Für jede dieser Tätigkeiten wird Software benötigt, die entworfen, programmiert, betrieben und aktualisiert werden muss.

Darüber hinaus bietet der riesige Datenbestand über gesammelte körperliche und digitale Veröffentlichungen – sogenannte Metadaten – vielfältige Möglichkeiten im Kontext der Digitalisierung: Für Wissenschaftler*innen und andere Interessent*innen können diese Daten über Online-Schnittstellen bereitgestellt werden, so dass Analysen, die früher sehr zeitintensiv waren, in kurzer Zeit und ohne physische Anwesenheit durchgeführt werden können. Ein Beispiel hierfür ist das DNBLab.

Ebenso helfen Methoden aus den Bereichen des maschinellen Lernens und der Data Science dabei, klassische Aufgaben der Bibliothek zu unterstützen oder zu automatisieren und decken neue Möglichkeiten auf. Etwa bei der Digitalisierung des physischen Bestandes, die über simples Einscannen hinaus geht: Eine Aufgabe ist hier das Erzeugen von durchsuchbaren Volltexten des Inhalts mit Hilfe von automatisierter Texterkennung.

Zusammengefasst: Der physische und digitale Bestand der Deutschen Nationalbibliothek kombiniert mit der bibliothekarischen Expertise der Kolleg*innen ist im Zeitalter der datengetriebenen Informationstechnik ein wertvoller Schatz, der mit Unterstützung der IT gehoben werden kann.

Vielen Dank, Herr Hohner!

*Nachweis Beitragsbild auf der Startseite:DNB, Josephine Kreutzer (urheberrechtlich geschützt)

Ein Kommentar zu “3 Fragen an … Matthias Hohner”

  1. Vivienne Wang sagt:

    Echt interessanter Artikel! Man spricht jeden Tag über Digitalisierung, aber man denkt darunter oft nur an den Handys, Computers und Internet. Aber gerade in den Bereichen wie Bibliothek, wo man oft gar nicht mit den modernen Wörter wie Big Data, AI und Maschine Learning assoziiert, hat den großen Potential zu digitalisieren und wird auch von der Digitalisierung profitiert: nicht nur die Langzeitarchievierung, auch einfacher und vielfaltiger Benutzung für den User und Gesellschaft.
    Ich hoffe bald kann man wieder solche interessante Artikel lesen können, wäre auch ganz gut mit mehr Details bzw. Insights.
    Bravo!

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