5. Erweiterungsbau in Leipzig geplant

3. November 2021
von Michael Fernau und Jörg Räuber

Unser Bestand wächst kontinuierlich

Bei der Planung des Gründungsbaues der damaligen Deutschen Bücherei in Leipzig vor über hundert Jahren wurde klug und vorausschauend abgeschätzt, dass künftig alle 20 Jahre eine Gebäudeerweiterung für die heutige Nationalbibliothek am Deutschen Platz in Leipzig nötig werden würde. Der jüngste, vierte Erweiterungsbau wurde 2011 bezogen und wegen verspäteter Fertigstellung schon im ersten Jahr mit bis dahin übergangsweise zwischengelagerten 30 Regalfachboden-Kilometern (!) voll mit Büchern, Schallplatten, DVDs und anderen Medienwerken beladen. Seitdem sind jährlich weitere vier Regalkilometer hinzugekommen: Belegstücke sämtlicher Veröffentlichungen aus Deutschland, ob Verlagsprodukt oder privat vertrieben, Texte und Musikstücke aller Sprachen, Auslandspublikationen mit inhaltlichem Bezug zu Deutschland, oder in deutscher Sprache, Übersetzungen und aus Deutschland lizensierte Publikationen – zusammen jeden Tag 1.500 Stück, die etwa 15 Meter Regalplatz brauchen – allein im Leipziger Haus der Deutschen Nationalbibliothek!

Elektronische Publikationen, die die Nationalbibliothek parallel archiviert, brauchen anderen Speicherplatz, viel kompakter, auch wenn deren Zugang mittlerweile das Dreifache des Zugangs von körperlichen Medienwerken ausmacht. Die analoge Text- und Musikproduktion hat durch die digitalen Veröffentlichungen aber kaum nachgelassen – und sie muss weiterhin bewahrt und zugänglich gehalten werden. Wir als kulturelles Gedächtnis wollen und müssen die Gesamtheit all dessen abbilden, was in unserem Land öffentlich gedacht, verhandelt, diskutiert und erörtert wird. Der physische Inhalt von Bücherregalen kann wiederum Stromausfall und Magnetsturm überdauern und auch Authentizität und Vollständigkeit von Digitalisaten beweisen, wenn wir nicht ohnehin ein gut ausgestattetes und kunstvoll gemachtes Buch gerne selbst in die Hand nehmen wollen.

Die Magazine sind in drei Jahren voll. Es wird außerdem dringend Platz benötigt, auch um die letzten historischen Speicher im Gründungsbau freizuräumen. Die Umlagerung der dort untergebrachten Medien in besser zu bewirtschaftende Räume für Papier, Metallfolien und Kunststoffe eröffnet zugleich die Möglichkeit, vielfältigere Arbeitsräume zu allgemeiner Bibliotheks-, Archiv- und Museumsnutzung gewinnen, ausstatten und anbieten zu können.

Unser Bauvorhaben

Die obersten Gremien der Nationalbibliothek unterstützen daher Neubauplanungen für einen Leipziger Erweiterungsbau. Am 1. Oktober 2021 hat der Verwaltungsrat der Bibliothek, in dem Verbände aus der Kulturwirtschaft, der Bundestag und Ministerien vertreten sind, unter Vorsitz des Amtschefs bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien den Vorbereitungen nochmals zugestimmt. Auf etwa 80 bis 100 Millionen Euro werden zurzeit die Kosten geschätzt, die für die Finanzplanung anzumelden sind. Zuvor konkretisiert die Bibliothek den Raum- und Ausstattungsbedarf bis hin zu den klimatechnischen Anforderungen und den Maßgaben für nachhaltiges Bauen. Für manche Anforderungen bieten die vorigen Erweiterungsbauten möglicherweise Lernmaterial: Energie und Klimatisierung werden für den Bücherturm und den Magazin- und Museumsneubau am Deutschen Platz aus Geothermie gewonnen.

Platz für ein weiteres Gebäude findet sich auf dem Gelände der Bibliothek. Dabei sind stadtplanerische, denkmalschützende und viele andere Belange zu berücksichtigen und schließlich auch geologische und hydrologische Bedingungen einzuplanen. Der Verlauf des Grundwasserspiegels beispielweise bildet auf den rund 9 Hektar des Deutschen Platzes eine eigene Landschaft. Spannende Aufgaben, für deren Bearbeitung die Bibliothek mit den Staatsbaubehörden des Freistaats Sachsen, dem Bundesbaureferat im Dresdner Finanzministerium und dem Staatsbetrieb Immobilen- und Baumanagement in Leipzig, eng zusammenwirkt.

Ein solches Bauvorhaben für das Leipziger Haus der Deutschen Nationalbibliothek stärkt natürlich die Verfügbarkeit von Wissensquellen und deren Nutzung für Forschung, Studium und Praxis. In der Nationalbibliothek werden so zugleich von Frankfurt am Main und von Leipzig aus in Europa und weltweit Dateninfrastrukturen bereitgestellt und inhaltlich unterfüttert. Dies umfasst durch die umfangreichen Digitalisierungsarbeiten in Leipzig schließlich auch die dringlich auszubauende Erschließung von Textquellen für die digitale Nutzung.

Die zurzeit anstehende Regierungsneubildung sollte die Planungsschritte dabei nicht verzögern, weil diese selbst in den nächsten zwei Jahren zunächst aus weiterer Konkretisierung und Abstimmung ebendieser Planungen bestehen, bevor ein Grundstein gelegt werden kann. Wo dieser liegen könnte – näher an der Alten Messe, der Philipp-Rosenthal- oder der Semmelweis-Straße, sollte aber hoffentlich bald geklärt werden können.

*Nachweis Beitragsbild auf der Startseite:Eric Kemnitz, CC BY SA 3.0 DE

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