„An der schönen blauen Donau“
Mit beschwingten Klängen setzte Johann Strauß mit seinem „Donauwalzer“ dem großen Strom ein musikalisches Denkmal. Über 3000 Kilometer schlängelt sich die Donau durch Südeuropa und verbindet dabei zehn Länder: von der Quelle im Schwarzwald in Deutschland über Österreich, die Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Bulgarien, Rumänien und die Republik Moldau bis zur Ukraine, bevor sich schließlich das Donaudelta ins Schwarze Meer öffnet. Sozusagen „Europa im Fluss“, wie es so schön auf der Seite der Leipziger Buchmesse zu lesen ist.

Und wie die Donau verbinden auch Bücher und die Lust am Lesen Menschen über Ländergrenzen hinweg. Passenderweise ist sie unter dem Motto „Donau – Unter Strom und zwischen Welten“ auch das Fokusthema der Leipziger Buchmesse 2026 mit vielen Sonderveranstaltungen, die zeigen sollen, „[…] wo Geschichten im Donauraum verbinden oder trennen: literarisch, historisch, gesellschaftlich und politisch.“ Für nähere Informationen zum diesjährigen Fokusthema: bitte hier entlang.
Auch den Bestand der Deutschen Nationalbibliothek durchzieht dieser Strom im wahrsten Sinne des Wortes. Aus unterschiedlichsten Zeiten und Kontexten findet sich in den endlosen Regalen (und Servern) so manches Interessante – seien es verschiedene verschiedene Noten und Konzertaufnahmen unter dem Werknormdatensatz des eingangs bemühten Donauwalzers, dem geografischen Normdatensatz der Donau selbst oder dem Normdatensatz der Donau als Motiv in Kunst und Literatur. Die Vielfalt von Bildbänden, Reiseführern, Städtebeschreibungen, Wasserwanderführern, Kreuzfahrt-Guides oder Karten hält für fast jede und jeden etwas Interessantes bereit.
Will man sich das Antlitz des Flusses abseits der großen Anbieter von Online-Karten vor Augen führen, sind historische Karten das Mittel der Wahl – so etwa die faszinierende Pasetti-Karte (benannt nach dem Hydrotechniker und Ministerialbeamten Florian von Pasetti) der Donau. Sie zeigt den Fluss samt Uferlandschaft von der deutsch-österreichischen Grenze bis zum Tal des „Eisernen Tors“ im Zustand vor den Donauregulierungen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Auf den zwischen 1862 und 1867 in sechs Lieferungen erschienenen lithografierten Blättern finden sich zahlreiche Details zu Ufern, Strömungen, Tiefen und Verkehrswegen. Sogar auf den Weltausstellungen in London (1862) und Paris (1867) wurde die Karte präsentiert. Die Österreichische Nationalbibliothek verwahrt zwei Exemplare dieses Kartenwerks und hat es auch in digitalisierter Form online zugänglich gemacht.
Zwar gibt es in der Deutschen Nationalbibliothek keine Ausgabe der Pasetti-Karte (mit ihrem Erscheinen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts liegt sie vor unserem Sammlungszeitraum ab dem 1. Januar 1913), aber Karten der Donau finden sich auch in der Kartensammlung der DNB. Zum Beispiel die „Karte der österreichischen Donau“. Herausgegeben vom „Bundesministerium für Handel und Verkehr“ in den 1930er-Jahren, zeigen die auf den ersten Blick unscheinbaren sechs Umschläge in Leporello-Form den gesamten Verlauf der Donau innerhalb der Grenzen der Republik Österreich im Maßstab 1:10 000.
Ein auffallendes Merkmal, das diese Karte mit der Pasetti-Karte gemeinsam hat, ist ihre „Konstruktion“ zur Darstellung der Flussbiegungen mithilfe in die Blätter gefalteter „Kurven“. Wollte man die Karte physisch in voller Länge präsentieren, bräuchte es sehr, sehr viel Platz – wir haben es für Sie ausprobiert. Die Fläche auf den Kartenschränken ist neun Meter lang und zwei Meter breit – und immer noch zu klein.



Wussten Sie übrigens, dass es bei Wikipedia eine eigene Liste mit allen Donaubrücken gibt? Über 300 Bauwerke spannen sich über den Fluss und verbinden die Landschaft, wo der Fluss sie teilt. Wobei – er verbindet ja eigentlich mehr, als dass er teilt. Genau wie Bücher (gedruckt und digital), die Lust am Lesen und natürlich die Buchmesse.
Tom Diener
Tom Diener ist Bibliothekar und Mitarbeiter in der Kartensammlung der Deutschen Nationalbibliothek am Standort Leipzig.






