DDC-Sachgruppen bereit für Linked Data!
Die DDC-Sachgruppen sind ein fachliches Gliederungssystem aus 100 Klassen, das auf der Dewey-Dezimalklassifikation (DDC) basiert. Sie werden möglichst umfassend für alle in der Deutschen Nationalbibliothek gesammelten Publikationen vergeben (für Printpublikationen intellektuell und für Online-Publikationen maschinell) [1] und auch außerhalb der DNB vielfältig eingesetzt. Seit Kurzem stehen die DDC-Sachgruppen auch als SKOS-Vokabular zur Verfügung und sind damit offiziell Teil der Linked-Data-Landschaft der DNB sowie des Semantic Web.
Vielerorts und vielseitig eingesetzt
DDC-Sachgruppen haben nicht nur einen Verwendungszweck: Die Deutsche Nationalbibliografie ist nach ihnen gegliedert ebenso wie die Nationalbibliografien der Österreichischen und Schweizerischen Nationalbibliothek. Darüber hinaus werden sie im gesamten deutschsprachigen Raum zur Wissensorganisation verwendet, beispielsweise in Katalogen und Projekten als fachlicher Suchfilter oder als Gliederung für die Buchhandelsstatistik des Börsenvereins (MVB).
Wie sind die DDC-Sachgruppen aufgebaut?
Grundsätzlich orientieren sich die DDC-Sachgruppen an der zweiten Hierarchieebene der Dewey-Dezimalklassifikation. Um suchrelevante Fächer als eigene Sachgruppen ausweisen zu können, wird jedoch in einigen Fällen eine spezifischere Notation der dritten und vierten Ebene der DDC berücksichtigt. Die Notationen bestehen meist aus drei und manchmal aus vier Ziffern; bei vier Ziffern folgt nach der dritten Stelle der bekannte Dewey-Punkt.
| 004 | Informatik |
| 330 | Wirtschaft |
| 621.3 | Elektrotechnik, Elektronik |
| 840 | Französische Literatur |
Eine Sonderrolle nehmen Schulbücher (Sachgruppe S) sowie Kinder- und Jugendliteratur (Sachgruppe K) ein: Würde man sie nach der DDC einordnen, wären sie über viele Sachgruppen verstreut, was die gezielte Suche nach ihnen erschweren würde. Außerdem wird, zusätzlich zu den Sachgruppen der Literatur, die Sachgruppe B vergeben, um die Belletristik von der wissenschaftlichen Sekundärliteratur trennen zu können. Neben den ziffernbasierten Sachgruppen gibt es also auch diese drei, die als Kennzeichnung einen Buchstaben erhalten.
Eine vollständige Übersicht der DDC-Sachgruppen mit ihren deutschen und englischen Klassenbenennungen finden Sie in zwei pdf-Dateien:
Die DDC-Sachgruppen für Mensch und Maschine
Im Katalog der DNB werden die Notationen jeweils mit ihren deutschen Klassenbenennungen angezeigt, so dass sofort ersichtlich ist, für welches Fach die Ziffernfolge bzw. der Buchstabe steht. Ein Beispiel:

Im Datenaustausch ist dies aber anders: Dort werden die Benennungen nicht mitgeliefert. Wofür die Notation steht, muss in der pdf-Datei nachgesehen werden. Dies ist für maschinelle Prozesse ungünstig, und auch für Menschen ist es ein zusätzlicher Aufwand.
Um die Weiterverwendung der DDC-Sachgruppen zu verbessern, stehen sie daher seit Kurzem als SKOS-Vokabular bereit (SKOS steht für Simple Knowledge Organization System). Mit diesem Standard des W3C (World Wide Web Consortium) lassen sich Begriffe, Kategorien und die Beziehungen zwischen ihnen klar und verständlich digital darstellen. Das ist ein wichtiger Schritt, um die Daten für Linked Data nutzbar zu machen. Kerngedanke von Linked Data ist, dass Daten nicht isoliert in Datenbanken oder Dokumenten liegen, sondern einen Mehrwert schaffen, indem sie miteinander verknüpft sind. Hierbei erhält jede Entität (z. B. Person, Schlagwort, Notation) eine eindeutige Adresse, die sogenannte URI (Uniform Resource Identifier).
Hinter URIs und Linked Data wiederum steht das Resource Description Framework (RDF). Dieser W3C-Standard speichert Informationen als Mini-Aussagen, sogenannte Triple aus Subjekt, Prädikat, Objekt. Dieses Modell wird auch bei den DDC-Sachgruppen angewandt, z. B. als Aussage „Sachgruppe 330 heißt Wirtschaft“. Durch ihre eigenen URIs sind die DDC-Sachgruppen nun maschinenlesbar, verknüpfbar und können Teil eines Wissensnetzwerks werden.
DDC-Sachgruppen im Linked-Data-Service der DNB
Die DDC-Sachgruppen werden im Linked-Data-Service der DNB kostenfrei bereitgestellt unter https://d-nb.info/standards/classification/ddc-sc. Einige Beispiele:
| Informatik | https://d-nb.info/standards/classification/ddc-sc#SG004 |
| Wirtschaft | https://d-nb.info/standards/classification/ddc-sc#SG330 |
| Elektrotechnik, Elektronik | https://d-nb.info/standards/classification/ddc-sc#SG621_3 |
| Französische Literatur | https://d-nb.info/standards/classification/ddc-sc#SG840 |
| Schulbücher | https://d-nb.info/standards/classification/ddc-sc#SG_S |
Über die URIs wie die für die Sachgruppe 330 Wirtschaft (https://d-nb.info/standards/classification/ddc-sc#SG330) können nun auch Maschinen abfragen, welche Bedeutung die Notation 330 hat.
Neben den deutschen und englischen Klassenbenennungen werden weitere Informationen über die Sachgruppe bereitgestellt, z. B. Hinweise zu deren Verwendung oder auf Themen in anderen Sachgruppen. Ebenfalls enthalten sind die URIs zu den vollständigen DDC-Notationen im OCLC-Webservice Dewey Linked Data. Dort kann man zwischen den Klassenbenennungen in den Sprachen Englisch, Deutsch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Norwegisch, Schwedisch und demnächst auch Arabisch wählen.
Aktuell werden in den Exportformaten für die Titeldaten der DNB lediglich die Notationen (also die Ziffernfolgen und Buchstaben) der DDC-Sachgruppen ausgeliefert. Zukünftig werden diese im Linked-Data-Format durch die URIs ersetzt, wodurch ihre maschinelle Nutzung und Verarbeitung erleichtert wird.
Die DDC-Sachgruppen, die bereits vielfältig zur Wissensorganisation eingesetzt werden, sind nun im Semantic Web verfügbar und können so effektiv mit anderen Daten in Projekten und Katalogen verknüpft werden.
[1] Grundlegende Informationen zu den DDC-Sachgruppen und zu deren Vergabe sind im Leitfaden unter https://d-nb.info/1052700705/34 zu finden.








