Paper of Graphic Art

16. September 2022
von Julia Rinck

Konferenz der International Paper Historians 2022

Vom 15. bis 20. August 2022 fand die 36. Konferenz der Internationalen Papierhistoriker (IPH) in Krems/Österreich statt. Alle zwei Jahre kommen dabei an wechselnden Orten Expert*innen der Papiergeschichte zusammen, um über neue wissenschaftliche Ergebnisse zu berichten, miteinander zu diskutieren und Informationen auszutauschen. Der IPH-Kongress bietet eine anregende Mischung aus Vorträgen, Diskussionen, Exkursionen und gesellschaftlichen Veranstaltungen.

Suminagashi, japanisches Marmoriertes Papier, 1908
Japanisches Marmoriertes Papier, Suminagashi, 1908, Sammlung Franz Bartsch. Foto: DNB / Julia Rinck

Von Europa bis zum Pazifik

Thema der diesjährigen Veranstaltung war „Paper of Graphic Art“. Schwerpunkte waren die Papierherstellung, insbesondere für Kunstwerke, Künstler*innen und die Wahl ihres Papiers sowie neue Technologien in der Papierforschung. Die Spannbreite der zahlreichen Vorträge reichte von Fragen zur Verwendung verschiedener Trägerpapiere für künstlerische Grafik, Architekturzeichnungen oder Objekte der Angewandten Kunst über die Bestimmungs- und Identifizierungsmöglichkeiten von Papieren mithilfe von Papierstruktur oder Wasserzeichen bis hin zu Digitalisierung-und Erschließungsprojekten. Die Teilnehmer*innen aus 19 Ländern brachten aus ihren jeweiligen Arbeitsbereichen und Sammlungen verschiedene regionale und kulturelle Aspekte ein, so neben europäischen Beispielen u.a. auch zu Papieren aus den Regionen des Pazifischen Ozeans und der maritimen Seidenstraße, aus Japan oder Mexiko.

Susanne Krause: Kleisterpapier, 2012
Susanne Krause: Kleisterpapier mit Verdrängungsdekor, Rekonstruktion nach Vorlagen aus dem 18. Jahrhundert, 2012. Foto: DNB / Julia Rinck
Rückseite eines Kleisterpapiers von Susanne Krause, 2012
Rückseite eines Kleisterpapiers von Susanne Krause (s. o.) mit dem Wasserzeichen des INGRES-Trägerpapiers. Foto: DNB / Julia Rinck

Buntpapiertechniken und Trägerpapier

Tagungsbeitrag des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek war der Vortrag „Super adornatus – Buntpapiere und ihre Trägerpapiere“ mit historischen und zeitgenössischen Beispielen aus den Sammlungen des Leipziger Buchmuseums. Die Präsentation stellte exemplarisch den Zusammenhang zwischen Buntpapiertechniken und Materialität der gestalteten Trägerpapiere dar: von japanischen Marmorierten Papieren (Suminagashi) oder Lederpapieren (Kinkawagami) über handgeschöpfte Bögen für europäische Brokatpapiere des 18. Jahrhunderts bis hin zur Verwendung maschinell gefertigter Papiere für zeitgenössische Blätter in historischen oder modernen Veredelungstechniken.

Dabei wurden spezifische Merkmale und Eigenschaften der verwendeten Papiere (Materialien wie Hadern/Lumpen oder Pflanzenfasern, typische Papierformate, Oberflächenstruktur, Wasserzeichen) aufgezeigt. Ein Blick auf den aktuellen Papiermarkt und die Probleme zeitgenössischer Buntpapiermacher*innen, passende Trägerpapiere für die unterschiedlichen Verfahren zu finden, spannte den Bogen in die Gegenwart.

Kankawagami, Japanisches Lederpapier,  1873
Japanisches Lederpapier, Kinkawagami, Fragment einer Tapete im Teesalon der japanischen Gartenanlage auf der Wiener Weltausstellung 1873. Foto: DNB / Julia Rinck

Neben den Fachvorträgen gab es im Umfeld der Tagung ein reichhaltiges fachlich-kulturelles Programm , so u. a. Exkursionen zum Stift Göttweig oder ins Österreichische Papiermachermuseum in Steyrermühl, Stadt- und Museumsführungen in Krems sowie eine Ausstellung des türkischen Marmorierkünstlers Nedim Sönmez.

Weiterführende Hinweise:

IPH-Website: http://www.paperhistory.org

Tagungsprogramm: Programme2022.pdf (paperhistory.org)

Abstracts (deutsch): IPH2022AbstractsGerman.pdf (paperhistory.org)

Abstracts (Englisch): IPH2022AbstractsEnglish.pdf (paperhistory.org)

Julia Rinck

Julia Rinck ist Kuratorin der Grafischen Sammlung und der Buntpapiersammlung im Deutschen Buch- und Schriftmuseum.

*Nachweis Beitragsbild auf der Startseite:Foto: DNB / Julia Rinck

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