Maschinelle Schlagwörter für ÖBs: eine Umfrage
Auf dem 9. Bibliothekskongress in Bremen wurden die Ergebnisse der Umfrage zur Datennutzung in Öffentlichen Bibliotheken im Rahmen von #Freiraum25 vorgestellt.
Konzipiert wurde der Fragebogen von der AG Erschließung Öffentliche Bibliotheken / DNB. Die AG wurde aufgrund der Neuausrichtung der intellektuellen Vergabe von Schlagwörtern durch die DNB gegründet und besteht aus Mitgliedern der DBV-Sektion 1 und der DNB. Die AG hat die Aufgabe, für ÖB-relevante Literaturbereiche Angebote unter Nutzung maschineller Verfahren zu entwickeln. Bereits seit September 2020 produktiv ist ein maschinelles Verfahren für die Kinder- und Jugendliteratur, dass aus den von den Buchverlagen vergebenen freien Deskriptoren mithilfe des KI-basierten Softwaretools Annif GND-Schlagwörter generiert.
Vor der Planung und Umsetzung weiterer Arbeitspakete, beispielsweise der Belletristik und der Sachliteratur, wurde mittels einer Umfrage der Bibliotheken der DBV-Sektionen 1, 2, 3a und 3b die Frage geklärt, ob und wie maschinell durch die DNB erzeugte GND-Schlagwörter nachgenutzt werden und welche Bedarfe Öffentliche Bibliotheken hinsichtlich der Erschließung haben.
Die Umfrage, die dankenswerterweise in der DBV-Geschäftsstelle mit einem entsprechenden Online-Tool umgesetzt und verteilt wurde, umfasste 10 Fragen zur Fremddatennutzung, 6 Fragen zu den Bedarfen und 3 Fragen zur antwortenden Bibliothek.
Die Umfrage fand im 1. Quartal 2025 statt, die Auswertung und Präsentation der Ergebnisse im 2. Quartal.
Beteiligt haben sich insgesamt 179 Bibliotheken:
| DBV-Sektion | Zahl der beteiligten Bibliotheken | Gesamtzahl in der jeweiligen Sektion |
|---|---|---|
| DBV-Sektion 1 >400.000 EW | 16 | 20 (80 %) |
| DBV-Sektion 2 100.000-400.000 EW | 22 | 87 (25 %) |
| DBV-Sektion 3a 50.000-100.000 EW | 43 | 104 (41 %) |
| DBV-Sektion 3b <50.000 EW | 98 | 1.153 (8,5 %) |
Eine Auswertung der Ergebnisse nach Sektionen erfolgte aufgrund der geringen Gesamtzahl der beantworteten Fragebögen nicht. Auch wenn die Ergebnisse nicht repräsentativ sind, vermitteln Sie doch einen Eindruck vom Nutzungsverhalten und den Bedarfen der Öffentlichen Bibliotheken.
Fremddaten werden von 86 % der Bibliotheken genutzt, wobei der größte Anteil (63 %) Daten der ekz nutzt, gefolgt von den Daten der DNB mit 48 %, dem Verbund und dem Buchhandel mit jeweils 25 %. Hier waren natürlich Mehrfachnennungen möglich. Dieses Ergebnis zeigt die hohe Relevanz von Fremddaten.

Bei der Frage, welche Daten der DNB genutzt werden, lag der Schwerpunkt auf der Nachnutzung der GND gefolgt von den Daten der Reihe A.

Die Metadaten der DNB werden zu 58% über die Schnittstellen der DNB übernommen, 24% übernehmen diese manuell und 18% mittelbar über die Verbunddatenbank. Diese Ergebnisse sind wichtig im Hinblick darauf, auf welchem Weg die Metadaten zugänglich sein sollen. Wenn fast ein Viertel der Nutzenden die Metadaten manuell übernimmt, reicht es zum jetzigen Zeitpunkt nicht, die Inhalte nur über die Schnittstellen nutzbar zu machen. Vielmehr ist mittelfristig eine Möglichkeit notwendig, die Metadaten im Online-Katalog der DNB umfassend anzuzeigen.

Konkret wurde auch nach der Nutzung der inhaltserschließenden Metadaten der DNB gefragt. Hier lag mit 78 % eindeutig der Schwerpunkt auf Nutzung der Schlagwörter, rund ein Viertel nutzt die Sachgruppen. Das Ergebnis bestärkt dahingehend, weitere maschinelle Verfahren zu etablieren, die Fremddaten in standardisierte Schlagwörter umsetzen.

Die Antworten auf die Frage nach der Nutzung der maschinell generierten Schlagwörter für die Kinder- und Jugendliteratur machen jedoch deutlich, dass dieses Angebot noch nicht ausreichend bekannt ist: nur 30% nutzen diese Schlagwörter. Hier muss das Angebot weiter bekannt gemacht werden, damit die Nachnutzung gesteigert wird. Möglich ist jedoch auch, dass die Schlagwörter genutzt werden, ohne das bewusst wahrgenommen wird, dass diese maschinell erzeugt wurden.

Erfreulich war die Rückmeldung hinsichtlich der Zufriedenheit mit der Qualität von Fremddaten zur Inhaltserschließung: zufrieden und mittelmäßig zufrieden waren 83% der Befragten, wenig zufrieden 17%.

Der Wunsch nach Schlagwörter ist wie erwartet sehr hoch für die Bereiche Sach- und Fachliteratur (93 %), die Kinder- und Jugendliteratur (83 %) und die Belletristik (78 %).

Diese Ergebnisse bestätigen, dass die bereits von der AG als relevant erkannten Gebiete in Zukunft bearbeitet werden sollen. Das würde die Übernahme von Metadaten verbessern und damit die große Zahl von Bibliotheken (66 %), die selber Schlagwörter vergeben, entlasten.

Die AG Erschließung ÖB/DNB möchte die vorhandenen Angebote der DNB für öffentliche Bibliotheken transparent machen, versteht sich als Forum für die Bedarfe der Öffentlichen Bibliotheken und steht offen für den Austausch über Erschließungsthemen. Wir freuen uns über Anregungen und Beiträge für die maschinelle Nachnutzung von Fremddaten.
Die AG Erschließung Öffentliche Bibliotheken / DNB freut sich über Rückmeldung, Anregungen, Kommentare und natürlich auch über eine Mitarbeit in der AG. Nehmen Sie Kontakt auf unter n.hude@dnb.de
Weitere Informationen:
- Poster BiblioCon 2024
- Maschinelle Erschließungsverfahren im Allgemeinen
- Mehr Informationen zur AG Erschließung Öffentliche Bibliotheken / DNB und eine detaillierte Darstellung der maschinellen Beschlagwortung der Kinder- und Jugendliteratur finden Sie im o-bib-Artikel Der Weg zur Gründung der AG Erschließung ÖB-DNB und die Entwicklung eines maschinellen Verfahrens zur Verschlagwortung der Kinder- und Jugendliteratur mit GND-Vokabular







