Persönliche und digitale Netzwerke: Die IAML-Konferenz in Salzburg
Die internationale Vereinigung der Musikbibliotheken (International Association of Music Libraries, Archives and Documentation Centers, IAML) veranstaltet jedes Jahr eine einwöchige Konferenz. In diesem Jahr, vom 6. bis 11. Juli 2025, war Salzburg Gastgeberin – ein besonderer Höhepunkt vor allem für viele englischsprachige Teilnehmende, die die Stadt nicht nur mit Wolfgang Amadeus Mozart, sondern auch mit dem Filmklassiker The Sound of Music verbinden.
Gut besucht
Mit rund 400 Teilnehmenden aus 30 Ländern und fünf Kontinenten war die Tagung hervorragend besucht und bot eine ideale Plattform für Austausch, Beratung und gemeinsames Planen. Dafür war der UNIPARK Nonntal mit seinen modernen Hörsälen und Arbeitsräumen sowie – während der Regenpausen – seiner Dachterrasse mit Burgblick hervorragend geeignet.


Künstliche Intelligenz als zentrales Thema
Während bei der Tagung in Südafrika 2024 vor allem Kolonialismus und De-Kolonialisierung im Fokus standen, rückten in Salzburg verstärkt technische Themen in den Mittelpunkt: Insbesondere die Sorgen, Chancen aber auch die bereits stattfindende Nutzung Künstlicher Intelligenz schienen allgegenwärtig. Sei es als Werkzeug bei der Nutzung von Datenbanken, um etwa natürlichsprachliche Anfragen in präzise SPARQL-Abfragen zu übersetzen, oder bei der Sorge, wie Bibliotheken mit dem wachsenden Anteil KI-generierter Medien umgehen sollen. Der Diskussionsbedarf übersteigt die verfügbaren Lösungen, weshalb anzunehmen ist, dass das Thema Künstlichen Intelligenz auch bei kommenden Tagungen eine zentrale Rolle spielen wird.
Das Deutsche Musikarchiv bei der IAML
Für die Deutsche Nationalbibliothek nahm Ruprecht Langer, der Leiter des Deutschen Musikarchivs, an der Tagung teil. In seinem Beitrag stellte er die abgeschlossenen technischen Prozesse beim Aufbau der Sammlung unkörperlicher Musikmedien (Audio) vor und gab einen Ausblick auf die nächsten Schritte in diesem ambitionierten Langzeitvorhaben. Ziel des Beitrags war in erster Linie nicht nur, zu informieren, sondern die ausgestreckte Hand hin zu allen, die ebenfalls einen gesetzlichen Sammelauftrag hinsichtlich digitaler Medien zu erfüllen haben, sich aber noch am Anfang der Entwicklungsarbeit befinden. Die zahlreichen Detailfragen gaben Zeugnis von der Relevanz des Beitrags, und vor allem Kolleg*innen aus Südosteuropa signalisierten, dass sie das Angebot der Unterstützung und Beratung gern annehmen wollen.
Konstituierende Sitzung der National Libraries Study Group
Von besonderer Wichtigkeit für das Deutsche Musikarchiv war die Sitzung der National Libraries Study Group, deren Gründer und Vorsitzender Ruprecht Langer ist. Diese Gruppe richtet sich an alle Interessierte, deren Institutionen Aufgaben zu erfüllen haben, die auch, aber nicht nur mit Nationalbibliotheken assoziiert werden. Während der diesjährigen Konferenz in Salzburg konnte erstmals eine konstituierende Sitzung in Präsenz stattfinden.
Statt einer festen Agenda nahm sich die Gruppe Zeit, einander die jeweiligen Institutionen mit ihren Plänen und Herausforderungen vorzustellen und gemeinsam eine Liste relevanter Themen zu entwickeln, über die in den kommenden Jahren diskutiert werden soll – darunter Cybersicherheit, die Pflichtablieferung unkörperlicher Medien, Definitionen einer nationalen Musiksammlung oder Möglichkeiten internationaler Zusammenarbeit.

Die neun Teilnehmenden repräsentierten verschiedene europäische Institutionen, darunter Nationalbibliotheken, Musikarchive, Staatsbibliotheken und nationale IAML-Sektionen.
Schon jetzt erfüllt die Arbeitsgruppe eine wichtige Funktion: Sie bietet eine Plattform für internationalen Ideenaustausch und kann gleichzeitig politischen Rückhalt für nationale Initiativen stärken – sowohl durch formelle Netzwerke als auch durch informelle, persönliche Kontakte.
Berge, Musik und neue Impulse
Traditionell hatte das Salzburger Ortskomitee ein lohnendes Rahmenprogramm zusammengestellt, mit Führungen durch verschiedene Bibliotheken, Archive und Komponistenhäuser, sowie einen Ausflug zum „Eagle’s Nest“, einem der Rückzugsorte Adolf Hitlers in den Alpen.

Solche Ausflüge bieten durch ihre informelle Atmosphäre eine besonders gute Gelegenheit, das Netzwerk auszubauen und Ideen auszutauschen. So plant Ruprecht Langer gemeinsam mit Kolleg*innen aus England, Ungarn, Polen und Österreich für die kommenden Monate Online-Formate für die IAML-Community, etwa zu Schnittmengen mit der Schwesterorganisation der IAML, der Vereinigung der Schallarchive (International Association of Sound and Audiovisual Archives), oder einen Online-Workshop zum Umgang mit Einbänden historischer Bücher.
Die kommenden Tagungen
Die Konferenz der deutschen Ländergruppe der IAML findet mit umfangreicher Beteiligung der Deutschen Nationalbibliothek vom 16. bis 19. September 2025 in Dresden statt. Die nächste internationale Tagung der IAML ist für den 28. Juni bis 3. Juli 2026 in Thessaloniki geplant.






