Spartengrenzen im digitalen Wandel

1. November 2021
von Frédéric Döhl

Am 17. August 2021 wurde in der Deutschen Nationalbibliothek das neue strategische Perspektivpapier Kulturen im digitalen Wandel. Perspektiven des Bundes für Vermittlung, Vernetzung und Verständigung der Bundesregierung vorgestellt. Herausgegeben von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien Monika Grütters (BKM), kondensiert das Perspektivpapier den Input der Arbeit einer Arbeitsgruppe, die im Auftrag der BKM seit Juli 2020 hieran arbeitete. Die DNB koordinierte diesen Prozess und die Erstellung des Perspektivpapiers. Es identifiziert prioritäre Arbeitsfelder für das politische Engagement in den kommenden Jahren zugunsten der weiteren digitalen Transformation des öffentlichen Kulturbereichs. Das Bibliothekswesen ist einer der zentralen Bereiche dabei.

In den aktuellen Ausgaben von Dialog mit Bibliotheken und B.I.T. Online sind ausführliche Vorstellungen erschienen. An dieser Stelle möchte ich hingegen einen zentralen Aspekt herausgreifen und auf diesen besonders hinweisen: die im Perspektivpapier anvisierte Stärkung spartenübergreifender Kooperation im Kontext des digitalen Wandels. Oder wie es in der übergeordneten allgemeinen Strategieplanung der Bundesregierung Digitalisierung gestalten. Umsetzungsstrategie der Bundesregierung heißt: „Die Strategie soll in einem spartenübergreifenden Ansatz Querverbindungen schaffen und widmet sich verschiedenen Aspekten der Digitalisierung im Kultur- und Medienbereich, wie dem Erhalt des kulturellen Erbes, der Vermittlung, der digitalen Produktion und der Forschung“ (S. 171).

Dieser Fokus auf verstärkt spartenübergreifende Kooperation in Sachen digitalem Wandel steht der DNB, die mit dem Deutschen Buch- und Schriftmuseum, dem Deutschen Exilarchiv 1933-1945 und dem Deutschen Musikarchiv selbst bereits drei zentrale Bereiche des Kulturerbewesens (Archiv, Bibliothek, Museum) unter einem Dach vereint, nicht nur besonders nahe. Er verspricht im besonderen Maße spannende Veränderungsimpulse und eine Weiterentwicklung der Rolle, Position und Funktion der DNB innerhalb des öffentlichen Kulturbereichs. Dieses Vorhaben verfolgen wir schon jetzt mit diversen Projektbeteiligungen, wie zum Beispiel an GND4C, NFDIText+ und der Deutschen Digitalen Bibliothek.

Das Perspektivpapier regt alle Akteur*innen des öffentlichen Kulturbereichs an, verstärkt und themenorientiert agile, kooperative und dabei insbesonders spartenübergreifende Arbeitsformen und digitale Angebote zu etablieren (vgl. S. 8f., 20). Als nächsten notwendigen Schritt der digitalen Entwicklung des öffentlichen Kulturbereichs definieren die Autor*innen den Aufbau von institutions-, sparten- und medienübergreifenden Austausch- und Entwicklungsräumen – sowohl physisch als auch virtuell. (S. 29). Das bezieht sich sowohl auf Ziele wie den Aufbau eines Digitalisierungsrates für den Bereich Kultur nach dem Vorbild des Rates für Informationsinfrastrukturen als auch die Stärkung von sparten- und institutionsübergreifender digitaler Verbundarbeit an gemeinsamen Zielen.

Im nächsten Schritt wollen wir gemeinsam mit Kolleg*innen aus unterschiedlichen Stellen des öffentlichen Kulturbereichs darüber diskutieren, wo und wie diese Ideen im Alltag von Gedächtnisinstitutionen umgesetzt werden können. Wir freuen uns auf einen regen Austausch.

*Nachweis Beitragsbild auf der Startseite:Klaus D. Sonntag

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