Spring Vibes

13. April 2026
von Christina Filbert

Im Herbst haben wir den „Cozy Autumn“ gefeiert, wir haben Strickjacken getragen und Kürbissuppe gekocht. In der Adventszeit haben wir „Cozy Christmas“ zelebriert und dabei Plätzchen gebacken und alles mit Lichterketten drapiert, was länger als 10 Minuten in unserer Wohnung still stand. Doch dann kam der Januar, und wir waren es leid, mehrere Schichten anzuziehen, bevor wir uns nach draußen wagten. Die Tage waren kurz und dunkel und wir sehnten  uns nach Helligkeit und Sonnenlicht. Während wir noch im Dezember darüber philosophieren, wie schnell das Jahr vergangen war, schien sich die Zeit im Januar und Februar zu verlangsamen. Mit anderen Worten genug „Cozy“, wenn im Februar die Schneeglöckchen blühen und die Eichhörnchen auf Brautschau gehen, dann spüren wir „Spring Vibes“.

Eichhörnchen im Februar 2026 im Frankfurter Nordend, Foto: DNB, Christina Filbert
Eichhörnchen im Februar 2026 im Frankfurter Nordend, Foto: DNB, Christina Filbert

Was machen Bibliothekar*innen im Frühling?

In der Formalerschließung lag Anfang des Jahres das Werk „Was Drachen im Frühling machen“ zur Bearbeitung vor. Bibliothekar*innen träumen eigentlich nur in der Nacht von Büchern, aber plötzlich ertappen wir uns dabei, wie wir darüber nachdenken, wie ein Buch über Bibliotheken, Bibliothekar*innen und der Frühling aussehen würde…

Zuerst recherchieren wir weitere Titel über den Frühling. Dann beginnen wir einen Blog-Artikel darüber zu schreiben.

Aber wer in die Bibliothek kommt und noch mehr, wer in der Bibliothek arbeitet, will es genau wissen! Haben wir etwa „Tulpenfieber“? Vielleicht müssen wir auch erkennen, „Das Leben ist kein Frühlingsspaziergang“. Wir dachten, „Der Frühling kommt auf leisen Pfoten“, stattdessen fühlte es sich nach „Ich glaube, mich tritt ein Hase“ an.

Woher kommt eigentlich das Wort Frühling und wie lange nutzen wir es schon?

Der Begriff Frühling entstand im 15. Jahrhundert  als Ableitung vom Adjektiv „früh“ mit dem Suffix „-ling“, was die „frühe Jahreszeit“ oder den „Anfang des Jahres“ kennzeichnet. Ursprünglich stammt das Wort aus dem spätmittelhochdeutschen „vrüelinc“. Ältere Begriffe wie „Lenz“ kamen aus der Mode. Ob auch damals die Traditionalisten so wie heute über die neumodischen Worte geschimpft und darauf bestanden haben weiterhin vom Lenz zu sprechen? Der Begriff Lenz stammt übrigens von „lang“ und verweist auf die länger werdenden Tage. Den Deutschen wird nachgesagt ein Faible für lange und komplizierte Worte zu haben (Stichwort Sollbruchstellenverursacher) und wenn man die Entwicklung von Lenz zu vrüelinc zu Frühling ansieht, scheint der Verdacht bestätigt.

Wir sehnen uns nach dem Frühlingsanfang, nur um uns zu fragen, was wir damit meinen?

Es gibt den meteorologischen Frühlingsanfang, der immer am 1. März beginnt. Befinden wir uns Anfang Januar scheint dies verlockend und gleichzeitig so weit weg zu sein. Aber eigentlich denken viele an den astronischen/kalendarischen der am 21. März beginnt.

Aber eigentlich denken wir dabei an Blumen und Vogelgezwitscher. Dabei handelt es sich um den phänologischen Frühlingsanfang, der sich in Vor-, Erst- und Vollfrühling aufteilt und irgendwann (!) zwischen Februar und Mai stattfindet. Phäno – was? Früher bedeutete das den Weg zum Wörterbuch. Heute googlen wir (wieder ein neumodisches Wort) geschwind und werden darüber informiert, dass Phänologie „ die Lehre von den im Jahresablauf periodisch wiederkehrenden Entwicklungserscheinungen in der Natur, wie Blüte, Blattaustrieb oder Fruchtreife“ ist. Die Lehre von der Erscheinung (griech. phaíno = ich erscheine) beobachtet biologische Prozesse im Kontext von Ökologie und Klima. Obwohl viele von uns nicht mehr im Einklang mit der Natur und ihren Jahreszeiten leben, sind Mosaikteilchen dieses Wissens in unserem modernen Leben erhalten geblieben. Wir freuen uns, wenn wir die ersten Schneeglöckchen blühen sehen, weil wir wissen, dass der Frühling beginnt. Und tatsächlich sind wissenschaftlich gesehen Schneeglöckchen ein Anzeichen im Februar für den Vorfrühling. Übrigens sind die Eichhörnchen , die im Frankfurter Nordend zuhause sind, ein weiterer Hinweis.

Während die Frankfurter eigentlich zu jeder Jahreszeit bereit sind ihren Kaffee draußen zu trinken, verweigern Zugereiste diese Angewohnheit und warten auf die wärmenden Sonnenstrahlen des Frühlings. Der Vorfrühling ist noch zu kalt, auch wenn Schneeglöckchen und Hasel blühen. Während Heuschnupfengeplagte Böses ahnen, träumen wir davon, dass der Erstfrühling mit dem Blühen von Forsythie, Kirsche und Birke beginnt und wir unsere Winterjacken endlich im Schrank lassen können. Mütze, Schal und Handschuhe müssen nicht ständig gesucht und mumienhaft getragen werden. Wir erkennen unsere Freund*innen und Kollegen*innen auch bei einem zufälligen Treffen im Bus oder beim Bäcker sofort und nicht erst beim Entfernen der diversen Kleider-Schichten beim Betreten der Bibliothek mit dem Ausruf „Ach, Du bist das!“.

Kaffeetasse mit Keramikosterhasen und pinkfarbenen Blumen Foto: DNB, Christina Filbert
Kaffeetasse mit Keramikosterhasen und pinkfarbenen Blumen Foto: DNB, Christina Filbert

Endlich wagen wir uns mit dem neuesten Krimi oder Biopic in das Café unseres Vertrauens und genießen Sonne und Kaffee im Freien. Und dann ist er endlich da der Vollfrühling! Apfel und Flieder blühen. Wir können nicht widerstehen und riechen auf dem Heimweg an jedem Fliederbusch und bewundern dessen Farbe von weiß bis rose zu dunklem lila.

Plötzlich machen all die Titel zum Thema Frühling, die wir im Winter katalogisiert haben Sinn: Denn der Frühling bringt nicht nur Blumen zum Blühen, sondern auch eine ganz eigene Art von Buchtiteln hervor.

Wir stolpern über Werke wie „Frühlingsgefühle und andere Katastrophen“. Während wir im Garten buddeln, erkennen wir uns in „Der Gartenversager“ wieder. Wer noch nie  „Ostern ist zum Kotzen“ gedacht hat, wenn die Familie den dritten Brunch an vier freien Tagen geplant hat, der hat vermutlich auch noch nie vom „Frühling in Paris“ geträumt.

Bevor Sie den Familienbrunch planen oder eine Reise nach Paris buchen, kommen Sie gerne in die Deutsche Nationalbibliothek nach Leipzig oder Frankfurt. Browsen Sie unseren Veranstaltungskalender und finden Sie die passende Veranstaltung für sich. Besuchen Sie die Ausstellungen des Deutschen Exilarchivs in Frankfurt oder das Deutsche Buch- und Schriftmuseum in Leipzig. Oder genießen Sie einfach die Ruhe der Lesesäle, um dort zu arbeiten und zu recherchieren. Alle zitierten Buchtitel befinden sich sicher verwahrt in den Magazinen der DNB Leipzig und Frankfurt bis jemand wissen will, was Drachen im Frühling machen oder ob Tulpenfieber ansteckend ist und sie bestellt.

Der letzte Blog-Beitrag dieser vierteiligen Reihe erscheint, wenn es Zeit wird für „Summer Vibes“. Bis dahin genießen wir gemeinsam „Spring Vibes“!

Christina Filbert

ist im Bereich Bestandsaufbau und Formalerschließung der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt tätig. Sie ist Bibliothekarin und Autorin.

*Nachweis Beitragsbild auf der Startseite:Foto: DNB Christina Filbert

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