Unsere letzte Ausgabe Dialog mit Bibliotheken

19. Oktober 2022
von Esther Frey, Kristina Knull-Schlomann

Eine Zeitreise von 1989 bis 2022

Die Deutsche Nationalbibliothek (ehemals Die Deutsche Bibliothek) hat im Jahr 1989 erstmals die Fachzeitschrift „Dialog mit Bibliotheken“ unter dem damaligen Generaldirektor Prof. Klaus-Dieter Lehmann (1988 – 1998) herausgegeben. Der Namensgebung ging ein hausinterner Titelwettbewerb voraus, dessen Ergebnis sowohl eine Spielerei mit den Anfangsbuchstaben des Hauses (DB) als auch ein eigenständiges Programm abbilden sollte. Der Ideengeber des Titels wurde mit einer Flasche Sekt belohnt!

Die ersten Ausgaben

Zunächst richtete sich der „Dialog“ primär an die Bezieher*innen und Nutzer*innen der damaligen zentralen bibliographischen Dienstleistungen der Deutschen Bibliothek. Redaktion, Herstellung und Vertrieb erfolgten im eigenen Haus. Jährlich erschienen drei Hefte, die anfänglich kostenlos bezogen werden konnten. Die Auflage betrug 500 Exemplare. Gedruckt wurde schwarz-weiß, schnörkellos ohne Abbildungen oder Fotos. Einzig der Umschlag wurde mit ein wenig Farbe in Lavendeltönen und einem kräftigen Orange aufgepeppt. Es gelang nicht immer auf Anhieb, die korrekten Farbtöne zu treffen, da diese mehr oder weniger von Hand gemischt wurden. Die ausgewählten Farben hatten damals noch keinen Bezug zu eventuellen Logos oder einem Corporate Design, denn ein solches gab es im Jahr 1989 noch lange nicht!

Bei der Gestaltung des Layouts wurde ein einspaltiger Druck festgelegt. Dieser wurde mit zusammenfassenden Marginalien versehen, bei denen es sich nicht um „Nebensächlichkeiten“ handelte, sondern sie sollten für eine gute Struktur und Lesbarkeit sorgen.

Entwicklung des Layouts: Zunächst einspaltig und am Rand strukturierende Marginalien
Foto: Alexander Paul Englert

Dialog zwischen Fachcommunity und Deutscher Bibliothek

Inhaltlich sollten in feststehenden Rubriken die hauseigenen bibliographischen Dienstleistungen bekannter gemacht werden, Anwendungserfahrungen und Meinungen Berücksichtigung finden. Aber die Redaktion wollte mit Auswahl der Beiträge auch über den „nationalen Tellerrand“ hinausschauen und auf internationale Projekte und Entwicklungen des Bibliothekswesens aufmerksam machen. Ein echter Dialog und Meinungsaustausch sollte zwischen der Fachcommunity und der Deutschen Bibliothek entstehen. Zunächst betrug der Heftumfang rund 25 Seiten.

Wichtige Themen am Ende der 80-er Jahre waren der Einsatz neuer Technologien, der internationale Datenaustausch in unterschiedlichen Datenformaten sowie die sich stetig weiterentwickelnde Bibliotheksautomatisierung. Als kleine Anekdote möchte ich anmerken, dass die damalige Deutsche Bibliothek zu diesem Zeitpunkt erstmals eine CD-ROM-Ausgabe der Deutschen Bibliographie auf den Markt brachte, selbst jedoch noch nicht über einen eigenen CD-ROM-Player verfügte. Leihweise bekam man von der Firma Philips ein solches Gerät für den 4. Deutschen Bibliothekskongress in Berlin 1989 mit dem Hinweis, dass es sich um einen Player im Wert von damals rund 10.000 DM handelte, der wie ein rohes Ei zu behandeln wäre. In heutigen Zeiten unvorstellbar.

Die Resonanz auf die neue Fachzeitschrift war positiv, der Start war gelungen, es gab sogar Anfragen von ausländischen Interessent*innen.

Entwicklung von Umschlag und Layout

Von 1990 bis zum Jahr 2005 wurden drei Ausgaben pro Jahr produziert und zum geplanten Neubau der Deutschen Bibliothek in Frankfurt am Main sowie zu dessen Vollendung gab es in den Jahren 1994 und 1997 jeweils eine umfangreiche und interessante Sondernummer. Ab 1992 wurden außerdem erstmals Werbeanzeigen, z. B. von Bibliothekssoftwareanbietern und sonstigen Bibliotheksausrüstern geschaltet.

Mit der Wiedervereinigung Deutschlands wurden die „Deutsche Bücherei“ und die „Deutsche Bibliothek“ zu „Die Deutsche Bibliothek“ mit Standorten in Leipzig und Frankfurt zusammengeführt. Auch das Deutsche Musikarchiv, gegründet am 1. Januar 1970 mit Sitz in Berlin, war eine eigenständige Abteilung der Deutschen Bibliothek.

Dieser Prozess wurde erstmals durch ein neues Logo abgebildet. Es bestand aus drei senkrechten farbigen Strichen in grün, blau und rot, die die unterschiedlichen Standorte repräsentierten.

In diesem Kontext wurden Umschlag und Layout erstmals 1995 überarbeitet, angepasst und modernisiert. Die Auflagenhöhe betrug ab diesem Zeitpunkt 1.000 Exemplare und die Herstellung in der Hausdruckerei war passé. Sie erfolgte fortan per Auftragsvergabe in einer externen Druckerei. Die Druckfahnen wurden damals noch von Kurieren der Druckerei abgeholt, da es zu diesem Zeitpunkt keine Möglichkeit der digitalen Kommunikation gab und somit viel „Handarbeit“ zur Manuskripterstellung und Korrektur der Fahnen nötig war.

Ein roter Umschlag mit dem neuen Logo am unteren Rand war jetzt Standard. Auch das Innenleben kam frischer und noch übersichtlicher daher:  Zweispaltiger Text wurde ab jetzt durch Abbildungen und Fotos aufgelockert. Den Marginalien blieben wir treu, denn sie hatten sich für eine schnelle Orientierung bewährt.

Vor rund sechzehn Jahren, am 29. Juni 2006, trat das Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek (DNBG) in Kraft. Es war ein einschneidendes Ereignis, denn der Sammelauftrag wurde um die sogenannten unkörperlichen Medienwerke, die Netzpublikationen, erweitert und infolge der Novellierung des Gesetzes wurde „Die Deutsche Bibliothek“ in „Deutsche Nationalbibliothek“ mit ihren Standorten Leipzig und Frankfurt am Main umbenannt (das Deutsche Musikarchiv befindet sich heute am Standort Leipzig).

Diese gravierenden Änderungen wurden zum Anlass genommen, den visuellen Auftritt der Deutschen Nationalbibliothek zu überarbeiten, mitunter durch die Weiterentwicklung des bisherigen Logos mit dem Ziel, die entsprechenden Ergebnisse deutlich nach außen zu transportieren. Etwas Neues, Unverwechselbares mit hohem Wiedererkennungswert war gefragt. Das Ergebnis des Relaunchs war bunt und zunächst ungewöhnlich. Viele farbige vertikale Linien stehen für stilisierte Buchrücken, aber auch Vielfalt, Übersichtlichkeit und Ordnung, und haben sich inzwischen als Marke etabliert.

Mit Heft 1 im Jahr 2008 entsprach auch der „Dialog“ diesen Anforderungen unter Verwendung frischer Pantonefarben und unter Einbeziehung der neu zu verwendenden Schriftart Verdana.

Bei den mittlerweile zwei Mal jährlich erscheinenden Druck- und Onlineausgaben (jeweils zu den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt) wird als Umschlagfarbe immer die Farbe eines vertikalen Strichs des Bibliothekslogos ausgewählt.

Relaunch Cover-Design: Insgesamt wurde die äußere Erscheinung des „Dialog mit Bibliotheken“ drei Mal überarbeitet.
Foto: Alexander Paul Englert

Artikelspektrum kontinuierlich erweitert

Inhaltlich ist sich der „Dialog“ weitgehend treu geblieben, dennoch wurde das Artikelspektrum kontinuierlich erweitert. Die ursprünglichen Rubriken DB-Forum, DB-International, Programme – Projekte, DB-Dienstleistungen und Kurzinformationen, immer mit einem einleitenden Editorial des*der amtierenden Generaldirektor*in versehen, wurde sukzessive behutsam erweitert. Bis zur heutigen Ausgabe werden die Rubriken Forum, Zeitpunkte und Notizen angeboten, selbstverständlich noch immer mit dem einleitenden Editorial.

Die einzelnen Artikel und Beiträge informieren über vielfältige Aspekte unserer Bibliotheksarbeit. Wir berichten kontinuierlich über die Ergebnisse von Kooperationen und Projekten, über Fortschritte bei neuen Verfahren, Neuigkeiten aus den Gremien, neue Dienstleistungen, von wichtigen und interessanten Ausstellungen des Deutschen Buch- und Schriftmuseums, des Deutschen Exilarchivs und des Deutschen Musikarchivs. Wir schreiben über unsere Messe- und Kongressaktivitäten, über besondere Veranstaltungen und unsere Spezialsammlungen.

Außerdem wird fortlaufend über den Entstehungsprozess gravierender Änderungen für das Bibliothekswesen informiert. An dieser Stelle sei exemplarisch die über einen langen Zeitraum geplante und erfolgreich umgesetzte Implementierung des Regelwerks RDA erwähnt.

Der „Dialog“ konnte auch sehr persönlich werden. In der Rubrik „Notizen“ waren die Beiträge „Personelles“ verankert, die über positive wie betrübliche Nachrichten berichteten.

Schritt für Schritt ins digitale Zeitalter

In der neu gegründeten Stabstelle „Marketing und Kommunikation“ (heute: Strategische Entwicklungen und Kommunikation) in der Generaldirektion liefen ab 2014 die Fäden für alle Publikationen des Hauses zusammen.

Geprägt waren diese Redaktionsjahre vor allem von der schnell voranschreitenden Digitalisierung auf dem Printmarkt. Während bis dahin die Manuskripte und Korrekturfahnen auf Papier und CD-Roms für eine Ausgabe mehrmals zeitintensiv durch halb Deutschland reisten, ging die Datenübermittlung ab 2014 in Sekundenschnelle zwischen den Servern der Bibliothek und der Druckerei hin und her. Das sparte enorm viel Zeit. Wir konnten viele Prozesse verschlanken und Abgabefristen lockerer takten, wovon alle Beteiligten profitierten. Und letzten Endes sparten wir dadurch auch Geld für den teuren Expressversand.

Doch nicht nur die redaktionellen Prozesse wurden an die Gegebenheiten der Zeit angepasst, sondern auch die Bereitstellung der Zeitschrift wurde zunehmend offener (Stichwort: Open Access). Die sehr rigide Praxis, die Ausgaben des Dialogs erst ein halbes Jahr nach Erscheinen im DNB-Katalog als Netzpublikation kostenlos zur Verfügung zu stellen, wurde irgendwann eingestellt, und die digitale Ausgabe des Dialogs ging zeitgleich mit der Printausgabe online. „Digitale Ausgabe“ bedeutet dabei eine PDF-Ausgabe der gedruckten Fassung. Das heißt: Es wurde im „Printmodus“ gedacht, geplant und umgesetzt und die digitale Version aus der Printausgabe extrahiert. Das war einige Zeit eine sehr einfache Lösung, um beide Zielgruppen zu bedienen – zum einen die herkömmlichen Printleser*innen, die überwiegend per Abonnement der Zeitschrift treu waren, und auch die Digitalleser*innen, die über die Katalogsuche oder durch Soziale Medien auf die digitale Ausgabe aufmerksam wurden.

Durch die Entwicklungen auf dem Buch- und Zeitschriftenmarkt merkten wir bald, dass digitale Medien auch digital gedacht werden müssen. Zum Beispiel stießen wir beim Thema digitale Barrierefreiheit immer mehr an unsere Grenzen. Unsere Anforderung als Bundesbehörde an die Vertragsdruckerei, beim Satz der Artikel im Layout auch die Barrierefreiheit zu bedenken, war enorm hoch und mitunter sehr herausfordernd für die Layouter in der Druckerei. In einem HTML-Dokument einer Homepage ist es heutzutage längst Standard, Zwischenüberschriften, Bildbeschreibungen etc. beim Einpflegen der Texte festzulegen und somit die Texte für den Screenreader, der sehbehinderten Menschen Artikel vorliest, korrekt vorzugeben. In eine für den Papierdruck erstellte Datei lassen sich die Anforderungen für die einwandfreie Lesbarkeit der Artikel nachträglich aber nur schwer einarbeiten. Insofern blieb die PDF-Version des Dialogs in unserem Katalog bis zum Schluss nur ein Kompromiss.

*Nachweis Beitragsbild auf der Startseite:Alexander Paul Englert

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