Unter den Kirschbäumen
Am 11. April lud die Deutsche Nationalbibliothek zum ersten Mal zu einem Fest unter den Kirschbäumen ein. Eine Bibliothek und Kirschbäume? 2011 wurden auf dem Turmhof des Geländes im Zuge des 4. Erweiterungsbaus 36 japanische Zierkirschen in einer Art Hain gepflanzt. Jedes Jahr im Frühjahr entfalten sie mit ihren Blüten eine berauschende Pracht in rosa. Die darunter platzierten Bänke laden zum Verweilen ein. Dieser besondere und zugleich etwas versteckte Hain bot nun eine großartige Gelegenheit für ein Fest, das zugleich einen Blick auf die Bestände mit engem Japan-Bezug in der DNB ermöglichte.



Hanami
Das Kirschblütenfest – Hanami – ist ein jährliches Großereignis in Japan. Es wird gefeiert, weil die Kirschblüte die Vergänglichkeit des Lebens, den Neuanfang und die Schönheit des Augenblicks symbolisiert. Die kurze Blütezeit erinnert daran, den Moment bewusst zu genießen. Typisch für Hanami ist, dass Menschen sich mit Familie, Freund*innen oder Kolleg*innen unter blühenden Kirschbäumen treffen, dort picknicken, gemeinsam essen und trinken und die Blüten betrachten.
Haikus, Manga und Takoyaki
Das Fest bot vielfältige Mitmachangebote wie Kirschblüten und Fächer falten, das Erkunden von Reiseführern, das Schreiben von Haikus und Mangazeichnen. Lesungen für Kinder sowie die Präsentationen der Buntpapiersammlung mit Fokus auf japanischen Papieren samt Vorführung der Marmoriertechnik Suminagashi bot zahlreiche Möglichkeiten, der japanischen Kultur näher zu kommen. In insgesamt vier Führungen lernten Besucher*innen die Deutsche Nationalbibliothek und ausgewählte Japan-Objekte aus dem Bestand kennen.





Wie ziehe ich einen Kimono an?
Abgerundet wurde das Programm durch das Angebot der Deutsch Japanischen Gesellschaft e.V. mit einem Kalligrafie-Workshop und einer Präsentation, die zeigte wie man einen Kimono anzieht. Kulinarisches Highlight waren die mit Mais oder Tintenfisch gefüllten Takoyaki-Bällchen. Mit über 300 Gästen war das Hanami mit viel Sonnenschein in der DNB ein voller Erfolg. Vielen Dank an alle Mitwirkenden und alle Neugierigen an diesem Tag!
Die Veranstaltung fand unter dem Motto „Zusammenhalt in Vielfalt“ statt. Die 28 Mitglieder der Initiative kulturelle Integration beim Deutschen Kulturrat – einem einzigartigen Bündnis von Vertreter*innen der Sozialpartner, Religionsgemeinschaften, Medien, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft haben diesen Aktionstag initiiert.
So ein Tag ist viel mehr als die reine Aufzählung von Programmpunkten. Im Folgenden ein ausführlicherer Bericht aus der Sicht einer Besucherin des Festes unter den Kirschbäumen.
Schon einige Wochen vor dem Kirschblütenfest entdeckte ich in der Medienausleihe der DNB Leipzig eine interessante Ausstellung. In einer Vitrine waren schöne Bücher zum Thema Japan und Kirschblüten ausgestellt, darunter eine Manga-Zeitreise mit Mangas aus verschiedenen Jahrzehnten, Sprachführern und anderen interessanten Büchern (mir gefielen besonders die Übersetzungen deutscher Werke wie Faust und Rubinrot ins Japanische). Die Neugier auf die Veranstaltung, die hier so schön beworben wurde, war geweckt. Bei der Abholung meiner bestellten Medien gab es auch in den Medienboxen einige Fächer mit ausgestellten Büchern zu entdecken, die einen Bezug zu Kirschblüten hatten. Ich freute mich schon sehr auf das Fest und konnte es kaum erwarten.
Das Hanami der DNB begann mit einer leisen Enttäuschung: die Kirschblüten, die normalerweise ein Highlight des Festes sind, hatten leider bereits ihre Blütezeit hinter sich gelassen. Dennoch gab es auf den Festplatz noch viel mehr zu entdecken.
Meine Reise begann am Empfangstisch, wo Spielkarten für die „Blütenjagd“ ausgeteilt wurden. Die Aufgabe bestand darin, eine Reihe von Stationen zu besuchen, um ein Wort zu lösen und dabei verschiedene Aspekte der japanischen Kultur zu entdecken. Die erste Aufgabe befand sich im Turmhof. Es galt, das japanische Gedicht mit 5-7-5 Silben zu identifizieren, was mir dank des gleichnamigen Standes in der Nähe gelang. Die Antwort war „Haiku“. Einige Besuchende vor mir hatten ihre selbst erdachten Haikus schon auf blütenförmiges Papier geschrieben und in den Kirschbäumen aufgehängt. Es wurde Zeit, sich auch an einem Haiku zu versuchen:
Alte Bücher ruhn
Zwischen Seiten flüstert Zeit
Licht fällt leis herein

Als Belohnung erhielt ich am Stand einen Stempel auf meine Spielkarte, den ersten Buchstaben des Lösungswortes (H) und einen Hinweis, der zur nächsten Station führte: Wie nennt man etwas, das aus Papier gemacht wird und gefaltet wird?
Die Antwort war „Origami“, also auf zum nächsten Stand. Hier erwarteten mich nun doch viele Kirschblüten, wenn auch aus Papier. Dabei entstand auch mein Wunsch, ebenfalls eine zu falten. Mit dem gefalteten Ergebnis ganz zufrieden stempelte ich meine Stempelkarte ab, trug den Lösungsbuchstaben ein (A) und las das nächste Rätsel, welches mich in das schöne historische Gebäude führte: Wie heißen japanische Bildgeschichten, die oft von rechts nach links gelesen werden?


Nach kurzem Überlegen konnte man die Antwort am nächsten Stand erkennen: Manga! Auf einem Tisch hatte man die Gelegenheit Mangas selbst zu malen. Da bekam man richtig Lust, welche zu lesen. Kein Problem, die DNB hat ja genügend Mangas im Bestand. Also nahm ich mir vor, beim nächsten DNB-Besuch auch ein paar Mangas zu bestellen, stempelte meine Karte ab und trug den Lösungsbuchstaben (N) ein. Der nächste Hinweis lautete: In welchem Lesesaal in der DNB könnte man Karten über Japan finden?
Als geübter Nutzer der Bibliothek kam mir der Kartenlesesaal in den Sinn. Die blütenförmigen Wegweiser führten durch das schwarze Treppenhaus, was über und über mit Blüten geschmückt war.


Im Kartenlesesaal waren viele Karten und Reiseführer über Japan ausgestellt. Erstaunlich, wie viele verschiedene Medien über Japan existieren!
Hier wartete eine sehr spannende Station auf mich, denn man konnte seine liebsten Japan-Reiseziele aussuchen und an die Japankarte anpinnen. Ich blätterte durch die ausgelegten Reiseführer und entschied mich für den Ritsurin Garten, einen der schönsten Gärten Japans, in der Stadt Takamatsu.




Sobald der Ort auf der Karte markiert war, konnte der Lösungsbuchstabe (A) gefunden und ein Stempel gesichert werden. Der nächste Hinweis lautete: Wie nennt man das Schreiben mit Pinsel und Tinte, das gleichzeitig Kunst ist?
Meine Antwort war Kalligrafie.
Glücklicherweise war noch ein Platz frei im Workshop am Stand der Deutsch-Japanischen Gesellschaft in Sachsen e.V. [http://www.japaninleipzig.de/about.php]. Dort lernten wir, wie man die schönen Schriftzeichen aufs Papier bringt. Danach erhielt ich meinen fünften Stempel und schrieb den Lösungsbuchstaben (M) auf meine Spielkarte. Der letzte Hinweis lautete: Welcher Gegenstand aus Papier lässt sich auf- und zuklappen und sorgt für Abkühlung?
Damit waren wohl die Fächer gemeint, welche man am Stand unter den Kirschbäumen falten konnte.


Jetzt erkannte ich mit dem letzten Buchstaben (I) das Lösungswort: HANAMI und bekam zur Belohnung eine hübsche Urkunde, einen DNB-Bleistift sowie eine Pokémonkarte.
Nach dem Abschluss der Blütenjagd gab es noch weitere interessante Stationen zu entdecken. Ich kam an der Kinderlesung japanischer Märchen vorbei, schaute beim Binden eines traditionellen japanischen Kimonos zu und bestaunte die japanischen Buntpapiere aus der Sammlung des DBSM. Bei der Suminagashi-Vorführung bekam man einen Einblick in die verschiedenen Techniken, die verwendet werden, um die schönen marmorierten Papiere herzustellen.
Nach diesen ganzen Eindrücken kam mir der Food Truck „Sachi“, der japanisches Essen anbot, gerade recht. Die Takoyaki, stellten sich als sehr lecker heraus.

Foto: DNB, Christine Hartmann

DNB, Fanni Fröhlich
Gut gestärkt ging es zur Führung mit Objekten aus dem Haus, die sich mit Japan oder der japanischen Kultur beschäftigten.
Insgesamt war das Kirschblütenfest ein toller Weg, um mehr über die japanische Kultur zu lernen und die DNB zu entdecken. Hoffentlich veranstaltet die DNB nächstes Jahr wieder ein solches Fest, vielleicht klappt es dann auch mit der echten Kirschblüte.








