Servierwagen für Großformate

11. März 2022
von Christine Hartmann und Julia Rinck

Das ist unser Größter!

Mitarbeiterin mit blau lackiertem Transportwagen für Großformate im Magazin
Foto: DNB, Christine Hartmann

Diesen Wagen für Großformate nutzt unter anderem Julia Rinck, seit 2020 Kuratorin der Grafischen Sammlung und Buntpapiersammlung im Deutschen Buch- und Schriftmuseum. In den Blattsammlungen des Museums befinden sich Objekte in allen Größen von kleinsten Brief- und Reklamemarken über historische Kupferstiche und Holzschnitte bis hin zu großformatigen zeitgenössischen Grafiken oder Plakaten. Auch farbenprächtige Buntpapiere, wie dieses Blatt der niederländischen Marmoriererin Eva van Breugel finden darauf Platz. Die Blätter werden aus den Grafikschränken im für Objekte wohltemperierten Magazin geholt und für Benutzer*innen im Lesesaal bereitgestellt, zum Ausstellungsaufbau gebracht oder in Seminaren und anderen Fachveranstaltungen präsentiert.

Marmorpapier der niederländischen Marmoriererin Eva van Breugel aus dem Bestand der Deutschen Buch- und Schriftmuseums
Marmorpapier von Eva van Breugel

Der blau lackierte Wagen war in den 1990er Jahren eine Spezialanfertigung für ein Projekt zur Erschließung der Plakate der umfangreichen Weltkriegssammlungen, die nun ebenfalls ihren Platz im Buchmuseum gefunden haben. Seitdem hantieren ihn Mitarbeiter*innen ebenso wie Praktikant*innen und fahren die Plakate und andere Objekte durchs ganze Haus vom zweiten Untergeschoss bis ins fünfte Obergeschoss. Der Vorteil dieses Gefährts ist nicht nur, dass fast alle Großformate (Nutzfläche 70 × 100 cm) damit transportiert werden können, sondern dass er – gerade noch – auch in den kleinsten der Leipziger Aufzüge passt. Da allerdings ohne Begleitperson.

Servierwagen aus früheren Zeiten

Mitarbeiterin mit dem für die Ausstellungsvorbereitung bestückten Servierwagen vor den goldenen Türen des "Tresors"
Foto: DNB, Roberta Keding

Ein ähnlich großer Wagen ist bei Christine Hartmann im Deutschen Buch- und Schriftmuseum in Nutzung. Seit 2020 koordiniert sie im Museum die Ausstellungen und die Öffentlichkeitsarbeit in der Nachfolge von Julia Rinck, die den Wagen davor auch schon nutzte und vor allem sehr schätzte. Denn das Gefährt ist nur auf den ersten Blick ein klassischer Bücherwagen: Mit seinen vier schwenkbaren Rollen ist er unglaublich wendig und fährt sich fast wie ein amerikanischer Straßenkreuzer. Das liegt vor allem an seiner Breite und der großen Auflagefläche für Objekte und alles, was es für den Auf- und Abbau von Ausstellungen braucht.

Plakat der Ausstellung "Verbriefte Freundschaft"
Ausstellungsplakat, Zeichnung: Axel Scheffler / Grafik: Tecton

Dabei ist das Modell ursprünglich gar nicht für die Nutzung in Museen oder Bibliotheken konzipiert. Es handelt sich hier indessen um einen Servierwagen, der beispielweise in Krankenhäusern zum Austeilen von Mahlzeiten genutzt wurde. Wie er seinen Weg nun an den Deutschen Platz gefunden hat, ist unbekannt. Gewiss ist jedoch, dass es ein Standard-Modell der früheren DDR ist. In diesem Fall hat er bereits eine schöne Patina angesetzt: diverse Farbschichten zeugen davon, dass der Wagen nicht immer senfgelb war. Die Auflegeböden sind aus dem in der DDR weitverbreiteten „Sprelacart“ (mit Kunstharz gebundene Schichtplatten) gefertigt. Besonders praktisch ist die obere Auflagefläche, die leicht vertieft ist, so dass beim Transport nichts verrutschen kann.

Aktuell ist der Wagen im regen Einsatz: Am 15. März 2022 öffnen sich die Türen des goldenen Tresors im Buch- und Schriftmuseum für die neue Ausstellung Verbriefte Freundschaft. Axel Schefflers fantastische Briefbilder. Bis es so weit ist, rollt der Servierwagen noch sehr lässig, wendig und mit wunderbaren Exponaten beladen durch die Gänge des 4. Erweiterungsbaus der DNB.

Verbeugung vor dem Bücherwagen

Wir erweisen dem Bücherwagen, einem unserer wichtigsten Hilfsmittel, die Reverenz und machen ein Stück lebendige Geschichte sichtbar. Dafür haben wir die Postkartenserie „Der Fuhrpark der Deutschen Nationalbibliothek. Bücherwagen im Wandel der Zeit“ mit zehn Motiven aus unseren Häusern in Leipzig und Frankfurt am Main aufgelegt. Das Set schicken wir Ihnen gerne kostenlos zu, eine kurze Mail an publikationen@dnb.de genügt.

Collage der 10 Bildpostkarten mit unterschiedlichen Bücherwagen
Die gesamte Serie im Überblick Fotos: Stefan Hoyer, PUNCTUM (Leipzig) und Stephan Jockel, DNB (Frankfurt)

Beiträge der Serie

  • Rudi, Karlchen und Jörg

    Seit fast 50 Jahren ist Jörg Räuber bei uns. Nicht nur hat er mit Bücherwagen schon einiges erlebt – er kennt sogar einige ihrer Namen.

    Link zum Beitrag

  • Fahrrad und Einkaufswagen

    Für jeden Anwendungsfall das passende Gefährt. Spaß macht das schon, mit dem Rad durch die Gänge zu fahren – ist aber nicht ganz einfach.

    Link zum Beitrag

  • Servierwagen für Großformate

    Spezialanfertigungen und Umwidmungen. Für herausfordernde Transportaufgaben werden wir erfinderisch.

    Link zum Beitrag

  • Die „Neuen“ ziehen ein

    Wie ist der Fuhrpark der Deutschen Nationalbibliothek gestaltet? Drei Auszubildende berichten über ihre Erfahrungen mit den Bücherwagen.

    Link zum Beitrag

  • Baujahr 1916

    Seit mehr als 100 Jahren im Dienst: Der Bücherwagen aus der Zeit um 1916 vermittelt einen Hauch von Geschichte.

    Link zum Beitrag

  • Der Fuhrpark der DNB

    Bücherwagen im Wandel der Zeit. Im Laufe der Jahrzehnte ist eine erstaunliche Vielfalt an Bücherwagen zusammengekommen. Nun zeigen wir sie der Öffentlichkeit.

    Link zum Beitrag

*Nachweis Beitragsbild auf der Startseite:DNB, Roberta Keding

Schreibe einen Kommentar

Kommentare werden erst veröffentlicht, nachdem sie von uns geprüft wurden.
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Über uns

Die Deutsche Nationalbibliothek ist die zentrale Archivbibliothek Deutschlands.

Wir sammeln, dokumentieren und archivieren alle Medienwerke, die seit 1913 in und über Deutschland oder in deutscher Sprache veröffentlicht werden.

Ob Bücher, Zeitschriften, CDs, Schallplatten, Karten oder Online-Publikationen – wir sammeln ohne Wertung, im Original und lückenlos.

Mehr auf dnb.de

  • ISSN 2751-3238